Als Diener zu den Menschen gehen: Bischof Stefan Oster weihte in Altötting Florian Schwarz und Matthias Zellner zu Diakonen

Bei Jesus zu bleiben und als Diener zu den Menschen zu gehen riet am 7. Dezember Passaus Bischof Stefan Oster in seiner Predigt Florian Schwarz und Matthias Zellner, bevor er die beiden Priesteramtskandidaten aus dem Priesterseminar St. Stephan/Passau in der Altöttinger St. Anna-Basilika zu Diakonen weihte. Bischof Oster betonte auch die Bedeutung der „ein ganzes Leben bestimmenden Entscheidung“ für das Amt des Diakons und erklärte u.a. wie Diakone (wörtlich übersetzt: Diener) die Herzen der Menschen wirklich „berühren“ können.
Von der „Freude, dass man endlich in den Dienst genommen wird“ sprach Florian Schwarz (Heimatpfarrei: Mariä Himmelfahrt Fürstenzell, 33 Jahre alt) im Interview mit dem Bistum Passau vor der Diakonenweihe. Und natürlich auch von der „Freude auf die kommende Priesterweihe“ im nächsten Jahr. Sowohl Schwarz als auch der gelernte Anlagenmechaniker Matthias Zellner (Heimatpfarrei: Mariä Namen Iggensbach, 32) haben mit Theologiestudium und (Pastoral-)Praktika einen langen Weg hinter sich und wollen nun endlich anpacken. Das eine „Schlüsselerlebnis“ für die Priesterberufung hatten beide laut eigener Aussage nicht, vielmehr war es „eine Art Hineinwachsen“, u.a. über auch über den Dienst als Ministranten. Matthias Zellner drückte es so aus: „Ich will Priester werden, weil mich die Liebe zu Jesus Christus angesteckt hat und diese Liebe möchte ich gerne weitergeben.“
„Mit Christus leben“

Von der „Liebe“ sprach auch Bischof Oster in seiner Predigt bei der Diakonenweihe, doch warnte er auch davor, dieses Wort misszuverstehen: die „Liebe des Herrn“, die Priester und Diakone verkündigen sollen, sei „tiefer, reiner und größer“ als die „normale“, menschenmögliche Liebe; Gottes Liebe könne etwa auch „das grundlos Böse“ im Menschen vergeben und sie sei im doppelten Sinne „umsonst“: gratis und zumindest dem Anschein nach „vergeblich“. Bischof Oster erinnerte mit Verweis auf das Tagesevangelium vom „Guten Hirten“ (Joh 10, 11 – 16), dass dieser „für die Seinen“ sogar sein eigenes Leben gebe. In diesem Sinne sollten sich auch die beiden Diakone in erster Linie als Diener sehen, die sich nicht zu schade dafür sind, gerade auch jenen Menschen zu dienen, die Hilfe am nötigsten haben.
Den heiligen Kirchenvater Ambrosius von Mailand (4. Jh. n.Chr.) stellte Bischof Oster an dessen Gedenktag als Vorbild heraus. Ambrosius war nicht nur ein hervorragender theologischer Schriftsteller, sondern darüber hinaus ein charismatischer Prediger und begnadeter Rhetoriker, der der Legende nach seine „honigsüße“ Sprache den Bienen selbst verdankte. Doch nicht seine besonderen Begabungen machten ihn zu einem Heiligen, wie Bischof Oster in seiner Predigt betonte; vielmehr war es seine Berufung, die Menschen dahin zu führen, wo sie den wahren „Honig“ finden: die Frohe Botschaft im Evangelium und damit „den unergründlichen Reichtum Christi“ (vgl. Tageslesung, Eph 3, 8). Bischof Oster riet daher den Priesteramtskandidaten sich von Jesus Christus „formen“ zu lassen. „Die Seele formt sich durch das, was einem am Wichtigsten ist“, erklärte er und fügte hinzu: nur Priester, die den Herrn in den Mittelpunkt stellen, die „von Tag zu Tag mit Christus leben“, können Menschen wirklich überzeugen und gar deren „Herzen berühren“. Bischof Oster resümierte: „Ihr werdet Diener der Freude der Menschen sein, wenn ihr ihnen helft, (wie der heilige Ambrosius) den (wahren) Honig zu finden.“
Zwei Bischöfe im Altarraum

Der Akt der Weihe selbst war geprägt von aussagekräftigen Riten und Gesten: Florian Schwarz und Matthias Zellner erklärten sich bereit, das Amt des Diakons zu übernehmen und sprachen ihr „Ja“ zum zölibateren Leben. Bischof Stefan Oster legte ihnen die Hände auf und sprach das Weihegebet. Als Zeichen ihres Dienstes wurden Florian Schwarz und Matthias Zellner Stola und Dalmatika angelegt, Bischof Oster überreichte ihnen das Evangelienbuch.
Viele Familienangehörige und Freunde kamen zum feierlichen Weihe-Gottesdienst in die Basilika, der vom Altöttinger Kapellchor und Orgel mit H. L. Hasslers „Dixit Maria“ eindrucksvoll musikalisch gestaltet wurde. Zahlreiche Diakone, Priester und auch zwei Bischöfe versammelten sich im Altarraum: neben Hauptzelebrant Bischof Oster konzelebrierte u.a. auch der Freiburger Erzbischof Stephan Burger – er weilte zuvor vier Tage lang mit dem Pilgerzug aus seiner Diözese in Altötting und ist mit Neudiakon Florian Schwarz befreundet. Außerdem stand der Salzburger Domkustos Hans Reißmeier als Konzelebrant mit am Altar; er ist mit Neudiakon Matthias Zellner verwandt. Der Regens und Subregens des Passauer Priesterseminars, Martin Dengler, und Domdekan Hans Bauernfeind, konzelebrierten; außerdem waren zugegen zahlreiche Priester des Passauer Domkapitels mit u.a. Klaus Metzl, Generalvikar und zukünftiger Administrator in Altötting (ab September 2020), Josef Ederer, zukünftiger Generalvikar, und Heribert Schauer, Dekan im Dekanat Altötting, sowie Priester des Altöttinger Kollegiatstifts St. Rupertus.

Bereits am Vorabend der Weihe hatten Florian Schwarz und Matthias Zellner zur geistlichen Einstimmung in der Gnadenkapelle die Komplet (Abendgebet) gebetet. Nach der Weihe am Samstag fand nachmittags eine feierliche Vesper in der St. Konradkirche mit Predigt des neuen Diakons Florian Schwarz, einem Segen für die anwesenden Gläubigen und anschließender Prozession zur Gnadenkapelle statt. In der Kapelle wurde die mitgebrachte Kerze entzündet; nach einer kurzen Andacht mit Weihe an die Gottesmutter entließ Wallfahrtsrektor und Stadtpfarrer Prälat Günther Mandl die beiden Diakone mit einem Gastgeschenk – je eine Votivkerze mit einer Abbildung der Altöttinger Gnadenmutter.
Text: Michael Glaß