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Thierham: Sehr originelle Kapelle eines „scheuen Waldlers“ – Serie Wallfahrtsorte Teil II

Michael Glaß am 29.03.2021

2021 03 29 aoelfb waldkapelle thierham1 info-icon-20px Foto: Gabriele Seibold
Andacht vor der Waldkapelle in Thierham, Pfarrei Sonnen.

Die Passauer Jugendfußwallfahrt nimmt heuer nicht nur Altötting, sondern viele Wallfahrtsziele im Bistum Passau in den Blick. Im zweiten Teil unserer Serie: eine kleine Waldkapelle in Thierham, wie man sie sonst wohl nirgendwo findet.

Eine Wall­fahrt ist in gewis­sem Sin­ne auch immer eine Art Ent­de­ckungs­rei­se – Kapel­len und Weg­kreu­ze gibt es in Bay­ern jeden­falls vie­le zu ent­de­cken. War­um also nicht mal eine klei­ne unbe­kann­te Kapel­le auf­su­chen? Noch dazu im schö­nen Baye­ri­schen Wald? Wer sich etwa auf den Weg macht von Hau­zen­berg über Krin­ning nach Weg­scheid, den über­rascht mit­ten in einem Buchen­wald eine klei­ne, sehr per­sön­lich und indi­vi­du­ell gestal­te­te Kapel­le mit Schnit­ze­rei­en und Orna­men­ten, die an Russ­land und an den Ori­ent erin­nern. Wer genau­er nach­fragt, wird erfah­ren, dass die­se vor rund 200 Jah­ren von einem scheu­en Wald­ler“ mit viel Herz­blut erbaut wur­de und nach wie vor von Anwoh­nern lie­be­voll gepflegt wird. Wer noch genau­er nach­fragt, wird viel­leicht sogar von einer Spuk­ge­schich­te erfahren.

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Blick ins Innere der Waldkapelle in Thierham, Pfarrei Sonnen.

Ori­gi­nel­les Bei­spiel baye­ri­scher Volks­kunst des 19. Jahr­hun­derts“, infor­miert das Denk­mal­amt über die Kapel­le Maria vom guten Rat“ in Thier­ham in der Pfar­rei Son­nen1828 geweiht, sei sie „… das auch künst­le­risch nicht unin­ter­es­san­te Ergeb­nis jah­re­lan­gen, ste­tig ver­bes­sern­den Schaf­fens eines ein­fa­chen Sil­ber­ar­bei­ters, des Mat­thia­sen Thom­merl von Thier­ham“. Die­ser war als Sol­dat wäh­rend der Napo­leo­ni­schen Krie­ge 1812/13 vom Russ­land-Feld­zug zurück­ge­kehrt, hat­te im Fal­le der Heim­kehr den Bau einer Kapel­le gelobt und dabei u.a. sei­ne Ein­drü­cke rus­sisch-ortho­do­xer Kir­chen ver­ar­bei­tet. Laut Denk­mal­schutz­amt gab es an der Kapel­le frü­her auch eine rei­che Aus­stat­tung mit Votiv­ta­feln“, was für eine rege Wall­fahrt spricht – die­se sind jedoch im Lau­fe der Jah­re ver­lo­ren gegan­gen (oder gestoh­len worden).

Hat­te schon der Erbau­er viel Herz­blut in die Kapel­le inves­tiert, so gilt dies auch für die Anwoh­ner heu­te. Gabrie­le Sei­bold, Vor­sit­zen­de des Pfarr­ge­mein­de­ra­tes in Son­nen, infor­miert über eine jähr­lich statt­fin­den­de Stern­wall­fahrt zum Fest­tag Mariä Him­mel­fahrt am 15. August, über regel­mä­ßig statt­fin­den­de Mai­an­dach­ten, und dass Anwoh­ner aus der Regi­on hier sehr ger­ne mal zum per­sön­li­chen Gebet vor­bei­kom­men und die Kapel­le pflegen.

Impressionen

Besonderes Engagement investierte der Heimat- und Trachtenverein D’Freudenseer

Beson­de­res Enga­ge­ment inves­tier­te der Hei­mat- und Trach­ten­ver­ein D’Freudenseer: die­ser hat­te die Kapel­le 1978 in Abspra­che mit Diö­ze­san­bau- und Denk­mal­amt auf­wän­dig reno­viert und wegen eines Stra­ßen­bau­es um zehn Meter ver­setzt. Die Außen­haut“ sei neu, infor­miert Adolf Möckl vom Trach­ten­ver­ein, die gesam­te Innen­ein­rich­tung, der Altar, die Figu­ren und die Tafeln in und an der Kapel­le“ sei­en ori­gi­nal restau­riert und wie­der ein­ge­baut worden.

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Blick auf den Altar der Waldkapelle in Thierham, Pfarrei Sonnen.

Adolf Möckl hat auch inten­siv zur Geschich­te der Wald­ka­pel­le recher­chiert und dabei u.a. einen Zei­tungs­ar­ti­kel aus dem Jahr 1925 aus­ge­gra­ben, der Unheim­li­ches erzählt: von einer Legen­de über einen schwar­zen Rit­ter auf feu­ri­gem Ross, der einen flu­chen­den Jäger mit sich nahm – seit an jenem Kreuz­weg im Wald die klei­ne Kapel­le steht, sei­en die­se und wei­te­re Spuk­ge­stal­ten jedoch nicht mehr gese­hen wor­den. Den­noch berich­tet Adolf Möckl, dass wir uns (damals) als Schul­kin­der bei Nacht sehr ungern an die­ser Kapel­le vor­beit­rau­ten“. Ins­be­son­de­re jugend­li­che Wall­fah­rer mögen die­se Legen­de viel­leicht ganz ger­ne mal direkt vor Ort nachprüfen …

Text: Micha­el Glaß, Fotos: Gabrie­le Seibold

Tipps & Infos

„Vereint in Maria“ – Passauer Jugendwallfahrt 2021

Getrennt unter­wegs – aber ver­eint in Maria“ lau­tet heu­er das Mot­to der Pas­sau­er Jugend­fuß­wall­fahrt. Coro­na-bedingt kön­nen auch heu­er lei­der nicht über 6.000 Pil­ger gemein­sam nach Alt­öt­ting gehen. Statt­des­sen haben sich die Ver­ant­wort­li­chen Alter­na­ti­ven über­legt: die Teil­neh­mer kön­nen ja – je nach Coro­na-Lage – in klei­ne­ren Pfarrei‑, Kommunion‑, Firm‑, Jugend­ver­bands­grup­pen oder auch im Pri­vat­ver­bund ins Herz Bay­erns“ auf­bre­chen – oder einen der vie­len ande­ren klei­nen Wall­fahrts­or­te im Bis­tum Pas­sau ansteu­ern. Vor­ge­se­hen ist die­ses Mal ein län­ge­rer Wall­fahrts­zeit­raum: Start ist am Palm­sonn­tag, 28. März 2021, Ende am Jugend­be­kennt­nis­sonn­tag, 21. Novem­ber 2021. Als klei­nen Anhalts­punkt für die jugend­li­chen und jung geblie­be­nen Wall­fah­rer – und als Tipp für unse­re Leser – wol­len wir nun in einer Serie eini­ge der über 100 Wall­fahrts­or­te im Bis­tum Pas­sau vorstellen.