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Wallfahrten

Auf dem Gartlberg öffnet sich der Himmel – Serie Wallfahrtsorte Teil XII

Michael Glaß am 21.07.2021

2021 07 21 aoelfb wallfahrtskirche gartlberg1 info-icon-20px Foto: Dionys Asenkerschbaumer
Wallfahrtskirche Gartlberg in Pfarrkirchen.

Die Passauer Jugendfußwallfahrt nimmt heuer nicht nur Altötting, sondern viele Wallfahrtsziele im Bistum Passau in den Blick (siehe unten). Im zwölften Teil unserer Serie: die Wallfahrtskirche Gartlberg in Pfarrkirchen – sie zählt zu den bedeutendsten Mariengnadenstätten im Bistum.

Der Hut­ma­cher Wolf­gang Schmier­dor­fer woll­te eigent­lich nur in Ruhe beten. Und zwar vor einem Mari­en­bild, das er 1634 in Regens­burg gegen einen Laib Käse ein­ge­tauscht hat­te. Weil er sich aber angeb­lich von sei­ner Frau Vor­wür­fe anhö­ren muss­te, dass er statt täg­lich Andacht zu hal­ten, sich bes­ser um die Kin­der und ums Geld­ver­die­nen küm­mern sol­le, brach­te er das Bild am 3. März 1659 heim­lich auf den Gart­lberg und hef­te­te es an eine Föh­re. Mit der Ruhe war es aber auch dort bald vor­bei: Bau­ern­mäd­chen ent­deck­ten das Bild, und schon an den fol­gen­den Oster­fei­er­ta­gen erleb­te es einen star­ken Zulauf des from­men Vol­kes“, wie Adolf Hoch­hol­zer in sei­nem Büch­lein 300 Jah­re Wall­fahrts­kir­che Gart­lberg“ fest­hält. Am 23. Juni 1660 ereig­ne­te sich dann auch ein ers­tes Wun­der: eine schein­bar leb­lo­se Bau­ern­magd, die in eine tie­fe Was­ser­gru­be gefal­len war, erwach­te wie­der zum Leben.

Wallfahrtskirche Gartlberg – Impressionen I

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Wallfahrtskirche Gartlberg in Pfarrkirchen.
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Wallfahrtskirche Gartlberg in Pfarrkirchen.
2021 07 21 aoelfb wallfahrtskirche gartlberg gnadenbild info-icon-20px Foto: Dionys Asenkerschbaumer
Wallfahrtskirche Gartlberg in Pfarrkirchen: Gnadenbild.

Frei­lich gibt es vie­le Grün­de, dass aus­ge­rech­net in die­ser Zeit so schnell eine Wall­fahrt auf­blüh­te. Kurz nach dem ver­hee­ren­den 30-jäh­ri­gen Krieg (16181648), nach Pest und Hun­ger­kri­sen, such­ten vie­le Men­schen Trost und Hoff­nung – und fan­den bei­des auch auf dem Gart­lberg bei dem auf Kup­fer­blech gemal­ten Ves­per­bild – eine Dar­stel­lung der Schmerz­haf­ten Mut­ter­got­tes mit ihrem toten Sohn auf dem Schoß.

Für regen Zulauf zum Gart­lberg sorg­te außer­dem ein Pas­si­ons­spiel wäh­rend der Kar­wo­che, das seit Beginn des 17. Jhs. auf­ge­führt wur­de. Dar­über hin­aus begann im Jahr 1659 die alt­ein­ge­ses­se­ne Fron­leich­nams­bru­der­schaft mit dem Bau einer Hei­lig-Grab-Kapel­le ganz in der Nähe des wun­der­tä­ti­gen Vesperbildes.

Zwi­schen ca. 1660 und 1670 wur­de dann schließ­lich die Wall­fahrts­kir­che gebaut (Wei­he 1688), die eigent­lich als Auf­er­ste­hungs­kir­che“ gedacht war; Leid und Tod haben nach christ­li­chem Glau­ben nie das letz­te Wort, und so ist das The­ma Auf­er­ste­hung nach wie vor wesent­li­ches Merk­mal der Kir­che, u.a. auf dem beein­dru­cken­den Hoch­al­tar-Gemäl­de von Franz Igna­ti­us Bendl.

Beein­dru­ckend sind auch die acht von Carl Adam geschaf­fe­nen Fres­ken im mit ita­lie­nisch-schwe­ren Stuck­gir­lan­den deko­rier­ten Chor­ge­wöl­be der Kir­che – sie sym­bo­li­sie­ren die Bit­ten im Vaterunser.

Schon von wei­tem sicht­bar impo­niert die über der Stadt Pfarr­kir­chen gele­ge­ne dop­pel­tür­mi­ge Barock­kir­che mit Zwie­bel­hau­ben, die von dem aus Grau­bün­den stam­men­den Kir­chen­bau­er Dome­n­iko Chris­toph Zuc­cal­li erbaut wur­de; hier bie­tet sich ein schö­ner Blick über die Kreis­stadt und das mitt­le­re Rot­tal. Die Hei­lig-Grab-Kapel­le befand sich ursprüng­lich im Inne­ren der Kir­che, 1677 wur­de sie hin­ter die Kir­che am Ost­chor ver­legt. Vie­le Votiv­bil­der, die bis ins 17. Jh. zurück­rei­chen, zeu­gen von wun­der­ba­rer Erret­tung und der lan­gen Tra­di­ti­on der Wallfahrt.

Wallfahrtskirche Gartlberg – Impressionen II

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Wallfahrtskirche Gartlberg in Pfarrkirchen.
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Wallfahrtskirche Gartlberg in Pfarrkirchen: Ölbild.

Wäh­rend der Säku­la­ri­sa­ti­on erleb­te die Wall­fahrt einen schwe­ren Ein­bruch, starb aber wegen dort leben­der Bene­fi­zia­ten nie ganz aus. Mit den 1921 ein­zie­hen­den Sal­va­to­ria­nern erreich­te sie einen neu­en Höhe­punkt. Seit 2015 betreu­en Pau­li­ner die Wall­fahrts­seel­sor­ge. „‚Der Gart­lberg‘ ist ein Ort, der für die Men­schen den Him­mel offen hält‘“, heißt es auf deren Web­site, die von einem regen Wall­fahrts­le­ben zeugt. Mit Sicher­heit fin­det sich dort auch ein ruhi­ger Platz zum Beten.

Text: Micha­el Glaß, Fotos: Dio­nys Asenkerschbaumer

Tipps & Infos

Aus­führ­li­che Infor­ma­tio­nen zur Wall­fahrts­kir­che Gart­lberg und aktu­el­le Infor­ma­tio­nen im Internet:

„Vereint in Maria“ – Passauer Jugendwallfahrt 2021

Getrennt unter­wegs – aber ver­eint in Maria“ lau­tet heu­er das Mot­to der Pas­sau­er Jugend­fuß­wall­fahrt. Coro­­­­­­­­­na-bedingt kön­nen auch heu­er lei­der nicht über 6.000 Pil­ger gemein­sam nach Alt­öt­ting gehen. Statt­des­sen haben sich die Ver­ant­wort­li­chen Alter­na­ti­ven über­legt: die Teil­neh­mer kön­nen ja – je nach Coro­­­­­­­­­na-Lage – in klei­ne­ren Pfarrei‑, Kommunion‑, Firm‑, Jugend­ver­bands­grup­pen oder auch im Pri­vat­ver­bund ins​„Herz Bay­erns“ auf­bre­chen – oder einen der vie­len ande­ren klei­nen Wall­fahrts­or­te im Bis­tum Pas­sau ansteu­ern. Vor­ge­se­hen ist die­ses Mal ein län­ge­rer Wall­fahrts­zeit­raum: Start ist am Palm­sonn­tag, 28. März 2021, Ende am Jugend­be­kennt­nis­sonn­tag, 21. Novem­ber 2021. Als klei­nen Anhalts­punkt für die jugend­li­chen und jung geblie­be­nen Wall­fah­rer – und als Tipp für unse­re Leser – wol­len wir nun in einer Serie eini­ge der über 100 Wall­fahrts­or­te im Bis­tum Pas­sau vorstellen.