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Kößlarn: Die Muttergottes gründet einen Ort – Serie Wallfahrtsorte Teil VII

Michael Glaß am 04.05.2021

2021 05 03 aoelfb koesslarn1 info-icon-20px Foto: Dionys Asenkerschbaumer
Blick in die Wallfahrtskirche Kößlarn.

Die Passauer Jugendfußwallfahrt nimmt heuer nicht nur Altötting, sondern viele Wallfahrtsziele im Bistum Passau in den Blick. Im siebten Teil unserer Serie: die Pfarr- und Wallfahrtskirche Heilige Dreifaltigkeit in Kößlarn – einer der ältesten Wallfahrtsorte Bayerns.

Aus guten Grün­den kann der Autor hier schrei­ben: den Markt Köß­larn (von Chöstl = Kestl = (Tal-)Kessel) im Land­kreis Pas­sau mit­samt sei­ner statt­li­chen spät­go­ti­schen Kir­che hat die Mut­ter­got­tes gegründet.

2021 05 03 aoelfb koesslarn2 info-icon-20px Foto: Dionys Asenkerschbaumer
Blick auf die Wallfahrtskirche in Kößlarn.

Denn ganz ohne Hil­fe hät­te damals, im Jahr 1364, der Graf von Orten­burg die höl­zer­ne Mari­en­sta­tue mit Kind gewiss nicht gefun­den. Als er auf Jagd war, ritt er durch sei­nen dicht bewach­se­nen Wald, und hät­te sein Pferd nicht gescheut, er wäre wohl ein­fach vor­bei­ge­rit­ten an der Wachol­der­stau­de, an der das Gna­den­bild lag. Es dau­er­te nicht lan­ge, und es ereig­ne­te sich ein ers­tes Wun­der: der Bau­er vom nahen Kößl-Hof war krank gewor­den, such­te Hil­fe beim Mari­en­bild, für das der Graf eine Bret­ter­hüt­te hat­te bau­en las­sen, und wur­de wie­der gesund. So erzählt es die Legende.

Impressionen von der Wallfahrtskirche in Kößlarn – Teil I

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Die Silbermadonna in Kößlarn – im Jahr 1488 aus den Spenden der Pilger beim Passauer Goldschmied Balthasar Waltenperger in Auftrag gegeben – ist das kostbarste Stück des Wallfahrtsschatzes.
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Die kostbare Silbermadonna vor Votivbildern in Kößlarn.
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Gnadenbild in Kößlarn.
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Altar mit Gnadenbild in Kößlarn.
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Votivtafeln in Kößlarn.
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Netzgewölbe in der Wallfahrtskirche in Kößlarn.
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Kirchenfenster in der Wallfahrtskirche Kößlarn.
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Seitenaltar in der Wallfahrtskirche Kößlarn.
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Seitenaltar in der Wallfahrtskirche Kößlarn.
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Wallfahrtskirche Kößlarn: Bild des Gekreuzigten.
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Blick auf die Wallfahrtskirche in Kößlarn.
2021 05 03 aoelfb koesslarn3 info-icon-20px Foto: Pfarrer Jörg Fleischer
Das Gnadenbild in Kößlarn.

Über die wei­te­re Geschich­te der Wall­fahrt gibt Jörg Flei­scher Aus­kunft; er ist Pfar­rer im Pfarr­ver­band Rott­hal­müns­ter, zu dem Köß­larn mitt­ler­wei­le gehört: Die Lie­be Frau beim Kößl­hof‘ wur­de schnell Zuflucht für vie­le Men­schen, deren groß­zü­gi­ge Spen­den bereits 1400 den Bau einer Kir­che mit drei Altä­ren ermög­lich­ten, die 1443 geweiht wur­de und bereits 1451 erwei­tert wer­den muss­te. Bis zur Refor­ma­ti­ons­zeit war Köß­larn die meist­be­such­te Mari­en­wall­fahrt im bay­ri­schen Unter­land‘.“

Plötz­lich war Leben an dem Ort: Um die zahl­rei­chen Wall­fah­rer ver­kös­ti­gen und beher­ber­gen zu kön­nen, erhielt der rasch auf­blü­hen­de Ort 1474 das Markt­recht vom nie­der­baye­ri­schen Her­zog Georg dem Rei­chen“, erzählt Pfr. Flei­scher. Es gab Schank­stät­ten für Bier und Wein, drei Jahr­märk­te im Jahr und spä­ter auch einen Wochen­markt. Köß­larn wur­de all­mäh­lich zu einem reli­giö­sen und wirt­schaft­li­chen Zen­trum der Regi­on, und dies schlug sich auch nie­der in der Erwei­te­rung der Kir­che, die der berühm­te Abt Wolf­gang Mari­us von Alders­bach in den Jah­ren 1515 – 1518 vor­neh­men ließ. Er ließ den gro­ßen Chor bau­en und stat­te­te die Kir­che mit sie­ben Altä­ren aus“, blickt Pfr. Flei­scher zurück.

Die Wall­fahrts­seel­sor­ge wur­de den Zis­ter­zi­en­sern vom Klos­ter Alders­bach über­tra­gen – ihnen ist laut Pfr. Flei­scher auch die burg­ar­ti­ge Anla­ge“ rund um die Kir­che zu ver­dan­ken: in dem von 1461 bis 1480 gebau­ten und heu­te noch bestehen­den Ring mit Tor­häu­sern und Wehr­mau­ern fan­den die Patres Unter­kunft und die reich­lich flie­ßen­den Wall­fahrts­ga­ben Schutz.

2021 05 03 aoelfb koesslarn4 info-icon-20px Foto: Georg Thuringer
Blick von oben auf die „burgartige Anlage“ rundum die Wallfahrtskirche in Kößlarn.

Die wach­sen­de Bedeu­tung des Ortes barg jedoch auch Risi­ken, denn er wur­de auch zum Schnitt­punkt poli­ti­scher Inter­es­sen“, wie Pfr. Flei­scher erklärt. Die Glau­bens­spal­tung im 16. Jahr­hun­dert, die nach­fol­gen­den Krie­ge und ver­schie­de­ne Zeit­um­stän­de beein­träch­tig­ten die Wall­fahrt sehr. Am meis­ten wirk­te sich aber die Ver­trei­bung der Zis­ter­zi­en­ser und Wall­fahrts­pre­di­ger infol­ge der Säku­la­ri­sa­ti­on 1803 aus.“ Eine zwei­te Blü­te habe die Ein­füh­rung der Rosen­kranz- und Ska­pu­lier-Bru­der­schaft gebracht. Ihr pro­mi­nen­tes­tes Mit­glied war der hei­li­ge Bru­der Kon­rad“, infor­miert Pfr. Fleischer.

Impressionen von der Wallfahrtskirche in Kößlarn – Teil II

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Blick auf die Wallfahrtskirche in Kößlarn.
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Darstellung der Wallfahrtsgeschickte in Kößlarn.
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Blick auf die Wallfahrtskirche in Kößlarn.
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Votivbilder in der Wallfahrtskirche in Kößlarn.
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Wallfahrtskirche in Kößlarn, Maria mit Kind.

Pfr. Flei­scher resü­miert: Alles in allem kann gesagt wer­den, dass die Mut­ter­got­tes die eigent­li­che Regie für den Ort Köß­larn geführt hat.“ Und auch die Wall­fahrts­tra­di­ti­on lebt (sie­he unten). Für Pil­ger ist der Ort also auch heu­te ein loh­nen­des Ziel.

Text: Micha­el Glaß

Tipps & Infos

  • Wall­fahrts­got­tes­dienst: jeden ers­ten Sonn­tag im Monat; 15 Uhr Anbe­tung und Beicht­ge­le­gen­heit, 15.30 Uhr Rosen­kranz, 16 Uhr Got­tes­dienst, Seg­nung von Andachtsgegenständen.
  • Jähr­lich am Palm­sonn­tag: Fei­er­li­che Palm­pro­zes­si­on und Hochamt.
  • Jähr­lich am Sonn­tag nach Maria Geburt: Ern­te­dank­fest mit Fest­got­tes­dienst und his­to­ri­scher Prozession.
  • Anmel­dung von Wall­fahr­ten: Pfarr­kir­chen­stif­tung Hei­ligs­te Drei­fal­tig­keit Köß­larn, Tel.: 08536 / 268; Email: pfarramt.​rotthalmuenster@​bistum-​passau.​de.

Kirchenmuseum zur Wallfahrt

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„Maria lactans“, ein Relief (um 1760) von Johann B. Modler im Kirchenmuseum in Kößlarn.

Das Kir­chen­mu­se­um infor­miert auf sei­ner Web­site: The­men­schwer­punk­te der nur etwa 120 m² klei­nen, aber kom­pak­ten Muse­ums­kon­zep­ti­on sind die Wehr­kir­chen­an­la­ge, die Wall­fahrt zum Gna­den­bild der Mut­ter­got­tes von Köß­larn und das kirch­li­che Brauch­tum im Kir­chen­jahr. Wech­sel­aus­stel­lun­gen zu ver­schie­de­nen, auch die zeit­ge­nös­si­sche Kul­tur umfas­sen­den The­men sind geplant.Zu den wert­volls­ten Expo­na­ten gehö­ren Wall­fahrts­de­vo­tio­na­li­en aus vier Jahr­hun­der­ten, ein spät­go­ti­scher Pal­me­sel und ein Grab­chris­tus aus der glei­chen Zeit, das ältes­te Meß­ge­wand der Pas­sau­er Diö­ze­se und ein baro­ckes Krip­pen­werk mit Figu­ren aus der Schwan­tha­ler­werk­statt des 18. Jahr­hun­derts. Die unge­wöhn­lich gut erhal­te­nen mit­tel­al­ter­li­chen Innen­räu­me und die her­aus­ra­gen­den Aus­stel­lungs­stü­cke ver­lei­hen dem Muse­um sei­ne Einzigartigkeit.“

„Vereint in Maria“ – Passauer Jugendwallfahrt 2021

Getrennt unter­wegs – aber ver­eint in Maria“ lau­tet heu­er das Mot­to der Pas­sau­er Jugend­fuß­wall­fahrt. Coro­­­­na-bedingt kön­nen auch heu­er lei­der nicht über 6.000 Pil­ger gemein­sam nach Alt­öt­ting gehen. Statt­des­sen haben sich die Ver­ant­wort­li­chen Alter­na­ti­ven über­legt: die Teil­neh­mer kön­nen ja – je nach Coro­­­­na-Lage – in klei­ne­ren Pfarrei‑, Kommunion‑, Firm‑, Jugend­ver­bands­grup­pen oder auch im Pri­vat­ver­bund ins​„Herz Bay­erns“ auf­bre­chen – oder einen der vie­len ande­ren klei­nen Wall­fahrts­or­te im Bis­tum Pas­sau ansteu­ern. Vor­ge­se­hen ist die­ses Mal ein län­ge­rer Wall­fahrts­zeit­raum: Start ist am Palm­sonn­tag, 28. März 2021, Ende am Jugend­be­kennt­nis­sonn­tag, 21. Novem­ber 2021. Als klei­nen Anhalts­punkt für die jugend­li­chen und jung geblie­be­nen Wall­fah­rer – und als Tipp für unse­re Leser – wol­len wir nun in einer Serie eini­ge der über 100 Wall­fahrts­or­te im Bis­tum Pas­sau vorstellen.