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Wallfahrten

Büchlberg: Wo Maria und Ulrich gemeinsam helfen – Serie Wallfahrtsorte Teil XI

Michael Glaß am 28.06.2021

2021 06 28 aoelfb wallfahrtsort buechlberg1 info-icon-20px Foto: Werner Friedenberger
Gruß aus Büchlberg! Diesen richteten Pilger aus auf dem Wallfahrtsbildchen.

Die Passauer Jugendfußwallfahrt nimmt heuer nicht nur Altötting, sondern viele Wallfahrtsziele im Bistum Passau in den Blick. Im elften Teil unserer Serie: die Wallfahrts- und Pfarrkirche St. Ulrich in Büchlberg. Ziel der Wallfahrt ist ein seltenes Gnadenbild; außerdem ein Heiliger, dem die Kirche am 4. Juli gedenkt, und der bei besonderen Anliegen hilft.

2021 06 28 aoelfb wallfahrtsort buechlberg2 info-icon-20px Foto: Dionys Asenkerschbaumer
Blick auf die Wallfahrts- und Pfarrkirche St. Ulrich in Büchlberg.

Votiv­ta­feln und ‑gaben fin­den sich in der Kir­che in Büch­lberg in den unter­schied­lichs­ten Anlie­gen, eines aber sticht her­vor. Davon berich­tet etwa ein Ver­zeich­nis von Pfar­rer Franz Xaver Schmid mit Fäl­len wun­der­ba­rer Hei­lun­gen auf Für­spra­che der Mut­ter­got­tes in den Jah­ren 1778 bis 1788: ob ein Schop­per (Schiffs­bau­meis­ter) aus Win­dorf, der nach einer Wall­fahrt 1781 plötz­lich wie­der sehen konn­te, oder der vier­jäh­ri­ge Bub aus Sar­leins­bach im ober­ös­ter­rei­chi­schen Mühl­vier­tel, der 1784 beim Spiel ein Pul­ver anzün­de­te, sich das Gesicht ver­brann­te und nach einer Wall­fahrt sei­nes Vaters das Augen­licht wie­der erlang­te – wer um Hei­lung in Augen­lei­den bat, dem wur­de in Büch­lberg offen­bar sehr oft gehol­fen. Mög­lich also, dass die Got­tes­mut­ter die­se spe­zi­el­len Anlie­gen dem Patron der Kir­che anver­trau­te, ist Ulrich von Augs­burg (um 890 – 973) doch nicht nur Schutz­hei­li­ger der Fischer und der Rei­sen­den, son­dern auch Für­spre­cher bei Augenleiden.

Tat­säch­lich fan­den bereits im Mit­tel­al­ter Bitt­gän­ge zum hei­li­gen Ulrich in Büch­lberg statt. Dar­auf schlie­ßen lässt die gro­ße Zahl der Augen­vo­ti­ve in Sil­ber, Gaben in der Form mensch­li­cher Augen; außer­dem Votiv­ta­feln, die in der Zeit vor der Gna­den­bild­ver­eh­rung datiert sind.

Die­ses näm­lich kam erst in der Mit­te des 18. Jahr­hun­derts in den klei­nen Ort in der Regi­on Donau-Wald im süd­li­chen Baye­ri­schen Wald, nur rund 13 Kilo­me­ter von Pas­sau ent­fernt. Der Über­lie­fe­rung nach soll Koope­ra­tor Franz Stern­bau­er im Jahr 1729 zur Hei­lig­spre­chung des Johan­nes von Nepo­muk nach Prag gereist sein und dort das Mari­en­bild aus der Mol­dau geret­tet haben. Er ließ es in Büch­lberg auf­stel­len und sorg­te damit für einen regel­rech­ten Wall­fahrts-Boom: Pil­ger kamen nicht nur aus Pas­sau und der nähe­ren Umge­bung, son­dern auch aus dem Mühl­vier­tel und Linz sowie aus Böh­men. Neben Opfer­ga­ben zeu­gen davon auch Andachts­bil­der, Gebets­zet­tel und Wallfahrtsbildchen.

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Wallfahrts- und Pfarrkirche St. Ulrich in Büchlberg: das Gnadenbild der Muttergottes mit dem geneigten Haupt.

Das Gna­den­bild der Maria mit dem geneig­ten Haupt ähnelt dem in der Kar­me­li­ter­kir­che in Wien-Döb­ling, bzw. jenem am Wie­ner Vor­bild ori­en­tier­ten Gemäl­de im Ursu­li­nen­klos­ter in Lands­hut. Das Büch­lber­ger Bild ist jedoch sei­ten­ver­kehrt dar­ge­stellt und zeigt auch die beten­den Hän­de Mari­as. So ähnelt es auch dem Bild der beten­den Jung­frau des ita­lie­ni­schen Malers Sas­sofer­ra­to (16091685) in der ehe­ma­li­gen Stifts­kir­che in Karls­hof bei Prag.

Die Geschich­te der Wall­fahrts­kir­che in Büch­lberg reicht wie bereits ange­deu­tet sehr lan­ge zurück. Ein ers­tes Kirch­lein wird bereits Anfang des 13. Jahr­hun­derts ver­mu­tet, gesi­chert ist die Exis­tenz eines spät­go­ti­schen Got­tes­hau­ses im Jahr 1579. Über­lie­fert ist auch, dass dort am 28. August 1723 um halb drei Uhr nachts der Blitz ein­schlug – der fol­gen­de Brand ver­schon­te nur Chor und Sakris­tei. Die Kir­che wur­de 1723 – 26 wie­der auf­ge­baut, im 19. Jahr­hun­dert erwei­tert und mit einem Turm geschmückt, des­sen obe­rer Abschnitt doch sehr an jenen der Alt­öt­tin­ger Gna­den­ka­pel­le erinnert.

Heu­te befin­det sich im Zen­trum der Kir­che ein moder­ner Volks­al­tar, flan­kiert von Sei­ten­al­tä­ren mit Dar­stel­lun­gen der eigent­li­chen Bau­meis­ter“ der Kir­che: an der Nord­sei­te der hl. Ulrich, im Süden das Gna­den­bild der Mut­ter­got­tes. Bei einer Wall­fahrt liegt es nahe, bei­de Für­spre­cher zu besu­chen – sie hel­fen bestimmt nicht nur bei Augenleiden.

Text: Micha­el Glaß

Tipps & Infos

Mehr Infor­ma­tio­nen zur Wall­fahrts­kir­che sowie zur tra­di­tio­nel­len Stern­wall­fahrt nach Büch­lberg am 15. August sind beim Pfarr­ver­band Hutthurm erhältlich. 

„Vereint in Maria“ – Passauer Jugendwallfahrt 2021

Getrennt unter­wegs – aber ver­eint in Maria“ lau­tet heu­er das Mot­to der Pas­sau­er Jugend­fuß­wall­fahrt. Coro­­­­­­­­na-bedingt kön­nen auch heu­er lei­der nicht über 6.000 Pil­ger gemein­sam nach Alt­öt­ting gehen. Statt­des­sen haben sich die Ver­ant­wort­li­chen Alter­na­ti­ven über­legt: die Teil­neh­mer kön­nen ja – je nach Coro­­­­­­­­na-Lage – in klei­ne­ren Pfarrei‑, Kommunion‑, Firm‑, Jugend­ver­bands­grup­pen oder auch im Pri­vat­ver­bund ins​„Herz Bay­erns“ auf­bre­chen – oder einen der vie­len ande­ren klei­nen Wall­fahrts­or­te im Bis­tum Pas­sau ansteu­ern. Vor­ge­se­hen ist die­ses Mal ein län­ge­rer Wall­fahrts­zeit­raum: Start ist am Palm­sonn­tag, 28. März 2021, Ende am Jugend­be­kennt­nis­sonn­tag, 21. Novem­ber 2021. Als klei­nen Anhalts­punkt für die jugend­li­chen und jung geblie­be­nen Wall­fah­rer – und als Tipp für unse­re Leser – wol­len wir nun in einer Serie eini­ge der über 100 Wall­fahrts­or­te im Bis­tum Pas­sau vorstellen.