"Lasst uns dem Leben trauen, weil Gott es mit uns lebt" – Der künftige Augsburger Bischof im Interview

Der künftige Bischof von Augsburg, Prälat Bertram Meier, spricht im Interview mit dem "Altöttinger Liebfrauenboten" über die Umstände seiner Wahl, die Vorbereitung auf seine neue Aufgabe, über Herzensanliegen und sein Vertrauen in die Muttergottes von Altötting.
Herr Prälat Meier, was haben Sie als Erstes gedacht, als Sie von der Ernennung zum Bischof erfahren haben?
Prälat Meier: Es war eine Mischung aus Überraschung, Erschrecken und Zuversicht, ja Vorfreude auf die neue Aufgabe. Einerseits bin ich mir bis heute über die Höhe des Anspruchs des bischöflichen Dienstes bewusst, andererseits vertraue ich aber auch darauf, dass ich dabei nicht allein bin. Viele Menschen – Frauen und Männer, Junge und Senioren – helfen mit, dass der gemeinsame Weg gelingt. Und vor allem halte ich es mit dem Jesuiten Alfred Delp, der gesagt hat: Lasst uns dem Leben trauen, weil Gott es mit uns lebt!
Haben Sie mit der Entscheidung gerechnet, wussten Sie um die große Unterstützung im Bistum, im Domkapitel und im Vatikan?
Prälat Meier: Ich habe mit dieser Wahl des Papstes nicht gerechnet. Natürlich war ich nach Eintritt der Sedisvakanz als Domdekan und Diözesanadministrator in die Vorgänge eingebunden, die das Verfahren der Bischofsfindung für Augsburg vorsehen. Doch das ist nur am Anfang eines solchen Prozesses, dann nimmt alles seinen Lauf, ohne dass die Betroffenen davon wissen. Letztlich ist der Heilige Vater, was die bayerischen Bistümer anbelangt, in seiner Entscheidung vollkommen frei. Seine engen Mitarbeiter haben sicher ausführlich sondiert, wer für Augsburg als Bischof in Frage kommt – und da ist die Wahl auf mich gefallen.
Wie werden Sie sich innerlich auf die Aufgabe vorbereiten?
Prälat Meier: Ich werde zunächst die verschiedenen Aufgaben, die mir im Bistum Augsburg über Jahre hinweg anvertraut waren, zu Ende bringen und abrunden. Dann denke ich viel nach und bete. Manches schreibe ich mir auf Merkzettel. Erst ab 21. März, mit meiner Weihe, bin ich ja als Bischof von Augsburg im Amt. Und auch dann möchte ich zunächst einmal gut hinhören. Zwar kenne ich viele in der Diözese, aber Menschen anhören und ihnen zuhören, steht gerade am Anfang ganz oben auf der Prioritätenliste. Eine Woche vor der Bischofsweihe ziehe ich mich dann zu Exerzitien zurück. Mal sehen, was der Heilige Geist mir für meine neue Aufgabe mitgibt!
"Mir persönlich ist es ein großes Anliegen das Thema der Evangelisierung weiterzuführen, zu vertiefen und zu verbreitern."

Werden Sie die enge Zusammenarbeit mit dem Bistum Passau im Bereich der eucharistischen Anbetung (z.B. Adoratio-Kongress) fortführen bzw. intensivieren?
Prälat Meier: Kooperationen sind immer gut, besonders wenn sie einer guten Sache dienen. Das gilt auch für den Adoratio-Kongress. Mir persönlich ist es ein großes Anliegen, das Thema der Evangelisierung, für das sich mein Vorgänger Bischof Konrad Zdarsa, stark gemacht hat, weiterzuführen, zu vertiefen und zu verbreitern. Dabei sind mir im Hinblick auf die Anbetung zwei Dinge wichtig: Die Adoratio ist eine Konsequenz der Celebratio, d.h. die Anbetung geht aus der Feier der Eucharistie hervor. Und: Anbetung ist nicht nur ein liturgischer Ritus, sondern eine Lebensform. Das heißt konkret: Katholische Christinnen und Christen geben Gott die Ehre – nicht nur, indem sie das Knie beugen vor der Hostie, sondern auch im Alltag zeigen, wer Herr ist in ihrem Lebenshaus.
Welchen Wunsch haben Sie an die Muttergottes von Altötting?
Prälat Meier: Jedes Jahr kehre ich mindestens einmal bei der Muttergottes von Altötting ein – ob privat oder mit einer Gruppe. Ich bitte Dich, Schwarze Madonna von Altötting, für die Kirche von Augsburg: Nimm sie unter Deinen Schutz und Schirm, damit sie auch in schwieriger Zeit auf sicherem Weg in die Zukunft geht! Hilf mir, dass ich als Bischof zu einem vertrauenswürdigen Pfadfinder für das pilgernde Gottesvolk werde!
Interview: Wolfgang Terhörst