"Unsere wichtigsten Partner": Kontinuität und Umbrüche Thema auf der jährlichen Pilgerleitertagung in Altötting

Als sich die rund 140 Teilnehmer aus nah und fern nach dem Auftaktgottesdienst in St. Magdalena gerade im Altöttinger Kultur + Kongress Forum zum Start der jährlichen Pilgerleitertagung eingerichtet hatten, ließ auch schon Wallfahrtsrektor und Tagungsleiter Prälat Günther Mandl die Bombe platzen: "Für mich ist es time to go, time to say goodbay!"

Eigentlich habe er ja noch bis 75 weitermachen wollen, so Mandl, doch angesichts der anstehenden großen Baumaßnahmen und Umstrukturierungen habe er Bischof Stefan Oster bereits im Oktober 2018 um seine Entbindung gebeten – auch damit sein Nachfolger freie Hand bei den notwendigen Entscheidungen habe. Nun werde er also am 1. September kommenden Jahres mit dann 74 Jahren in den Ruhestand gehen und damit nach sechsjähriger Amtszeit das Amt des Wallfahrtsrektors in andere Hände geben.
Diese Hände sind seit kurzem bekannt: Der jetzige Generalvikar des Bistums Passau, Domkapitular Klaus Metzl übernimmt von Prälat Mandl die Ämter des Stadtpfarrers und Wallfahrtsrektors. Mandl zeigte sich über die Entscheidung sehr glücklich – nicht nur, dass Metzl mit dem Gnadenort bestens vertraut und ein wunderbarer Seelsorger sei, sondern auch aufgrund seiner Organisations- und Leitungsfähigkeiten. Denn, wie eingangs erwähnt, es stünden umfangreiche Maßnahmen am Wallfahrtsort an: allen voran 2021 die kostspielige Dachsanierung der Heiligen Kapelle sowie größere Sanierungsarbeiten am Gebäude der Bischöflichen Administration. Im Hinblick auf die Gnadenkapelle sei eine zeitweilige Schließung und die Verlegung aller Gottesdienste in die Stiftspfarrkirche unumgänglich.
Der Abschied falle ihm gewiss nicht leicht, sagte Mandl an die versammelten Pilgerleiter gerichtet: “Mir ist die Wallfahrt unwahrscheinlich ans Herz gewachsen!” Viele neue Akzente habe er in den vergangenen Jahren zum Wohle der Wallfahrt setzen können – von der Einführung von Pilgerbetreuern, Impulskatechesen und regelmäßigen Marienandachten mit Einzelsegnungen bis hin zu größeren Synergieeffekten bei Ministranten, Chören oder liturgischen Helfern. Mandl betonte, er gehe mit Zufriedenheit in den Ruhestand – auch in dem Wissen, weiter in Altötting wohnen und dienen zu dürfen. Den Pilgerleitern dankte er für ihre eigenen “Dienste im Weinberg des Herrn”: “Ihr seid unsere wichtigsten Partner in der Gestaltung der Wallfahrt!”
In seinem an die Worte Mandls anschließenden Bericht informierte der stellvertretende Wallfahrtsrektor, Kapuzinerpater Br. Norbert Schlenker dann seinerseits die Tagungsteilnehmer über die in seinem Bereich anstehenden Veränderungen: Wie bereits 2017 angekündigt, werden die Kapuziner das 1874 übernommene Kloster St. Magdalena aufgrund der rückläufigen Zahlen im Orden zum Ende der Wallfahrtssaison 2021 in die Hände des Bistums Passau übergeben. Künftig werden dort nach heutigem Stand wohl die “Brüder Samariter FLUHM” (FLUHM = “Flamme der Liebe des Unbefleckten Herzens Mariens”) aus der erst 1980 gegründeten “Samaritischen Bewegung Mariens” wirken. Die Gemeinschaft wurde 2003 durch Kardinal Christoph Schönborn in der Erzdiözese Wien errichtet und ist kirchlich als klerikaler Verein approbiert. Das Haupthaus befindet sich in Klein-Mariazell in der Nähe Wiens.
Die Brüder Samariter werden dann auch in der Wallfahrtsseelsorge mitarbeiten, welche die Kapuziner künftig nicht mehr alleine schultern können. Auch bleibt St. Magdalena als Beichtkirche erhalten. Die Kapuziner konzentrieren sich auf das Kloster St. Konrad und werden auch weiter in der Wallfahrtsseelsorge dienen – der stellvertretende Wallfahrtsrektor wird ein Kapuziner bleiben –, mit Schwerpunkt auf die Bruder-Konrad-Verehrung und dem Engagement in der Marianischen Männerkongregation. Die Wallfahrtskustodie allerdings soll dann mit und in der Bischöflichen Administration der Heiligen Kapelle zusammengelegt werden.
Erhalt der Berichterstattung über die Wallfahrt
Nach P. Norbert verkündete dann Bruder Georg Greimel in seiner Funktion als geistlicher Beirat des Altöttinger Liebfrauenboten die “gute Nachricht”, dass die Zeitung ab Januar 2020 in das Eigentum der Diözeses Passau wechsele und damit der Fortbestand gesichert sei: “Ein Glücksfall”, wie Br. Georg betonte, denn damit blieben nicht nur die Arbeitsplätze und das Büro in Altötting erhalten, sondern auch – “wichtig für Sie” – die Berichterstattung über die Wallfahrt.
Einen weiteren “Abschied” jedoch verkündete in seinem Grußwort Erster Bürgermeister Herbert Hofauer, der bei den Wahlen im kommenden Jahr nicht mehr kandidiert. Er habe die Zusammenarbeit der Stadt mit den Wallfahrtsverantwortlichen stets als gut und bereichernd empfunden und sein Anliegen, den Gnadenort Altötting auf die europäische Ebene zu heben, in Gestalt der “Shrines of Europe” verwirklichen können. Den Pilgerleitern rief er zu: “Auf ein Wiedersehen, dann mit dem Altbürgermeister von Altötting!”
Ein Wiedersehen wird es auch mit Wallfahrtsrektor Prälat Günther Mandl geben, dann allerdings beratend und unterstützend an der Seite seines Nachfolgers Klaus Metzl. Am Ende der Pilgerleitertagung würdigte der Pilgerpfarrer der Regensburger Fußwallfahrt, Hannes Lorenz, Prälat Mandl für dessen stetige Sorge um die Wallfahrt. Die Pilgerleiter dankten dem sichtlich gerührten Wallfahrtsrektor mit langanhaltenden stehenden Ovationen.
Text: Wolfgang Terhörst