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„Hörender und Seelsorger“ – Interview mit Prälat Dr. Klaus Metzl

Michael Glaß am 21.09.2020

2020 09 21 aoelfb praelat klaus metzl1 info-icon-20px Foto: Roswitha Dorfner
In seinem neuen „Revier“: Stadtpfarrer Prälat Klaus Metzl vor Gnadenkapelle und Stiftspfarrkirche in Altöttting. Den Blick über den Kapellplatz auf beide Gotteshäuser darf der neue Administrator und Wallfahrtsrektor von seiner Wohnung aus nun jeden Tag genießen.

Prälat Klaus Metzl ist zupackend, versteht sich aber auch auf die leisen Töne. Am Gnadenort Altötting hat sich der neue Stadtpfarrer und Wallfahrtsrektor jedenfalls einiges vorgenommen. Immer an seiner Seite: Kater Xaverl.

Lie­ber Herr Prä­lat Metzl, Sie haben sich nach 15 Jah­ren aus dem sehr for­dern­den Amt des Gene­ral­vi­kars im Bis­tum Pas­sau ver­ab­schie­det – aber in Alt­öt­ting gleich vier neue bekom­men: Kapell-Admi­nis­tra­tor, Wall­fahrts­rek­tor, Stadt­pfar­rer und Stifts­propst. Ihr kürz­lich ver­stor­be­ner Vor­gän­ger Prä­lat Alo­is Furt­ner hat sich stets als Haus­meis­ter Unse­rer Lie­ben Frau“ ver­stan­den. Wie dür­fen wir Sie denn künf­tig anre­den: Herr Prä­lat, Herr Stadt­pfar­rer, Herr Admi­nis­tra­tor …?
Prä­lat Klaus Metzl: In der Tat gibt es am Gna­den­ort Alt­öt­ting vie­le gewach­se­ne Struk­tu­ren und Ämter. Und die Geschich­te geht wei­ter. Es gilt: Über­kom­me­nes zu respek­tie­ren und neue Wege für die Glau­bens­ver­kün­di­gung zu suchen. In die­ser Span­nung zwi­schen einer gro­ßen Her­kunft und einer her­aus­for­dern­den Zukunft ver­su­che ich mich als Hören­der, als Seel­sor­ger zu ver­or­ten und des­halb hal­te ich den für alle ver­ständ­li­chen Begriff des Stadt­pfar­rers für den angemessensten.

Sie woll­ten erklär­ter­ma­ßen stär­ker zurück in die Seel­sor­ge. Wie pas­sen da die vier neu­en Ämter zusam­men?
Prä­lat Klaus Metzl: Sehr gut, weil sie alle mit Men­schen zu tun haben, die in ihrer je eige­nen Situa­ti­on nach dem Grund und Ziel ihres Lebens fra­gen, den wir Chris­ten in Gott wis­sen und für den ich vor den Men­schen Zeug­nis geben will.

Sowohl Ihre letz­ten Mona­te als Gene­ral­vi­kar als auch Ihr Amts­an­tritt in Alt­öt­ting wur­den und wer­den über­schat­tet durch die Coro­na-Kri­se. Fast unvor­stell­bar für einen Wall­fahrts­ort gab es heu­er kei­ner­lei Pil­ger­zü­ge, die Ver­eh­rung zur Gna­den­mut­ter in der Hei­li­gen Kapel­le war lan­ge nicht mög­lich. Wagen Sie eine Pro­gno­se für den Herbst und wie kann die Wall­fahrt im kom­men­den Jahr wie­der­be­lebt wer­den?
Prä­lat Klaus Metzl: Zunächst ein­mal neh­me ich wahr, dass gera­de in die­sen son­ni­gen Spät­som­mer­ta­gen wie­der vie­le Ein­zel­pil­ger oder klei­ne­re Wall­fahrts­grup­pen – oft auch mit dem Fahr­rad kom­mend – froh und dank­bar sind, dass sie unter Ein­hal­tung der gel­ten­den Hygie­ne- und Abstands­re­geln die Kir­chen zum per­sön­li­chen Gebet und für die Teil­nah­me an den Got­tes­diens­ten wie­der benut­zen kön­nen. Die Sehn­sucht, den Gna­den- und Kraft­ort der Mut­ter Got­tes von Alt­öt­ting zu besu­chen ist unge­bro­chen. Ande­rer­seits gilt aber auch, dass wir ler­nen muss­ten, mit dem Covid-19-Virus zu leben und zwar – wie man so schön sagt – auf Sicht! Das heißt: Kei­ner von uns kann sagen wie genau die Situa­ti­on in 14 Tagen sein wird und des­we­gen ste­hen län­ger­fris­ti­ge Pla­nun­gen immer unter einem coro­nabe­ding­ten Vor­be­halt. Dar­auf haben wir uns ein­ge­stellt und müs­sen daher unse­re Über­le­gun­gen – zum Bei­spiel für die nor­ma­ler­wei­se sehr gut gefüll­ten Got­tes­diens­te zu Weih­nach­ten – mit ver­schie­de­nen Vari­an­ten planen.

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Prälat Klaus Metzl mit Diakon Gerold Hochdorfer in der Altöttinger Gnadenkapelle.

Wie haben Sie die ers­ten Wochen in Alt­öt­ting ganz per­sön­lich erlebt?
Prä­lat Klaus Metzl: Vie­le Men­schen haben mich in Alt­öt­ting freund­lich und freu­dig will­kom­men gehei­ßen. Und ich spü­re bei denen, die ich bereits ken­nen­ler­nen durf­te eine gro­ße Bereit­schaft, sich gera­de auch unter den vom Coro­na Virus bestimm­ten Zei­ten für die Evan­ge­li­sie­rung der Men­schen ein­zu­brin­gen. Und – sei­en wir ein­mal ganz ehr­lich – der täg­li­che Blick vom Pfarr­hof über den Kapell­platz zur Gna­den­ka­pel­le ist mit nichts auf der Welt zu vergleichen!

Was ver­langt die Pan­de­mie der Seel­sor­ge ab, wie kann und muss die­se sich ändern ange­sichts von Abstands­ge­bo­ten und Zugangs­be­schrän­kun­gen?
Prä­lat Klaus Metzl: Die Seel­sor­ge­ar­beit ist – abge­se­hen von den ein­zu­hal­ten­den Hygie­ne- und Abstands­re­ge­lun­gen – die­sel­be geblie­ben. Per­sön­li­che Gesprä­che wie Tauf­ge­sprä­che, Trau­er­ge­sprä­che, Beicht­ge­sprä­che und vie­les ande­re mehr hat sich nicht ver­än­dert. Was sich ver­än­dert hat, sind die Rah­men­be­din­gun­gen: Kei­ne gro­ßen Wall­fahrts­zü­ge, kei­ne voll beset­zen Kir­chen, kei­ne gro­ßen Hoch­zei­ten, nicht mehr so vie­le Sit­zun­gen, … Ich möch­te sogar sagen, dass die Seel­sor­ge wegen der klei­ne­ren und oft auch inti­me­ren Struk­tu­ren sogar inten­si­ver und per­sön­li­cher gewor­den ist.

Abge­se­hen von der Bewäl­ti­gung der Coro­na-Fol­gen: Was haben Sie sich vor­ge­nom­men in Alt­öt­ting? Wo sehen Sie die größ­ten Bau­stel­len“, die drän­gends­ten Pro­jek­te?
Prä­lat Klaus Metzl: Zunächst ein­mal geht es dar­um, die fünf ver­schie­de­nen Rechts­trä­ger und Ver­wal­tungs­ein­hei­ten – das Pfarr­ver­bands­bü­ro für die drei Pfar­rei­en St. Phil­ip­pus und Jako­bus, St. Josef und Mariä Heim­su­chung, die Admi­nis­tra­ti­on der Kapell­stif­tung, die Wall­fahrts­kus­to­die, das Ver­wal­tungs­zen­trum und die Neue Schatz­kam­mer im Haus Papst Bene­dikt XVI. –, die bereits auf dem Papier unter einer Lei­tung zusam­men­ge­fasst sind, auch wirk­lich so zu orga­ni­sie­ren, dass sie zu einer Ver­wal­tungs-Ein­heit wer­den, die effi­zi­en­ter, kos­ten­güns­ti­ger und trans­pa­ren­ter arbei­ten kann, um so die Frei­räu­me gewin­nen zu kön­nen, die wir für die Pas­to­ral und Initia­ti­ven der Neue­van­ge­li­sie­rung brauchen.

Neben der Gna­den­mut­ter prägt auch der hei­li­ge Bru­der Kon­rad Alt­öt­ting. Wel­che Rol­le spielt er für Sie im Glau­bens­le­ben des Ortes?
Prä­lat Klaus Metzl: Der hei­li­ge Bru­der Kon­rad gehört wie die Mut­ter Got­tes zum Wall­fahrts­ort Alt­öt­ting. Er hat uns vor­ge­lebt, was Nach­fol­ge Jesu bedeu­tet: in Treue und Beharr­lich­keit tag­täg­lich sei­nen Auf­ga­ben nach­zu­kom­men. So kann man hei­lig werden.

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Prälat Klaus Metzl mit einem Bruder Samariter auf dem Altöttinger Kapellplatz.

Seit gut 200 Jah­ren sind die Kapu­zi­ner ganz wesent­lich für die Wall­fahrts­seel­sor­ge in Alt­öt­ting zustän­dig. Im Sep­tem­ber kom­men­den Jah­res geben die­se das Klos­ter St. Mag­da­le­na auf, die Brü­der Sama­ri­ter über­neh­men. Was bedeu­tet das für die Betreu­ung der Pil­ger am Gna­den­ort?
Prä­lat Klaus Metzl: In St. Mag­da­le­na haben sich durch die Geschich­te hin­durch immer wie­der Ordens­ge­mein­schaf­ten aus ganz unter­schied­li­chen Grün­den abge­wech­selt. So bedau­er­lich der Rück­zug der Kapu­zi­ner aus dem St. Mag­da­le­na-Klos­ter ist; er bedeu­tet ja nicht, dass die Kapu­zi­ner Alt­öt­ting ver­las­sen. Ganz im Gegen­teil: Sie wer­den dadurch ihre Prä­senz im St. Kon­rad-Klos­ter und im Fran­zis­kus­haus ver­stär­ken kön­nen. Und dass dann ab Sep­tem­ber 2021 fünf Brü­der Sama­ri­ter das Mag­da­le­na-Klos­ter wei­ter mit Leben erfül­len wer­den, freut mich ganz beson­ders, weil die­se jun­ge Gemein­schaft sicher­lich auch neue Impul­se und Initia­ti­ven für den Pfarr­ver­band und die Wall­fahrt mit­brin­gen wird. Übri­gens wer­den Br. Micha­el und Br. Mar­tin, die in Kür­ze – am 29. Sep­tem­ber – von Chris­toph Kar­di­nal Schön­born in Klein-Maria­zell zu Pries­tern geweiht wer­den und nächs­tes Jahr ins Mag­da­le­na-Klos­ter mit­ein­zie­hen wer­den, am Mitt­woch, den 21. Okto­ber um 19 Uhr in der Basi­li­ka einen Nach­pri­miz­got­tes­dienst feiern.

Wir sind froh und dank­bar, dass Sie neben Ihren vie­len Ver­pflich­tun­gen zusätz­lich noch das Amt als geist­li­cher Bei­rat des Alt­öt­tin­ger Lieb­frau­en­bo­ten über­nom­men haben. Auch dem Pas­sau­er Bis­tums­blatt waren Sie stets sehr ver­bun­den. Wel­che Rol­le spie­len die kirch­li­chen Medi­en und hier ins­be­son­de­re die gedruck­ten Medi­en für das Wall­fahrts- und Glau­bens­le­ben in der Diö­ze­se und dar­über hin­aus?
Prä­lat Klaus Metzl: Medi­en bestim­men unse­ren All­tag. Seriö­se Infor­ma­tio­nen zu fin­den wird immer mehr zur tag­täg­li­chen Her­aus­for­de­rung. Dar­um bin ich sehr dank­bar um die Bericht­erstat­tung der kirch­li­chen Medi­en. Den Print­me­di­en kommt dabei im Rei­gen der Medi­en die Auf­ga­be zu, seri­ös recher­chier­te und auf­ge­mach­te Hin­ter­grund­be­rich­te zu lie­fern. Wenn dies gelingt, dann haben sie auch eine blei­ben­de Zukunft.

Ihr Vor­gän­ger Prä­lat Gün­ther Man­dl hat­te einen Vogel“, Sie haben einen Kater“. Nym­phen­sit­tich Pip­pi“ ist beim Umzug Man­dls unglück­li­cher­wei­se ent­flo­gen – hat sich Xaverl“ bei Ihnen in der neu­en Umge­bung schon ein­ge­wöhnt?
Prä­lat Klaus Metzl: Mein Kater Xaverl hat sich gut am Kapell­platz ein­ge­lebt. Er ent­deckt momen­tan für sich die neue Umge­bung und ich stau­ne, wie gelas­sen er den Lärm der Hand­wer­ker wegsteckt.

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Prälat Klaus Metzl bei seiner Installation als Wallfahrtsrektor, Stiftspropst und Stadtpfarrer vor der Altöttinger Basilika mit Bischof Stefan Oster.

Wenn Sie auf die vor Ihnen lie­gen­den Jah­re in Ihren neu­en Ämtern bli­cken: Was ist Ihr größ­ter Wunsch?
Prä­lat Klaus Metzl: Mein größ­ter Wunsch ist es, mit den mir anver­trau­ten Men­schen aus den drei Pfar­rei­en, aber auch mit all den Pil­ge­rin­nen und Pil­gern, die immer wie­der hier­her­kom­men in eine Weg­ge­mein­schaft hin­ein­zu­wach­sen, die uns gemein­sam so rei­fen lässt, dass wir am Ende die Früch­te brin­gen, die blei­ben für das ewi­ge Leben. Und ich bin mir sicher, dass dies unter dem Schutz der Mut­ter Got­tes und dem Vor­bild des hei­li­gen Bru­der Kon­rad gelin­gen kann und hof­fent­lich gelin­gen wird.

Inter­view: Wolf­gang Ter­hörst, Fotos: Ros­wi­tha Dorfner