
Endlich wieder Wallfahrt! Die Corona-Fallzahlen sinken und auch Wallfahrten nach Altötting sind wieder einfacher möglich. Tatsächlich kamen aber auch schon in den Monaten zuvor immer wieder einzelne Pilger, Familien oder kleine Gruppen ins "Herz Bayerns". Da größere Wallfahrten eine längere Vorlauf- und Organisationszeit sowie Planungssicherheit erfordern, wird dies wohl auch noch eine Weile so bleiben. Hier nun eine kleine Auswahl an Wallfahrten, die im Juni stattfanden.
Josef als Weggefährte
Etwa 40 Einzelpilger der Pilgergemeinschaft Michaelbeuern mit Abt Johannes Perkmann OSB, Mitbruder P. Clemens und Pilgerleiter Hermann Wallmann hatten dieses Jahr ihre Traditionswallfahrt Corona-bedingt verkürzt und waren am 12. Juni ab Burghausen in einer Tagesetappe den Weg nach Altötting zu Fuß marschiert. In der St. Konrad-Kirche feierten sie Pilgergottesdienst. Das Wallfahrten bedeute gelebtes Christsein, erklärte Abt Johannes in seiner Predigt. Dieses Jahr war die Pilgergemeinschaft aus dem Salzburger Land in den Spuren des hl. Josefs unterwegs; dieser sei ein Vorbild für alle Familien. Josef sei kein Mann großer Worte gewesen, umso mehr habe er durch Taten beeindruckt, sagte der Abt. Hoffnungsfroh blicken die Michaelbeuerer Pilger aufs nächste Jahr: auf die Fürsprache Mariens, der Heiligen Josef und Bruder Konrad wünschen sie sich ein Corona-freies Jahr 2022, denn da steht die 20. Jubiläumsfußwallfahrt an.
Text und Fotos: Roswitha Dorfner
Dankwallfahrt

Eigentlich pilgert Albert Sedlmeier alljährlich im Herbst mit der Fußwallfahrt aus Waidhofen nach Altötting. Die Pandemie machte wie bei so vielen Traditionswallfahrten „einen Strich durch die Rechnung“. So kam er am 27. Mai mit dem Auto; mit dabei waren Ehefrau Rosi und die Enkeltochter – es war eine persönliche Dankwallfahrt zur Gnadenmutter: „Für uns ist die Kleine wirklich eine Gebetserhörung. Wir hatten uns schon abgefunden, dass wir kein Enkelkind mehr bekommen, schließlich waren die Eltern des Mädchens schon 43 Jahre alt“, erklärte das Ehepaar, „zuvor sind wir zum Bitten nach Altötting, jetzt fahren wir zum danken hin … man kann nicht genug danken für alles, auch wenn so manches selbstverständlich erscheint.“ So pilgern die Sedlmeiers ein bis zweimal im Jahr an den Gnadenort.
Text und Foto: Roswitha Dorfner
Bei Bruder Konrad
Letztes Jahr waren sie in Turin, wie Passaus Bischof Dr. Stefan Oster erzählte, heuer hat er sich am 26. Juni mit den Seminaristen seiner Diözese sowie Regens Martin Dengler und Subregens Christoph Leuchtner auf den Spuren des hl. Bruders Konrad auf Pilgerfahrt begeben. Naheliegend war da ein Zwischenstopp in Altötting, an der Wirkungsstätte des hl. Klosterpförtners mit Klosterführung durch Guardian P. Norbert Schlenker. Beim Gottesdienst in der St. Konrad-Kirche empfahl Bischof Stefan Oster den Seminaristen, sich „im Dienen“ am Bruder Konrad zu orientieren. Regens Dengler betonte mit Bezug auf den Pfortendienst des Heiligen die Bedeutung einer christlichen Willkommenskultur. Auch der priesterliche Dienst könne als „Pfortendienst“ interpretiert werden: in diesem Bild sei eine Pforte die Schnittstelle zur Neuevangelisierung für alle Fragenden, Suchenden oder Zweifelnden. Neuevangelisierung bedeute, als Kirche neue Wege zu suchen und die Menschen mitzunehmen auf dem Weg zu Gott.
Text und Fotos: Roswitha Dorfner
Vereint in Maria
„Heiß war’s, schee war’s, mitreißend – die Gruppe hat sich gegenseitig gestützt“, war das Resümee der 15 Vertreter der Jugendverbände aus der Diözese Passau, die sich am 18. Juni um 7 Uhr morgens ab Schönau bei Eggenfelden zu Fuß nach Altötting aufgemacht hatten und gegen 15.45 Uhr das Pilgerziel erreichten. Mit dabei waren Jugendpfarrer Wolfgang de Jong, Landjugend-Seelsorger Michael Vogt und BDKJ-Vorsitzende Johanna Haslböck. Unter dem Wallfahrtsmotto „Getrennt unterwegs – vereint in Maria“ marschierten sie mit Verbandsfahnen und beteten auf dem Weg, auch wenn die Überwindung zum Durchhalten gerade bei schweißtreibenden Temperaturen schon grenzwertig war, wie Jugendpfarrer de Jong feststellte. Johanna Haslböck hegt die große Hoffnung, „dass nächstes Jahr wieder alles normal abläuft“. Für die mitreißende musikalische Gestaltung beim Aussendungs-Gottesdienst, der Andacht in der St. Konrad-Kirche und unterwegs sorgte Nick Pfeiffer vom kirchlichen Jugendbüro Pfarrkirchen.
Text und Fotos: Roswitha Dorfner
Mit Jubilar unterwegs
Eigentlich nahmen sie immer an der Passauer Jugendfußwallfahrt teil – Corona-bedingt war dies zuletzt nicht möglich. So ist die kleine Pilgergemeinschaft aus Hauzenberg im Bayerischen Wald mit dem Segen von Dompropst i.R. Msgr. Hans Striedl am 25. Juni ab dem Passauer Dom in zweitägiger Fußwallfahrt nach Altötting gepilgert. Am 26. Juni wurden sie um 17 Uhr von Diakon Thomas Zauner und dessen Sohn und Vortragskreuzträger Martin zur Gnadenkapelle einbegleitet – die traditionelle Einbegleitung ist erst seit kurzem wieder möglich. Für Georg Schauer war es die 40. Fußwallfahrt nach Altötting – und als Pilgerjubilar trug er sein hölzernes Pilgerkreuz nicht allein den ganzen Weg, er „ließ tragen“, wie die Mitpilger lachend feststellten. Mit Frieden im Herzen zu Maria gehen und diesen Frieden mit nach Hause nehmen, das wünschte abschließend Diakon Zauner und spendete den Pilgersegen. Im Gegenzug erhielt Zauner eine Spende der Hauzenberger Fußpilger für den Opferstock der Gnadenkapelle.
Text und Fotos: Roswitha Dorfner
Traditionen bewahren
Auch die in Bayern lebenden Kroaten mussten ihre Nationalwallfahrt nach Altötting heuer verändern: Nicht wie sonst rund 2.000, sondern nur etwa 200 Wallfahrer konnten am 27. Juni den Gottesdienst in der Basilika mitfeiern; es waren vor allem Pilger aus dem Münchner Raum vor Ort. 65 Fußpilger kamen in zweitägiger Fußwallfahrt ab Steinhöring bereits am 26. Juni an, 20 erreichten mit dem Fahrrad ihr Ziel. Unter den Fußwallfahrern war auch der Seelsorger der kroatisch-katholischen Pfarr-Gemeinde St. Gabriel in München, P. Edvard Sokol OFM, wie Pilgerleiter Anton berichtete; außerdem Mitglieder der Musikgruppe, die den Gottesdienst gestalteten. Ein großes Anliegen ist es P. Edvard, dass die Nationalwallfahrt weitergeht, trotz Corona. Apropos: drei Wörter waren bei der 15. Fußwallfahrt nach Altötting laut P. Edvard verboten: Corona, Impfung und Fußball – so sollte „Diskussions-Zündstoff“ vermieden werden. Stattdessen empfahl er bei der hl. Messe, sich am Glaubensvorbild Marias zu orientieren; außerdem die Eucharistie und die Beichte.
Text und Fotos: Roswitha Dorfner
Gottsuche

„Wo wohnst du?“ – diese Fragestellung aus dem Johannes-Evangelium zur Jünger-Berufung machte sich Diakon Dieter Spöttl zum Predigtthema beim Gottesdienst in der St. Konrad-Kirche am 18. Juni. Zuvor hatte er mit angehenden Diakonen aus den Diözesen München-Freising und Passau ab Mühldorf/Inn eine Fußwallfahrt nach Altötting organisiert. Berufung geschehe individuell verschieden, so die Feststellung Spöttls, jeder müsse für sich allein das „Hinschauen, wo Christus wohne“ erlernen. Eine Möglichkeit der Gottsuche bestehe in einer Pilger-Erfahrung. Am Gnadenort Altötting, bei der Gottesmutter in der Gnadenkapelle mit dem göttlichen Kind oder beim hl. Bruder Konrad in der Konradkirche seien wir Gott sehr nahe, versicherte Diakon Spöttl. Für den hl. Bruder Konrad sei das „Kreuz ein Buch gewesen“, auf das er stets in Liebe geschaut habe – so habe er im Gebet gelernt, wie er sich richtig zu verhalten habe.
Text und Foto: Roswitha Dorfner
Wie der Vater, so der Sohn

Am 3. Juli ist der Hochzeitstermin – eine wichtige Entscheidung fürs Leben, wie Michael Meindl (2.v.l.) feststellte. In alter Familientradition machte er sich deshalb eine Woche zuvor, am 26. Juni, in Begleitung dreier Freunde per Fahrrad auf den Weg von Mallersdorf nach Altötting, um in der Gnadenkapelle die Gottesmutter um eine beständige und gute Ehe zu bitten. So hat‘s sein Vater im gläubigen Vertrauen mit einer Altötting-Fußwallfahrt gehalten, so hielt es auch der Sohn. Mit dem Segen der Gottesmutter und göttlichem Beistand von oben habe die Ehe seiner Eltern gehalten, erzählte Meindl-Junior, und so erhofft er sich dies auch für seine Ehe. Mit etwa 100 zurückgelegten Kilometer nach Altötting zeigte er auf jeden Fall schon einmal Durchhaltevermögen, was sicherlich als ein gutes Vorzeichen gedeutet werden kann, auch als Ehepaar durchzuhalten – in guten wie in schlechten Tagen.
Text und Foto: Roswitha Dorfner