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Lichterflut und Wüstenpanorama – Sehenswerte Krippe in Drove

Michael Glaß am 16.12.2019

2019 12 altoetting lfb krippe in drove1 info-icon-20px Foto: Andreas Drouve
Krippe in Drove: Überall Häuser und Figuren unter einem Lichterhimmel.

Plötzlich öffnet sich eine andere Welt. Wasser plätschert und spielt die Melodie des Lebens. Vor einer Felsgrotte leuchtet der Schriftzug „Ehre sei Gott in der Höhe“. Ein paar Schritte weiter verfängt sich der Blick aufwärts in Lichternetzen, gekrönt vom Sternenhimmel. Überall entdeckt man eine überraschende Fülle an Feinheiten, auch bei den Figuren. Still und warm fühlt man sich in der Pfarrkirche Sankt Martin in Drove empfangen, wo sich ein imposantes Werk der Krippenfreunde befindet.

Der Ort Dro­ve liegt etwa zehn Kilo­me­ter süd­lich der nord­rhein-west­fä­li­schen Kreis­stadt Düren am Rand der Eifel und des Natur­schutz­ge­bie­tes Dro­ver Hei­de. Das Leben fließt beschei­den dahin, die Stra­ßen­zü­ge wir­ken pro­per, in Nach­bar­schaft wölbt sich ein sach­ter Höhen­zug auf. Stolz ist man hier bis heu­te auf einen schrift­stel­le­ri­schen Split­ter von Lite­ra­tur­no­bel­preis­trä­ger Hein­rich Böll: den Essay Die Juden von Drove“.

Der Spitz­turm und ein kunst­vol­les Holz­por­tal drü­cken der Mar­tins­kir­che in Außen­an­sicht die Stem­pel auf. Drin­nen leis­ten die Krip­pen­freun­de Dro­ve jedes Jahr gan­ze Arbeit und gestal­ten eine Krip­pen­land­schaft beson­de­rer Dimen­sio­nen. 25 Meter lang und vier Meter hoch sind die Auf­bau­ten und Sze­nen­fol­gen. Besu­cher spa­zie­ren an einem Wüs­ten­pan­ora­ma eben­so ent­lang wie an einem typi­schen Eifel­dorf mit Minia­tu­ren von einer Kir­che und Fach­werk­häu­sern, die sich über meh­re­re Höhen­stu­fen ver­tei­len. In die Gestal­tung wan­dern über 2.000 LED-Lich­ter und 1.500 Bögen Fel­sen­pa­pier. Hin­ter all­dem steckt die Sankt Mat­thi­as-Bru­der­schaft. Wir sind zu neunt“, sagt Ste­fan Schä­fer (69), Rent­ner wie die meis­ten sei­ner Kol­le­gen. Und die inves­tie­ren in der Advents­zeit selbst­los vie­le hun­dert Arbeits­stun­den, um dem ört­li­chen Tem­pel des Herrn zwi­schen dem 22. Dezem­ber und 19. Janu­ar eine ganz beson­de­re Stim­mung zu ver­lei­hen – samt einem klei­nen Was­ser­fall und his­to­ri­schen Krip­pen­fi­gu­ren aus dem Jah­re 1910. Die­se Figu­ren sind aus Wachs, ange­führt von der Hei­li­gen Fami­lie und den Drei Köni­gen, ande­re aus Holz.

Neben­bei lohnt natür­lich auch, die übri­ge Kir­che, die aus den Anfän­gen des 16. Jahr­hun­derts stammt, ein­ge­hen­der zu betrach­ten. Über dem Mit­tel­schiff schwebt aus­drucks­stark der Gekreu­zig­te, im Sei­ten­schiff gegen­über flammt ein klei­nes Ker­zen­meer vor der Skulp­tur einer goti­schen Madon­na mit Kind.

Passionierte Handwerker und Tüftler

2019 12 altoetting lfb krippe in drove2 info-icon-20px Foto: Andreas Drouve
Erleuchtete Kirche der großen Krippe in Drove.

Die Krip­pe von Dro­ve, wie sie heu­te fas­zi­niert, erleb­te ihre Geburt Mit­te der 1970er-Jah­re. Dage­gen blät­tert man bei der Sankt Mat­thi­as-Bru­der­schaft um Eini­ges län­ger im Buch der Geschich­te zurück. Bereits 1695, erzählt Ste­fan Schä­fer, wur­de eine Wall­fahrt der Dro­ver Bru­der­schaft zum Apos­tel­grab des hei­li­gen Mat­thi­as in Trier urkund­lich erwähnt. Die Tra­di­ti­on hält die Grup­pe auf­recht. Wir pil­gern ein­mal im Jahr nach Trier, drei Tage um Chris­ti Him­mel­fahrt“, sagt Schä­fer. Wäh­rend des übri­gen Jah­res brin­gen sich die meis­ten Bru­der­schaft­ler ins loka­le Kir­chen­le­ben ein, zum Bei­spiel bei Wortgottesdiensten.

So rich­tig auf Hoch­tou­ren kommt die ambi­tio­nier­te Gemein­schaft etwa drei Wochen vor Hei­lig­abend, wenn es an den Neu­auf­bau der Krip­pe geht. Das Gerüst ist ein Stan­dard­mo­dell, aber wir dür­fen nicht boh­ren, nicht fest­schrau­ben“, sagt der gelern­te Maler Schä­fer, der seit einem Vier­tel­jahr­hun­dert mit von der Par­tie ist. Wie er sind die übri­gen Mit­glie­der pas­sio­nier­te Hand­wer­ker, Tüft­ler, die im Ver­gleich zum Vor­jahr immer wie­der Ver­än­de­run­gen ein­bau­en. Über­all dringt die Lie­be zum Detail durch. Da zieht ein klei­ner Tross mit Kame­len vor dem Hin­ter­grund­bild einer Wüs­ten­land­schaft vor­an. Da blickt man über Scha­fe und Gat­ter hin­weg auf erleuch­te­te Fens­ter der Fach­werk­bau­ten, die gleich­sam Lich­ter der Hoff­nung, der Freu­de geben. Da sprie­ßen um die Krip­pe Grün­pflan­zen aus den Fel­sen her­vor, legen sich Äste über das Krip­pen­dach, von dem ein Engels­fi­gür­chen schwebt. Irgend­wo anders sitzt ein Mann mit einer Flö­te am wär­men­den Feu­er, hütet ein Hir­ten­kind Läm­mer, dreht sich ein Mühl­rad, bezeu­gen Brück­chen aus Ast­stü­cken die fili­gra­ne Hand­ar­beit der Krip­pen­bau­meis­ter. Unter den Tier­fi­gu­ren fin­det sich ein Eich­hörn­chen. Und es gibt sogar einen Gold­fisch­teich. Ein­ge­taucht liegt das Gan­ze in Farb­tö­nen da, die in Rot, Gelb, Grün mit­ein­an­der har­mo­nie­ren. Wirk­lich stimmungsvoll!

Zwi­schen 5.000 und 6.000 Besu­cher“, schätzt Schä­fer, erfreu­en sich all­jähr­lich an der Dro­ver Krip­pe. Dar­un­ter sind regel­rech­te Spe­zia­lis­ten, die von Krip­pe zu Krip­pe“ fah­ren, weiß Schä­fer, aber auch Eifel­ver­eins- und Tages­pfle­ge­grup­pen, Fami­li­en mit Kin­dern, jed­we­de Indi­vi­dua­lis­ten. Der Ein­tritt ist kos­ten­los. Wer mag, hin­ter­lässt eine Spen­de in einer Box. Ein Teil der auf die­sem Weg gewon­ne­nen Ein­nah­men kommt laut Schä­fer der Auf­recht­erhal­tung der Krip­pe zu, wo jedes Jahr Pum­pen aus­ge­bes­sert, Papier­bö­gen neu gekauft wer­den müs­sen. Ein ande­rer Teil der Spen­den­gel­der fließt wohl­tä­ti­gen Zwe­cken zu, ob dem Kin­der­kran­ken­haus in Beth­le­hem oder Pro­jek­ten vor Ort in Drove.

Ein Plus für Besu­cher: Es gibt kein Foto­gra­fier­ver­bot. So kann sich jeder sei­ne per­sön­li­chen Foto­sou­ve­nirs von der Dro­ver Krip­pe mit nach Hau­se nehmen.

Text: Andre­as Drouve