
Im September und im Rosenkranzmonat Oktober erreichen normalerweise sehr viele Wallfahrer Altötting. Nicht so dieses Jahr, da Wallfahrten aufgrund der Corona-Pandemie nur sehr eingeschränkt und unter strengen Vorkehrungen möglich sind. Dafür kommen umso mehr Einzelpilger und Familien. Aber auch kleine Gruppen erreichen das "Herz Bayerns" – hier eine kleine Auswahl:
Hoffnungsträger – Wallfahrt des Bayerischen Pilgerbüros

Normalerweise lädt das Bayerische Pilgerbüro alljährlich im Frühjahr zur Wallfahrt nach Altötting ein: vom Münchner Hauptbahnhof mit dem Zug nach Heiligenstatt und dann die restlichen sieben Kilometer zu Fuß den Kreuzweg am Mörnbach entlang. Corona-bedingt wurde dieses Jahr die Wallfahrt auf den Herbst verschoben und am 5. Oktober durchgeführt. Rund 40 Pilger nahmen teil. Eine kleinere Gruppe unter Leitung von Wallfahrtsgründerin Frau Dr. Irmgard Jehle weilte für mehrere Tage am Gnadenort. Unter strengen Sicherheits- und Hygienevorkehrungen feierten die Pilger mit dem Präsidenten des Bayerischen Pilgerbüros, Münchens Weihbischof Wolfgang Bischof, in der St. Konrad-Kirche einen Gottesdienst.
Für Weihbischof Bischof ist Altötting, wie er eingangs der hl. Messe betonte, der wichtigste Marienwallfahrtsort in Bayern: „ein Ort des Glaubens, zu dem die Menschen ihre Sorgen und Nöte tragen, aber auch in Dankbarkeit und Freude pilgern“. Vom hl. Bruder Konrad, dem Klosterpförtner des damaligen St. Anna-Klosters, könnten wir lernen. Mit diesem stillen Heiligen als Vorbild könnten Christen zu „Hoffnungsträgern für die Welt“ werden.
Weihbischof Bischof predigte über das Evangelium vom Gutsbesitzer und dem Weinberg (Mt 21,33ff). Christen stünden in der Verantwortung des himmlischen Vaters und müssten gerade auch in schwierigen Zeiten Verantwortung füreinander übernehmen, betonte er. „Als Gottes Berufene müssen wir so leben, dass Gott in dieser Welt spürbar und erfahrbar wird.“ Der Weihbischof appellierte: „Wenn sich Menschen begegnen, so müsse man spüren: da lebt einer in tiefster Hoffnung aus dem Herrn.“ Er erinnerte: „Der hl. Bruder Konrad lebte aus dieser Hoffnung; deshalb laute der Auftrag an uns: Öffnen wir uns für den Anruf des Herrn, als Hoffnungsträger für die Welt!“
In den vergangenen Jahren wurde anstelle der Fürbitten von jedem Wallfahrer an der großen Pilgerkerze ein Licht in den persönlichen Anliegen entzündet und vor den Volksaltar gestellt. Da dies heuer nicht genehmigt war, bat Weihbischof Bischof, die kleinen Pilgerkerzen in den verschiedensten Anliegen zu Hause anzuzünden. Diese seien symbolisch mit der brennenden Pilgerkerze am Wallfahrtsort Altötting verbunden und verdeutlichten den Wert der Gebetsgemeinschaft.
Treue Marienverehrer – Wallfahrt „Maria Bildeich“


Von Samstag, 3. Oktober, bis Montag, 5. Oktober, weilte die Bus-Pilgergruppe „Maria Bildeich“ aus der Pfalz unter der Leitung von Pfarrer Marco Richtscheid am Wallfahrtsort der Gnadenmutter und des heiligen Bruders Konrad. Der Name der Pilgergruppe „Maria Bildeich“ ist Programm: er verweist auf eine Marienkapelle im Wald und weist die 34 Wallfahrer als große Marienverehrer aus. Endlich sei es auch wieder möglich mit einer Pilgergruppe nach Altötting zu fahren, freute sich Pfarrer Richtscheid. Die Corona-Pandemie und ihre Folgen, vor allem die anfänglich geschlossenen Kirchen und Gottesdienstfeiern ohne Gemeinde, waren „eine bittere und traurige Zeit“, wie Pfarrer Richtscheid anmerkte. Umso erfreulicher waren für ihn die Livestream-Gottesdienste aus der Gnadenkapelle; regelmäßig nahm er insbesondere an der Eucharistiefeier um 9 Uhr mit Wallfahrtsrektor Prälat Günther Mandl teil. So reifte in Pfarrer Richtscheid die Idee, zu Prälat Günther Mandls Verabschiedung in den Ruhestand ein Buch mit Prälat Mandls „Livestream-Predigten“ herauszugeben – „aus einer besonderen Zeit, die viele Gläubige aufgebaut, getröstet und zur Freude am Glauben motiviert hat“, wie er erklärte. Mit der tatkräftigen Hilfe von Tanja Müller und Iris Kunsmann wurden die Predigten (von Freitag, 29. Mai bis Donnerstag, 13. August) aufgezeichnet und sind nun im Buch „Aus der Gnadenkapelle von Altötting, dem Herzen und Nationalheiligtum Bayerns – Die letzten Predigten als Wallfahrtsrektor und Stadtpfarrer von H.H. Prälat Günther Mandl“ verewigt. In einer bewegenden Feierstunde wurde dieses „Predigtbuch“ von Pfarrer Richtscheid persönlich an Prälat Mandl überreicht. Für alle Interessenten: Dieses „Predigtbuch“ wurde in einer Erstauflage von 600 Exemplaren gedruckt und kann im hiesigen Buchhandel und an den Schriftenständen der Altöttinger Kirchen erworben werden.
Maria hat geholfen – Wallfahrer aus Armstorf löst Gelübde ein

„Muttergottes, wenn du hilfst, dass mein Bub überlebt, egal wie, dann mach ich jedes Jahr eine Wallfahrt nach Altötting“ – dieses Gelübde hat Markus Kutschker (2.v.r.) aus Armstorf bei Dorfen vor zwölf Jahren in seiner Verzweiflung gemacht, als sein damals achtjähriger Sohn Tom, der mit dem Fahrrad unterwegs gewesen war, von einem Auto überfahren und lebensgefährlich verletzt wurde. Sein Sohn hat überlebt und so pilgert Markus Kutschker jedes Jahr am 3. Oktober in großer Dankbarkeit nach Altötting, wie er berichtete. Heuer am 3. Oktober erreichten Markus Kutschker und seine Weggefährten am frühen Nachmittag das Pilgerziel.
Zur Erstkommunion – Wallfahrt aus Windorf

Stellvertretend für die „österliche Traditions-Fußwallfahrt“ aus Windorf bei Vilshofen erreichten die beiden Familien Schmid (Erwin Schmid (l.) ist Vorbeter) und Familie Bär (Martin Bär (r.) ist Pilgerleiter und Neffe von Passaus Dompropst i.R. Hans Striedl) in einer zweitägigen Radwallfahrt (2./3. Oktober) den Gnadenort Unserer Lieben Frau. Mit dabei auch Erstkommunikant Maxi Schmid (9). Die Corona-Pandemie dieses Jahres hat sowohl den eigentlichen Wallfahrtstermin um Ostern wie auch die Erstkommunion erst zu einem späteren Zeitpunkt ermöglicht. Letztere fand in Windorf am 13. September statt. So war die Radwallfahrt nach Altötting zugleich Maxis verspäteter Erstkommunion-Ausflug, den er mit Bravour gemeistert hat – immerhin waren es mit Hin- und Rückfahrt insgesamt rund 200 Kilometer. Respekt! Auch Maxis Mama, Heidelinde Schmid, darf man Respekt und Anerkennung zollen, ist sie doch seit 2018 Kulturpreisträgerin des Landkreises Passau.
Hoher Besuch – Erzbischof Serafim Joantas am Gnadenort

Erzbischof Serafim Joantas – Metropolit der Rumänisch-Orthodoxen Kirche für Deutschland und Zentral- und Nordeuropa mit Sitz in Nürnberg – war am 19. September zu Besuch in Altötting. Er lebe nun 25 Jahre in Deutschland, sei noch nie „an diesem heiligen Platz gewesen“ und wolle unbedingt den marianischen Wallfahrtsort besuchen, erzählte Alexandra Stefan (r.), Ehefrau des Rumänisch-Orthodoxen Priesters Christian Stefan (l.), die zusammen mit Stadtpfarrer und Wallfahrtsrektor i.R. Prälat Günther Mandl (2.v.l.) den hohen Gast der Rumänisch-Orthodoxen Metropolie mit den Sehenswürdigkeiten Altöttings vertraut machten; insbesondere durch einen Besuch der Gnadenkapelle. Das Ehepaar Stefan wirkt seit 1. Mai dieses Jahres in Altötting, kümmert sich vor Ort um die Rumänisch-Orthodoxe Kirchengemeinde und übernahm ab 1. Oktober die Mesnerstelle der Altöttinger Friedhofskirche St. Michael. Darüber mehr in einer der nächsten Liebfrauenboten-Ausgaben.
Caritativ engagiert – Pilger der Herz-Mariae-Bruderschaft München

Am 19. September pilgerte eine kleinere Abordnung der Fußwallfahrt Herz-Mariae-Bruderschaft München unter Leitung von Antonie Wilken mit Kreuz- und Fahnenabordnung zum Gnadenort Unserer Lieben Frau. Immer um den 1. Mai, dem Festtag Patrona Bavaria, machen sich die Wallfahrtsteilnehmer ab Vaterstetten auf den Weg – dieses Jahr hat die Corona-Pandemie erst im Herbst eine Durchführung möglich gemacht; auch die Teilnehmerzahl war geringer als sonst. Umso schöner, dass es für diese kleine „Abordnung“ dann doch geklappt hat; auch der Herbst zeigte sich von seiner sonnigen Seite. Löblich ist auch die caritative Missionsarbeit der Herz Mariae-Bruderschaft für alte, kranke und behinderte Menschen in der Heimat sowie Hilfsaktionen in Hungergebieten auf der ganzen Welt.
Mit Glaubensfreude – Wallfahrerinnen der KAB Immenreuth

„Trotz Corona-Pandemie haben wir 25 Teilnehmer“, freute sich die KAB-Vorsitzende Claudia Porst (2.v.r.), die am 3. Oktober zusammen mit Kaplan Justin Kishimbe die Buswallfahrt aus dem oberpfälzischen Immenreuth organisierte. Alle Jahre kommen sie am 3. Oktober zum Gnadenort Altötting und auch das Corona-Jahr 2020 habe sie dabei nicht „abgehalten“, wie Claudia Porst betonte; im Gegenteil: „Wir müssen doch als gläubige Christen gerade in schwierigen Zeiten ein Zeichen setzen – Überängstlichkeit hilft da auch nicht weiter. Wir jedenfalls lassen uns die Glaubensfreude nicht verderben“, erklärten die fünf Pilgerinnen übereinstimmend.
Texte und Fotos: Roswitha Dorfner