
Endlich wieder Wallfahrt! Die Corona-Fallzahlen sinken und auch Wallfahrten nach Altötting sind wieder einfacher möglich. Tatsächlich kamen aber auch schon in den Monaten zuvor immer wieder einzelne Pilger, Familien oder kleine Gruppen ins "Herz Bayerns". Da größere Wallfahrten eine längere Vorlauf- und Organisationszeit sowie Planungssicherheit erfordern, wird dies wohl auch noch eine Weile so bleiben. Hier nun eine kleine Auswahl an Wallfahrten, die Ende Juni und Anfang Juli stattfanden.
Heimat im Glauben – Sudetendeutsche Wallfahrt
Seit 75 Jahren besteht die bundesweite Ackermanngemeinde und seit 75 Jahren pilgern Sudetendeutsche Wallfahrer nach Altötting – ein Jubiläum, dass die Mitglieder der Gemeinschaft am 4. Juli in der St. Anna-Basilika mit einem feierlichen Dank-Gottesdienst begingen. Die „Heimat im Glauben“ betonte Ilse Estermaier, seit über 30 Jahren Diözesanvorsitzende der Ackermanngemeinde Passau, in ihren Grußworten. Eine Heimat „für alle Menschen, die nach dem Krieg ihre alte Heimat verlassen mussten, die mit ihren Sorgen und Nöten bei Maria Zuflucht gesucht hatten und voll Vertrauen gekommen waren“.
Dankbar zeigte sich Estermaier auch mit Blick auf die „Pandemie-Durststrecke“. Es sei schön, endlich wieder zusammen Gottesdienst feiern zu können. Heuer fand dieser zusammen mit Katholiken aus den GUS-Staaten statt; wie immer kamen Wallfahrer in traditionellen Trachten, auch eine Fahne stand für „das Bild alter Heimat“.
Herzlich begrüßt wurden der Hauptzelebrant Domvikar Dr. Alexander Hoffmann als Seelsorgsleiter muttersprachlicher Gemeinden der Erzdiözese München-Freising, sowie als Konzelebranten Militärdekan Siegfried Weber, Kanonikus in Budweis und Vorsitzender von „Glaube und Heimat“, Msgr. Heinrich Josef Weiß aus Eichstätt sowie Stiftskanonikus August Sparrer, Altötting.
Auch Domvikar Hoffmann sprach in seiner Predigt von der „Heimat im Glauben“, außerdem vom „Weg zu Christus“. Angesichts der Konflikte in Kirche und Welt sei dieser oft schwierig. Da sei es gut, stets den Blick auf Maria zu richten: „Maria hat es sich zur Lebensaufgabe gemacht, die Menschen zu Christus zu führen“, erinnerte er. Die Not der Heimatlosigkeit, Vertreibung und Elend im Krieg, seien Anlass für die Kirche sich unermüdlich für Frieden und Dialog einzusetzen. Gerade in der Not komme es darauf an, Antworten aus dem Glauben heraus zu finden, und dies gerade auch aus der Sicht der Frauen und Mütter betrachtet. Dabei ließen sich im Leben der Gottesmutter auch überraschende Seiten erkennen: im Evangelium von der Hochzeit zu Kana etwa werde Maria nicht als demütige Frau im Hintergrund beschrieben, im Gegenteil: Sie sei es gewesen, die die Initiative ergriffen habe als der Wein ausgegangen war. So folgerte der Prediger: Man dürfe nichts dem Zufall überlassen. Außerdem: Zeiten der Umbrüche, auch der Neuerungen in der Kirche, sollten uns nicht ängstigen. Der Ruf der Gottesmutter „Tut, was Er euch sagt“ gelte für gläubige Frauen und Männer gleichermaßen. „Vertrauen wir der Gottesmutter in den Sorgen und Nöten des Lebens. Jeder der sie anruft, wird den Weg zu Christus finden“, betonte der Domvikar.
Am Ende des Gottesdienstes gab es eine bedauerliche Mitteilung: mit dem 75. Jubiläum der Ackermanngemeinde wird die traditionelle Sudetendeutsche Altötting-Wallfahrt voraussichtlich enden. Der finanzielle Aufwand einer Wallfahrtsorganisation, die Überalterung der Heimatvertriebenen und die stark reduzierte Pilger-Anzahl würde den finanziellen Aufwand nicht mehr rechtfertigen, hieß es vonseiten der Veranstalter. So habe etwa die Ackermanngemeinde München geplant, sich zurückzuziehen.
Text und Fotos: Roswitha Dorfner
Heimsuchung im positiven Sinn
Am 2. Juli, dem Festtag Mariä Heimsuchung, hat die traditionelle Wallfahrt des Katholischen Deutschen Frauenbunds (KDFB) der Diözese Passau stattgefunden.
Heuer ist alles einmalig anders“, wie die Vorsitzende des KDFB-Dekanats Altötting, Gisela Schneiderbauer, erklärte. Corona-bedingt fand die Wallfahrt nicht im großen Rahmen, sondern „nur“ mit Mitgliedern des Dekanats Altötting statt, die in der St. Anna-Basilika einen Gottesdienst feierten. Einmalig war, dass zeitgleich 226 Zweigvereine des KDFB an verschiedenen Orten mitfeierten.
Gisela Schneiderbauer und „ihr“ Team mit u.a. Gemeindereferentin Monika Röckl und Ingrid Rehm erklärten: Mariä Heimsuchung, wie es uns das Lukas-Evangelium verkünde, die Begegnung der beiden schwangeren Frauen Maria und Elisabeth, bedeute, sich freudig mitzuteilen und zugleich Freude zu teilen. Der Festtag sei also ein idealer Termin für eine Wallfahrt. „Wir treffen uns mit Freude, unsere Freude mit Euch zu teilen – so soll es sein“, sagten sie übereinstimmend.
Mit dabei war Dekanatsratsvorsitzende Luise Hell. Auch Dekan Heribert Schauer zeigte sich glücklich, wie er bekundete, dass er den KDFB-Dekanatsgottesdienst für die etwa 300 Pilgerinnen zelebrieren durfte, exakt am Tag seines 26. Priesterjubiläums. Besonderer Dank galt den teilnehmenden Fahnenabordnungen; die 20 kunstvoll gefertigten KDFB-Fahnen gaben beim Einzug des liturgischen Dienstes einen festlichen Rahmen – ebenso die musikalische Gestaltung des Gottesdienstes mit Annemarie Oberhuber an der Orgel und Sopranistin Sandra Kurnoth, die besonders eindrucksvoll das „Ave Maria“ zum Besten gab.
„Heimsuchung“ sei eigentlich Ausdruck einer negativen Lebenssituation – doch die Begegnung von Maria und Elisabeth sei „eine Heimsuchung im positiven Sinn“ gewesen, resümierte Dekan Heribert Schauer in seiner Predigt. Der Festtag bedeute: „Gott selber hat in Maria Wohnung genommen, Gott ist auch in uns – in Freud und Leid, in Gesundheit und Krankheit, in guten und schweren Tagen, in jeder Lebenssituation ist er uns nah“. Darum folgerte Dekan Schauer: „Seid ein Stück Heimat, wo ich gerne hingehen kann.“ Und: „In Gott haben wir unsere eigentliche Heimat, in ihm wissen wir uns geborgen, müssen uns nicht verstellen. So sollen wir mit Marias Hilfe zum Zeichen werden, für eine heilige Begegnung, die Heimat schafft.
Text und Fotos: Roswitha Dorfner
Bürgermeister geht mit dem Kreuz voran
Die Fußwallfahrt aus Mehring (Lkr. Altötting) am 3. Juli führte heuer Bürgermeister Robert Buchner an und ging mit dem Kreuz voran. Eine weitere Gruppe kam vom Pfarrverband Emmerting-Mehring mit dem Fahrrad an, wiederum andere mit dem Auto, wie etwa Pfarrer Thomas Steinberger. Beim Pilgergottesdienst in der St. Anna-Basilika stellte Pfarrer Steinberger die Bedeutung einer Glaubens- und Gebetsgemeinschaft heraus: Beim „Vaterunser“ würde ja auch das „für uns“ und nicht „für mich“ herausgehoben. Glaubensgemeinschaft mit Maria mache Mut, auf dem richtigen Glaubensweg unterwegs zu sein.
Text und Fotos: Roswitha Dorfner
Gottesbegegnung
Altöttings Stiftskapellmeister Stephan Thinnes wohnt in Kirchdorf/Inn und selbstverständlich übernahm er beim Gottesdienst die Kirchdorfer Wallfahrer am 3. Juli in der St. Konrad-Kirche das Orgelspiel und den Gesang. Zu Fuß, per Fahrrad oder Pkw waren die Wallfahrer – einzeln oder in kleineren Gruppen – nach Altötting gepilgert. Pfarrer Janos Kovacs predigte über „Mariä Heimsuchung“ als Beispiel, wie Gott in das Leben eingreifen könne. Sowohl Maria als auch Elisabeth hätten erfahren dürfen: „Gott hat Großes mit mir vor.“ Pfr. Kovacs resümierte: „Unser Leben ist die Geschichte unserer Begegnungen.“ Mariä Heimsuchung sei ein „Fest der Begegnung“ zwischen Elisabeth und Maria – und darüber hinaus eine Begegnung mit Gott.
Text und Fotos: Roswitha Dorfner
Dankwallfahrt
Für Josef Rossak, der am 3. Juli zu Fuß von Marktl/Inn nach Altötting marschiert war, war es eine persönliche Dankwallfahrt. Er war auf Dialyse angewiesen, vor einem halben Jahr hatte er dann eine Spenderniere bekommen. Viele weitere Angehörige des Pfarrverbands Marktl-Stammham nahmen das Angebot wahr, in einer Fuß‑, Rad-Wallfahrt oder mit Pkw nach Altötting zu pilgern. Pfarrer Peter Meister, der mit dem Fahrrad angekommen war, und auch seine Ministranten zur Radwallfahrt motivieren konnte, verwies beim Pilgergottesdienst in der St. Anna-Basilika auf den 3. Juli als den Festtag des hl. Apostels Thomas.
Text und Fotos: Roswitha Dorfner
Im Dienst des Herrn
„Punktlandung“: exakt zum vereinbarten Pilgergottesdienst in der St. Konrad-Kirche am 3. Juli um 11 Uhr erreichten mit dem Bus 30 Teilnehmer der Caritas-Sozialstation aus Nabburg, allen voran Pfarrer Hannes Lorenz, den Gnadenort Altötting. „Gerade an diesem Wallfahrtstag spüren wir, wie der Himmel offen steht, umso größer ist die Freude, einfach hier sein zu dürfen“, zeigte sich Pfarrer Lorenz dankbar und erklärte die Farbe „Rot“ sowohl beim Messgewand, als auch der Dienstkleidung für Caritas-Mitarbeiter. Die liturgische Farbe Rot stehe für den Festtag des hl. Apostels Thomas als Märtyrer. Alles im Leben sei Berufung, stellte Pfarrer Lorenz fest, egal ob Aposteldienst, oder wenn wir im Alter gebrechlich sind. „Gott schenke uns die Kraft unserer Berufung auf die Fürsprache der Gottesmutter, des hl. Thomas und des hl. Bruders Konrad, damit wir einst hineingenommen werden in den Himmel.“
Text und Foto: Roswitha Dorfner
