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Wallfahrten

„Maria, Handl ab!“ – Serie Wallfahrtsorte Teil XVII: Wallfahrtskirche Maria Krönung in Handlab

Michael Glaß am 12.10.2021

2021 10 12 aoelfb wallfahrtskirche handlab1 Foto: Lars Martens/pbp
Blick in die Wallfahrtskirche Maria Krönung in Handlab.

Die Passauer Jugendfußwallfahrt nimmt heuer nicht nur Altötting, sondern viele Wallfahrtsziele im Bistum Passau in den Blick (siehe unten). Im 17. und vorerst letzten Teil unserer Serie: die Wallfahrtskirche Maria Krönung in Handlab, die auf ein Wunder nach einem Ehedrama zurückgeht und heuer ihr 375. Jubiläum feiert.

Der Burg­herr Hart­lieb von Engels­berg hat­te offen­bar eine sehr kur­ze Lun­te. Als sein Die­ner behaup­te­te, sei­ne Gemah­lin beim Fremd­ge­hen erwischt zu haben, fackel­te Hart­lieb nicht lan­ge und schlug der armen Burg­her­rin Anna mit dem Schwert die rech­te Hand ab. Die from­me Anna war tat­säch­lich zusam­men mit einem Hir­ten erwischt“ wor­den – jedoch nicht beim Ehe­bruch, son­dern beim Beten. Die bei­den knie­ten vor einer Mar­ter­säu­le der Hei­li­gen Maria und Coro­na. Den Zorn ihres Man­nes beant­wor­te­te Anna mit ihrem fes­ten Glau­ben: sie wand­te sich an die Got­tes­mut­ter, rief Maria, Handl ab!“, und im Nu war das Handl wie­der dran. Die­se Legen­de aus dem Jahr 1513 bescher­te dem klei­nen Ort unweit von Iggens­bach im Land­kreis Deg­gen­dorf nicht nur eine lan­ge Wall­fahrts­ge­schich­te, son­dern auch einen unge­wöhn­li­chen Namen.

2021 10 12 aoelfb wallfahrtskirche handlab2 Foto: Werner Friedenberger
Blick auf die Wallfahrtskirche Maria Krönung in Handlab.

Eine wei­te­re Legen­de erzählt von einem Mari­en­bild, das hier in einer hoh­len Eiche unter­ge­bracht war. Weil dem mor­schen Baum nicht zu trau­en war, brach­ten es die Leu­te in die nahe Pfarr­kir­che nach Iggens­bach. Das Bild aber tauch­te immer wie­der an sei­nem alten Platz in der Eiche auf – ein Ereig­nis, hin­ter dem die Gläu­bi­gen Engel ver­mu­te­ten, die das Bild ein­fach wie­der zurückbrachten. 

1596 ent­stand schließ­lich eine Holz­ka­pel­le, die im Drei­ßig­jäh­ri­gen Krieg jedoch zer­stört wur­de. Ursprüng­lich wur­de hier die hl. Coro­na ver­ehrt, wie das um 1480 ent­stan­de­ne Gna­den­bild erken­nen lässt, das heu­te auf dem Hoch­al­tar der Kir­che steht, die in den Jah­ren 1644 bis 1646 neu erbaut wur­de. Im Lau­fe der Zeit geriet die hei­li­ge Coro­na mehr und mehr in Ver­ges­sen­heit und Maria wur­de zum Mit­tel­punkt der Wall­fahrt. Über der Ein­gangs­tür erzählt ein um 1750 ent­stan­de­nes Gemäl­de die Legen­de vom Wun­der von Hand­lab“ und den Beginn der Wall­fahrt, die über die Jahr­hun­der­te hin­weg bestehen blieb. Höhe­punkt des Jah­res ist das Fest Maria Him­mel­fahrt, zu dem übli­cher­wei­se rund 10.000 Men­schen pilgern.

Impressionen von der Wallfahrtskirche Maria Krönung in Handlab

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Blick auf die Wallfahrtskirche Maria Krönung in Handlab.
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Wallfahrtskirche Maria Krönung in Handlab: Über der Eingangstür erzählt ein um 1750 entstandenes Gemälde die Legende vom „Wunder von Handlab“ und den Beginn der Wallfahrt.
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Wallfahrtskirche Maria Krönung in Handlab: Blick auf Hochaltar und Gnadenbild.
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Wallfahrtskirche Maria Krönung in Handlab: Votivtafeln.
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Wallfahrtskirche Maria Krönung in Handlab: Votivtafeln.
2021 10 12 aoelfb wallfahrtskirche handlab3 Foto: Werner Friedenberger
Wallfahrtskirche Maria Krönung in Handlab: Kardinal Joseph Ratzinger, der spätere Papst Benedikt XVI., besuchte die Wallfahrtskirche 1996 zum 350-jähriges Jubiläum.

Der arka­den­ar­ti­ge Umgang aus Holz um das klei­ne stei­ner­ne früh­ba­ro­cke Got­tes­haus erin­nert übri­gens ein biss­chen an den der Alt­öt­tin­ger Gna­den­ka­pel­le. Beein­dru­ckend sind vor allem die zahl­rei­chen noch erhal­te­nen Votiv­ta­feln – die ältes­te stammt aus dem Jahr 1686, vie­le stam­men aus dem 19. Jahr­hun­dert und fast 100 aus der Zeit der bei­den Welt­krie­ge. Bemer­kens­wert sind dar­über hin­aus die 1936 wie­der frei­ge­leg­ten Deckenfresken.

Ein berühm­ter Pil­ger zur Wall­fahrts­kir­che in Hand­lab lebt heu­te als Papst eme­ri­tus in Rom. Als die Kir­che nach auf­wän­di­ger Reno­vie­rung im Jahr 1996 ihr 350-jäh­ri­ges Jubi­lä­um fei­er­te, kam Kar­di­nal Joseph Ratz­in­ger als Haupt­ze­le­brant und Pre­di­ger in den klei­nen nie­der­baye­ri­schen Ort. In einem Ein­trag im Wall­fahrts­buch lob­te er die gelun­ge­ne Reno­vie­rung, da nun das Gesam­te in ihrer Viel­falt eine Ein­heit in einer tief reli­giö­sen Wei­se dar­stellt, zu einem Sur­sum cor­da‘ (Erhe­bet die Her­zen)“. Bene­dikts Vater Josef Ratz­in­ger war übri­gens im rund vier Kilo­me­ter ent­fern­ten Ricke­ring zur Welt gekom­men und kam ger­ne nach Hand­lab. Auch er hat sich im Wall­fahrts­buch ein­ge­tra­gen, im Okto­ber 1947.

Text: Micha­el Glaß

Tipps & Infos

Mehr Infos in der Pfar­rei Iggens­bach Maria Namen im Pfarr­ver­band Win­zer, Haupt­str. 1, 94547 Iggens­bach, Tel.: 09903/530, E‑Mail: pfarramt.​iggensbach@​bistum-​passau.​de.

„Vereint in Maria“ – Passauer Jugendwallfahrt 2021

Getrennt unter­wegs – aber ver­eint in Maria“ lau­tet heu­er das Mot­to der Pas­sau­er Jugend­fuß­wall­fahrt. Coro­­­­­­­­­­­­­­na-bedingt kön­nen auch heu­er lei­der nicht über 6.000 Pil­ger gemein­sam nach Alt­öt­ting gehen. Statt­des­sen haben sich die Ver­ant­wort­li­chen Alter­na­ti­ven über­legt: die Teil­neh­mer kön­nen ja – je nach Coro­­­­­­­­­­­­­­na-Lage – in klei­ne­ren Pfarrei‑, Kommunion‑, Firm‑, Jugend­ver­bands­grup­pen oder auch im Pri­vat­ver­bund ins​„Herz Bay­erns“ auf­bre­chen – oder einen der vie­len ande­ren klei­nen Wall­fahrts­or­te im Bis­tum Pas­sau ansteu­ern. Vor­ge­se­hen ist die­ses Mal ein län­ge­rer Wall­fahrts­zeit­raum: Start ist am Palm­sonn­tag, 28. März 2021, Ende am Jugend­be­kennt­nis­sonn­tag, 21. Novem­ber 2021. Als klei­nen Anhalts­punkt für die jugend­li­chen und jung geblie­be­nen Wall­fah­rer – und als Tipp für unse­re Leser – wol­len wir nun in einer Serie eini­ge der über 100 Wall­fahrts­or­te im Bis­tum Pas­sau vorstellen.