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Maria in der Burg – Serie Wallfahrtsorte Teil V

Michael Glaß am 19.04.2021

2021 04 19 aoelfb maria buerg1 info-icon-20px Foto: Pfarrer Jörg Fleischer
Blick in die Wallfahrtskapelle Maria Bürg in der Pfarrei Oberpöring.

Die Passauer Jugendfußwallfahrt nimmt heuer nicht nur Altötting, sondern viele Wallfahrtsziele im Bistum Passau in den Blick (siehe unten). Im fünften Teil unserer Serie: die Wallfahrtskirche Maria Bürg in der Pfarrei Oberpöring – eine Kirche an einem ruhigen Ort, der jedoch sehr bewegte Zeiten hinter sich hat.

Für Fuß­pil­ger, die ger­ne durch die Natur wan­dern, ist Maria Bürg ein loh­nen­des Ziel; u.a. führt ein male­ri­scher Kreuz­weg zur Kir­che im Wald. Es ist still an die­sem Ort. Nichts stört die Ruhe und Andacht des Beters. Nur die Isar rauscht tief unter dem Hang“, beschreibt Pfar­rer Jörg Flei­scher den Wall­fahrts­ort im Land­kreis Deg­gen­dorf am Hoch­ufer der Isar zwi­schen Land­au und Platt­ling. Der der­zei­ti­ge Pfar­rer von Rott­hal­müns­ter ist hier gebo­ren und auf­ge­wach­sen und nach wie vor sehr ver­bun­den mit der Wall­fahrts­kir­che Maria Bürg.

2021 04 19 aoelfb maria buerg2 info-icon-20px Foto: Pfarrer Jörg Fleischer
Blick auf die Wallfahrtskirche Maria Bürg am Bürgfrauentag.

So andäch­tig und idyl­lisch war es hier jedoch nicht immer, auch davon berich­tet Pfr. Flei­scher: Im 9. und 10. Jahr­hun­dert war die­ser Ort eine Zufluchts­stät­te für die umlie­gen­den Orte bei den soge­nann­ten Ungarn­ein­fäl­len.“ Noch heu­te zeug­ten gro­ße Erd­wäl­le von die­sen schwe­ren Zei­ten“. Vom Wort Burg“ lei­te sich der Name Bürg“ ab, der schließ­lich den Bei­na­men Maria Bürg“ bekom­men habe. Pfr. Flei­scher erklärt: Waren es vor über 1000 Jah­ren Men­schen in Krieg und Gefahr, die Schutz in einer Flieh­burg such­ten, so sind es heu­te – wie seit über 300 Jah­ren – Gläu­bi­ge, die sich hier der Für­bit­te der Jung­frau und Got­tes­mut­ter Maria anver­trau­en.“ Seit etwa 1650 bestehe die Wall­fahrt. Ziel der Pil­ger ist eine plas­ti­sche Dar­stel­lung des Pas­sau­er Maria­hilf-Bil­des. Infol­ge der Blü­te der Pas­sau­er Wall­fahrt am Maria­hilfberg (seit 1627) sei auch jene nach Maria Bürg auf­ge­keimt, so Pfr. Fleischer.

Dass Maria tat­säch­lich gehol­fen hat, davon erzäh­len nicht nur Votiv­ta­feln im Kir­chen­schiff mit bekann­ten Hei­li­gen wie Pan­kra­ti­us – u.a. Patron der der jun­gen Saat und für eine gute Zukunft – oder Wen­de­lin – Patron der Hir­ten, Bau­ern, des Viehs und für Natur­schutz. Eine Legen­de berich­tet von einem über­ra­schend rea­lis­ti­schen Traum des Brau­meis­ters und eif­ri­gen Mari­en­ver­eh­rers Georg Erndl, der die heu­ti­ge Bürg­kir­che stif­te­te: in einer Sep­tem­ber­nacht um 1690 soll er die lieb­ge­wor­de­ne Holz­ka­pel­le in Bürg in Flam­men gese­hen haben, und als er am nächs­ten Mor­gen nach­sah, war die­se tat­säch­lich abge­brannt – nur das Gna­den­bild der Mut­ter­got­tes und die bei­den neu­en Sei­ten­al­tä­re des Hl. Joseph und des Hl. Johan­nes Nepo­muk konn­ten damals geret­tet wer­den“, wie Pfr. Flei­scher erzählt. Georg Erndl habe sich dann für ein neu­es, stei­ner­nes Haus für die Mut­ter­got­tes ein­ge­setzt, das mit Spen­den vie­ler Pil­ger ver­wirk­licht wurde.

Die Kir­che, die von außen nicht auf ihre rei­che Aus­stat­tung schlie­ßen lässt, wur­de im zeit­ge­nös­si­schen Barock erbaut“, erklärt Pfr. Flei­scher. Der kup­pel­be­setz­te Dach­rei­ter birgt zwei Glo­cken, wovon eine aus dem Jahr 1709 stammt.“ Ins Inne­re der Kir­che führt eine zwei­flü­ge­li­ge Ein­gangs­tü­re mit auf­wen­di­gen Schnit­ze­rei­en. Dort befin­den sich ein Hoch- und zwei Sei­ten­al­tä­re, die der Land­au­er Bild­hau­er Andre­as Pach­mann schuf, der aus dem Umkreis der berühm­ten Bild­hau­er­fa­mi­lie Zürn kommt. Der Hoch­al­tar aus der Zeit um 1695 zeigt statt eines Bil­des die von Engeln getra­ge­ne Schnitz­fi­gur der Maria-Hilf-Madon­na. Seit 1996 ziert auch eine Sta­tue der Rosen­kranz­kö­ni­gin von Fati­ma die Kir­che auf der Bürg – außer­dem zwei Bil­der der hei­li­gen Jacin­ta und Fran­cis­co Mar­to; ein ruhi­ger Platz für ein Geden­ken an die bei­den Seher­kin­der, die ja auch ein beweg­tes“ Leben hat­ten – und über die Got­tes­mut­ter Maria sehr viel zu erzählen …

Text: Micha­el Glaß, Fotos: Pfar­rer Jörg Fleischer

Tipps & Infos

Öff­nungs­zei­ten der Kir­che sind im Som­mer täg­lich von 8 – 19 Uhr (Win­ter: 8.3016 Uhr).

All­jähr­lich wird der Patro­zi­ni­um­s­tag, das Fest Heim­su­chung Mari­ens“, fei­er­lich zele­briert. Da der 2. Juli meist auf einen Wochen­tag fällt, wird der sog. Bürg­frau­en­tag“ jeweils am ers­ten Sams­tag im Juli gefei­ert. In den Mona­ten Mai bis Okto­ber fin­det jeweils am ers­ten Sams­tag ein Fati­ma-Süh­ne­abend mit Rosen­kranz, Mari­en­mes­se und Lich­ter­pro­zes­si­on statt.

„Vereint in Maria“ – Passauer Jugendwallfahrt 2021

Getrennt unter­wegs – aber ver­eint in Maria“ lau­tet heu­er das Mot­to der Pas­sau­er Jugend­fuß­wall­fahrt. Coro­­na-bedingt kön­nen auch heu­er lei­der nicht über 6.000 Pil­ger gemein­sam nach Alt­öt­ting gehen. Statt­des­sen haben sich die Ver­ant­wort­li­chen Alter­na­ti­ven über­legt: die Teil­neh­mer kön­nen ja – je nach Coro­­na-Lage – in klei­ne­ren Pfarrei‑, Kommunion‑, Firm‑, Jugend­ver­bands­grup­pen oder auch im Pri­vat­ver­bund ins​„Herz Bay­erns“ auf­bre­chen – oder einen der vie­len ande­ren klei­nen Wall­fahrts­or­te im Bis­tum Pas­sau ansteu­ern. Vor­ge­se­hen ist die­ses Mal ein län­ge­rer Wall­fahrts­zeit­raum: Start ist am Palm­sonn­tag, 28. März 2021, Ende am Jugend­be­kennt­nis­sonn­tag, 21. Novem­ber 2021. Als klei­nen Anhalts­punkt für die jugend­li­chen und jung geblie­be­nen Wall­fah­rer – und als Tipp für unse­re Leser – wol­len wir nun in einer Serie eini­ge der über 100 Wall­fahrts­or­te im Bis­tum Pas­sau vorstellen.