
Viele Gläubige setzten durch ihre Wallfahrt zum Gnadenort nach Altötting ein hoffnungsfrohes Glaubenszeichen. Trotz Coronakrise und abgesagter Fußwallfahrten hatten viele Einzelpilger und Familien den Weg ins „Herz Bayerns“ gefunden.
Der Freisinger Pilgerleiter Josef Zehetmaier beschrieb den Grund seiner Wallfahrt auf humorvollere Art und sprach damit wohl vielen anderen Wallfahrern aus der Seele: „Pfingsten ohne Altötting ist wie ein Biergarten ohne Bier.“
Lange war am Pfingstwochenende in Altötting die Schlange der Wartenden am Nachmittag vor der Gnadenkapelle. Alle Wallfahrer, zu Fuß unterwegs oder mit dem Fahrrad, dem Auto oder der Bahn – wollten, wenn auch nur für einen kurzen Augenblick, der Gnadenmutter persönlich „Grüß Gott“ sagen und vor dem abgesperrten Oktogon bei einem stillen Gebet kurz verweilen.
Pilger kamen mit Mundschutz und hielten den notwendigen Sicherheitsabstand ein

Für das extra bestellte Aufsichtspersonal zur Pilgerkontrolle gab es keinerlei Anlass zu Beanstandungen: Die Pilger kamen mit Mundschutz und hielten den notwendigen Sicherheitsabstand ein. Die Angst der Wallfahrtsverantwortlichen, dass es am Pfingstwochenende trotz der strengen Maßregeln zu einem Pilger-Chaos am Kapellplatz und insbesondere vor der am Nachmittag geöffneten Gnadenkapelle kommen könnte, war jedenfalls völlig unbegründet. Wallfahrtsrektor Prälat Günther Mandl zeigte sich angesichts des Pilgerverhaltens zufrieden – wenn auch nicht glücklich über die schwierige Situation. Um allen Pilgern einen Gottesdienstbesuch zu ermöglichen – die Corona-bedingten Sicherheitsvorschriften ließen nur eine begrenzte Teilnehmerzahl zu –, boten die Kapuziner in der St. Anna-Basilika auch am Nachmittag hl. Messen an. Selbst Beichten im Freien war im Außenbezirk der Gnadenkapelle möglich.

Traurig jedoch ist der Blick in das Zelebrantenbuch der St. Anna-Basilika: ab 15. März, der Corona-bedingten staatlich und kirchlich verordneten Sicherheitsvorschriften, war am Pfingstsamstag nur der Eintrag vom Regensburger Pilgerpfarrer Hannes Lorenz zu lesen. Im Vergleich zum Vorjahr waren es einschließlich Pfingsten 117 eingetragene auswärtige Zelebranten.
Ergreifend waren dagegen die Berichte, was Einzelfußpilger auf ihrem Weg nach Altötting erlebt hatten: u.a. sei es berührend gewesen, wie sich die Leut gefreut hätten, dass sich trotz Corona-Pandemie Pilger auf den Weg gemacht hatten. Manche hätten ihnen im geforderten Sicherheitsabstand Speis und Trank angeboten, erzählten einzelne Wallfahrer. Ein Landshuter Bauer sei herbei gelaufen und habe gerufen: „Mein Gott, es gibt doch noch gläubige Leut, bei uns in der Gegend glaubt keiner mehr!“
Text und Fotos: Roswitha Dorfner