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"Lasst uns dem Leben trauen, weil Gott es mit uns lebt" – Der künftige Augsburger Bischof im Interview

Michael Glaß am 24.02.2020

2020 02 17 aoelfb bertram meier1 info-icon-20px Foto: Nicolas Schnall (pba)
Der künftige Bischof von Augsburg, Prälat Bertram Meier.

Der künftige Bischof von Augsburg, Prälat Bertram Meier, spricht im Interview mit dem "Altöttinger Liebfrauenboten" über die Umstände seiner Wahl, die Vorbereitung auf seine neue Aufgabe, über Herzensanliegen und sein Vertrauen in die Muttergottes von Altötting.

Herr Prä­lat Mei­er, was haben Sie als Ers­tes gedacht, als Sie von der Ernen­nung zum Bischof erfah­ren haben?
Prä­lat Mei­er:
Es war eine Mischung aus Über­ra­schung, Erschre­cken und Zuver­sicht, ja Vor­freu­de auf die neue Auf­ga­be. Einer­seits bin ich mir bis heu­te über die Höhe des Anspruchs des bischöf­li­chen Diens­tes bewusst, ande­rer­seits ver­traue ich aber auch dar­auf, dass ich dabei nicht allein bin. Vie­le Men­schen – Frau­en und Män­ner, Jun­ge und Senio­ren – hel­fen mit, dass der gemein­sa­me Weg gelingt. Und vor allem hal­te ich es mit dem Jesui­ten Alfred Delp, der gesagt hat: Lasst uns dem Leben trau­en, weil Gott es mit uns lebt!

Haben Sie mit der Ent­schei­dung gerech­net, wuss­ten Sie um die gro­ße Unter­stüt­zung im Bis­tum, im Dom­ka­pi­tel und im Vati­kan?
Prä­lat Mei­er:
Ich habe mit die­ser Wahl des Paps­tes nicht gerech­net. Natür­lich war ich nach Ein­tritt der Sedis­va­kanz als Dom­de­kan und Diö­ze­san­ad­mi­nis­tra­tor in die Vor­gän­ge ein­ge­bun­den, die das Ver­fah­ren der Bischofs­fin­dung für Augs­burg vor­se­hen. Doch das ist nur am Anfang eines sol­chen Pro­zes­ses, dann nimmt alles sei­nen Lauf, ohne dass die Betrof­fe­nen davon wis­sen. Letzt­lich ist der Hei­li­ge Vater, was die baye­ri­schen Bis­tü­mer anbe­langt, in sei­ner Ent­schei­dung voll­kom­men frei. Sei­ne engen Mit­ar­bei­ter haben sicher aus­führ­lich son­diert, wer für Augs­burg als Bischof in Fra­ge kommt – und da ist die Wahl auf mich gefallen.

Wie wer­den Sie sich inner­lich auf die Auf­ga­be vor­be­rei­ten?
Prä­lat Mei­er:
Ich wer­de zunächst die ver­schie­de­nen Auf­ga­ben, die mir im Bis­tum Augs­burg über Jah­re hin­weg anver­traut waren, zu Ende brin­gen und abrun­den. Dann den­ke ich viel nach und bete. Man­ches schrei­be ich mir auf Merk­zet­tel. Erst ab 21. März, mit mei­ner Wei­he, bin ich ja als Bischof von Augs­burg im Amt. Und auch dann möch­te ich zunächst ein­mal gut hin­hö­ren. Zwar ken­ne ich vie­le in der Diö­ze­se, aber Men­schen anhö­ren und ihnen zuhö­ren, steht gera­de am Anfang ganz oben auf der Prio­ri­tä­ten­lis­te. Eine Woche vor der Bischofs­wei­he zie­he ich mich dann zu Exer­zi­ti­en zurück. Mal sehen, was der Hei­li­ge Geist mir für mei­ne neue Auf­ga­be mitgibt!

"Mir persönlich ist es ein großes Anliegen das Thema der Evangelisierung weiterzuführen, zu vertiefen und zu verbreitern."

2020 02 17 aoelfb bertram meier2 info-icon-20px Foto: Nicolas Schnall (pba)
Prälat Bertram Meier als bekannt gegeben wurde, dass er neuer Bischof von Augsburg wird. Das Domkapitel applaudiert.

Wer­den Sie die enge Zusam­men­ar­beit mit dem Bis­tum Pas­sau im Bereich der eucha­ris­ti­schen Anbe­tung (z.B. Ado­ra­tio-Kon­gress) fort­füh­ren bzw. inten­si­vie­ren?
Prä­lat Mei­er:
Koope­ra­tio­nen sind immer gut, beson­ders wenn sie einer guten Sache die­nen. Das gilt auch für den Ado­ra­tio-Kon­gress. Mir per­sön­lich ist es ein gro­ßes Anlie­gen, das The­ma der Evan­ge­li­sie­rung, für das sich mein Vor­gän­ger Bischof Kon­rad Zdar­sa, stark gemacht hat, wei­ter­zu­füh­ren, zu ver­tie­fen und zu ver­brei­tern. Dabei sind mir im Hin­blick auf die Anbe­tung zwei Din­ge wich­tig: Die Ado­ra­tio ist eine Kon­se­quenz der Cele­bra­tio, d.h. die Anbe­tung geht aus der Fei­er der Eucha­ris­tie her­vor. Und: Anbe­tung ist nicht nur ein lit­ur­gi­scher Ritus, son­dern eine Lebens­form. Das heißt kon­kret: Katho­li­sche Chris­tin­nen und Chris­ten geben Gott die Ehre – nicht nur, indem sie das Knie beu­gen vor der Hos­tie, son­dern auch im All­tag zei­gen, wer Herr ist in ihrem Lebenshaus.

Wel­chen Wunsch haben Sie an die Mut­ter­got­tes von Alt­öt­ting?
Prä­lat Mei­er:
Jedes Jahr keh­re ich min­des­tens ein­mal bei der Mut­ter­got­tes von Alt­öt­ting ein – ob pri­vat oder mit einer Grup­pe. Ich bit­te Dich, Schwar­ze Madon­na von Alt­öt­ting, für die Kir­che von Augs­burg: Nimm sie unter Dei­nen Schutz und Schirm, damit sie auch in schwie­ri­ger Zeit auf siche­rem Weg in die Zukunft geht! Hilf mir, dass ich als Bischof zu einem ver­trau­ens­wür­di­gen Pfad­fin­der für das pil­gern­de Got­tes­volk werde!

Inter­view: Wolf­gang Terhörst