Einstellungen erfolgreich gespeichert

Unsere Website verwendet Cookies, um Ihnen die bestmögliche Erfahrung zu bieten. Mehr erfahren

Kirche vor Ort

„Allen kann man es ja nie recht machen“ – Interview mit Kapuzinerpater Norbert Schlenker

Redaktion am 01.09.2021

2021 08 29 aoelfb pater norbert schlenker segnungsgottesdienst Foto: Roswitha Dorfner
Zugewandter Seelsorger: Ob Pilger oder Gottesdienstbesucher – Pater Norbert hat stets ein offenes Ohr für die Sorgen und Nöte der Menschen. Das Bild entstand bei einem Segnungsgottesdienst in Altötting.

Fast acht Jahre lang hat Pater Norbert Schlenker in Altötting Verantwortung getragen – als Leiter der beiden Kapuzinerkonvente sowie als stellvertretender Wallfahrtsrektor. Am 1. September nun endete sein Dienst im Gnadenort. Zeit für einen Rückblick, in dem der allseits geschätzte Geistliche wie gewohnt kein Blatt vor den Mund nimmt.

2021 08 29 aoelfb pater norbert schlenker bruder konrad brunnen Foto: Roswitha Dorfner
Beim beliebten Heiligen in Altötting: Kapuzinerpater Norbert Schlenker in Altötting am Bruder Konrad-Brunnen.

Wenn Men­schen fest­ge­fah­ren und unbe­weg­lich sind, dann wird es schnell lang­wei­lig“. Das, lie­ber Pater Nor­bert, haben Sie Anfang die­ses Jah­res in einem Inter­view gesagt. Lang­wei­lig ist es Ihnen mit den vie­len Auf­ga­ben in Alt­öt­ting kaum gewor­den, oder?
Pater Nor­bert:
Rich­tig – es gab eigent­lich immer etwas zu tun in den bei­den Kon­ven­ten und in der Wall­fahrt. Die Lei­tung der bei­den Kon­ven­te St. Mag­da­le­na und St. Kon­rad mit rund 25 Brü­dern und gut zehn Ange­stell­ten erfor­der­te vie­le Über­le­gun­gen, Abspra­chen, Gesprä­che und Pla­nun­gen. Dazu kamen alle paar Wochen Sit­zun­gen des Pro­vinz­ra­tes der Deut­schen Kapu­zi­ner­pro­vinz, dem ich seit 2016 auch ange­hö­re, und das war dann mit Rei­sen in die ver­schie­dens­ten Klös­ter ver­bun­den, da wir die­se Sit­zun­gen nicht immer an glei­chen Ort hal­ten. In der Coro­na­zeit waren das dann Video­kon­fe­ren­zen. Die Sit­zun­gen der Wall­fahrts­lei­tung fan­den zumin­dest in der Haupt­wall­fahrts­zeit wöchent­lich statt. Dann natür­lich die Vor­be­rei­tung der Got­tes­diens­te und Pre­dig­ten, die Prä­senz im Beicht­zim­mer und die Begeg­nung mit zahl­rei­chen Men­schen mit ihren ver­schie­dens­ten Anfra­gen, Pro­ble­men und Wün­schen am Tele­fon, an der Klos­ter­pfor­te oder bei ande­ren Gelegenheiten.

Ihre Amts­zeit in Alt­öt­ting begann Anfang 2014 mit dem Schluss­ak­kord der gro­ßen Sanie­rung der St. Anna-Basi­li­ka. Kurz dar­auf hat­ten Sie ein wei­te­res gro­ßes Bau­vor­ha­ben zu stem­men: Sanie­rung und Umbau der Bru­der-Kon­rad-Kir­che. Für Plä­ne und Umset­zung gab es viel Zuspruch, aber auch eini­gen Gegen­wind. Wie zufrie­den sind Sie heu­te, drei Jah­re nach dem Abschluss der Arbei­ten, mit dem Ergeb­nis und den Rück­mel­dun­gen der Gläu­bi­gen zum neu­en Innenraum?

Pater Nor­bert: Ich bin sehr dank­bar, dass ich die Gene­ral­sa­nie­rung die­ser bei­den Kir­chen mit­ge­stal­ten durf­te und vor allem auch, dass wir im Zeit- und Finanz­rah­men geblie­ben sind, eben­so bin ich für alle ein­ge­gan­ge­nen Spen­den und Unter­stüt­zun­gen dank­bar. Da bei­des Ordens­kir­chen sind, konn­ten wir Kapu­zi­ner das meis­te selbst ent­schei­den und es blie­ben uns kom­pli­zier­te und zeit­rau­ben­de Gre­mi­en­sit­zun­gen weit­ge­hend erspart. Auch bin ich gera­de bei der Kon­rad­kir­che unse­rem Land­rat sehr dank­bar, der uns bei den Beden­ken und Ein­wän­den des Denk­mal­am­tes sehr unter­stützt hat. Nach mei­ner Ein­schät­zung sind gut 90 % der Rück­mel­dun­gen zur Neu­ge­stal­tung der Kon­rad­kir­che posi­tiv, aber allen kann man es ja nie recht machen. Nun sind ja auch alle Mit­brü­der an St. Kon­rad ange­sie­delt und sie wer­den sehr bemüht sein, die­ses Got­tes­haus mit dem Grab unse­res hei­li­gen Mit­bru­ders mit Leben zu erfül­len und in sei­nem Sinn wei­ter am Gna­den­ort zu leben und zu wirken.

„Die Wallfahrt, das Unterwegssein an sich, bringt Glaubenserfahrungen mit sich“

2021 08 29 aoelfb pater norbert schlenker wallfahrer Foto: Roswitha Dorfner
In Kontakt mit den Wallfahrern: Regelmäßig hat Kapuzinerpater Norbert Schlenker in Altötting Wallfahrer-Gruppen einbegleitet und begrüßt.

Kaum sind die gro­ßen Bau­vor­ha­ben geschafft, müs­sen Sie sich nun von einem Klos­ter in Alt­öt­ting ver­ab­schie­den: St. Mag­da­le­na. Hier haben Anfang Sep­tem­ber die Brü­der Sama­ri­ter (FLUHM) über­nom­men. Schmerzt Sie der Man­gel an Ordens­nach­wuchs, der dem zugrun­de liegt?
Pater Nor­bert:
Zunächst ein­mal: es war wirk­lich an der Zeit, dass wir Kapu­zi­ner uns vom Mag­da­len­ak­los­ter getrennt haben. Als Mit­glied des Pro­vinz­ra­tes sehe ich nicht nur ein ein­zel­nes Klos­ter, son­dern habe die gesam­te Pro­vinz im Blick. Das Mag­da­len­ak­los­ter mit sei­nem gro­ßen Are­al hat­te einen hohen Per­so­nal- und Kos­ten­auf­wand. Wir schrei­ben hier schon seit lan­gen Jah­ren rote Zah­len, d.h. wir wur­den von der Pro­vinz finan­zi­ell unter­stützt. Und bei der Gesamt­si­tua­ti­on unse­rer Ordens­pro­vinz sind zwei Klös­ter an einem Ort ein no go“. Man­che Mit­brü­der, die schon lan­ge in Alt­öt­ting leben, sehen das viel­leicht etwas anders, aber wir Kapu­zi­ner müs­sen und möch­ten auf die Zei­chen der Zeit“ reagie­ren. Und dass wir uns von Nie­der­las­sun­gen tren­nen müs­sen – St. Mag­da­le­na wird nicht das letz­te Klos­ter gewe­sen sein – hat natür­lich mit der Über­al­te­rung und dem feh­len­den Nach­wuchs zu tun. Das ist schmerz­haft, aber wir kön­nen immer nur mit den Brü­dern arbei­ten, die wir haben und die ver­su­chen wir, ihren Bega­bun­gen und Fähig­kei­ten ent­spre­chend einzusetzen.

Nicht nur das Ordens­le­ben ver­än­dert sich, auch die Wall­fahrt hier am Gna­den­ort. Es kom­men weni­ger gro­ße Wall­fahr­ten, dafür mehr Indi­vi­du­al­pil­ger. Die Coro­na-Pan­de­mie hat zu einem dra­ma­ti­schen Ein­bruch geführt. Droht die Wall­fahrt zum Tou­ris­mus-Event zu wer­den? Wie lässt sich der reli­giö­se Cha­rak­ter erhal­ten und stär­ken?
Pater Nor­bert:
Die gro­ßen Wall­fahr­ten konn­ten coro­nabe­dingt jetzt schon im zwei­ten Jahr nicht statt­fin­den und ich den­ke, es wird noch eini­ge Zeit dau­ern, bis sie wie­der mög­lich sind und wenn sie wie­der kom­men dür­fen, wer­den sie zah­len­mä­ßig sicher klei­ner sein. Die­se gro­ßen Wall­fahr­ten haben ihr fes­tes Pro­gramm, das sich jedes Jahr wie­der­holt. Ihr Auf­ent­halt am Gna­den­ort ist zeit­lich meist knapp. Die Wall­fahrt, das Unter­wegs­sein an sich, bringt Glau­bens­er­fah­run­gen mit sich und so sind die­se unter­stüt­zens­wert und hier sehr will­kom­men. Eine ande­re Chan­ce haben Ein­zel­pil­ger oder klei­ne­re Grup­pen, die eher vor­ein­ge­nom­men hier­her­kom­men und dann auch Neu­es ent­de­cken – und es gibt in Alt­öt­ting soviel Sehens- und Besu­chens­wer­tes, das vie­le regel­mä­ßi­ge Alt­öt­ting-Wall­fah­rer längst noch nicht ken­nen. Über­all kann man wert­vol­le Impul­se bekom­men, sodass auch der­je­ni­ge, der nur“ als Tou­rist nach Alt­öt­ting kommt, mit katho­li­schem Glau­ben und christ­li­cher Kul­tur kon­fron­tiert wird. Gera­de seit der Coro­na­zeit machen wir auch bei den Beicht­ge­sprä­chen die Erfah­rung, dass es zwar weni­ger Beich­ten gibt, aber die meis­ten, die statt­fin­den, haben an Qua­li­tät gewon­nen. Das Bedürf­nis, sich aus­spre­chen zu kön­nen, ist da. und Ein­satz für Frie­den, Gerech­tig­keit und die Bewah­rung der Schöp­fung ent­spricht dem Evan­ge­li­um. Das wird immer jun­ge Men­schen inter­es­sie­ren und anspre­chen. Wie­vie­le von ihnen der Herr in sei­ne enge­re Nach­fol­ge und in sei­nen Dienst ruft, ist sei­ne Sache, wir dür­fen und sol­len aber in die­sem Anlie­gen beten.

„Ich durfte meinen Weg als Kapuziner und Priester eigentlich immer sehr geradlinig gehen und habe meine Entscheidung für diesen Weg nie bereut“

2021 08 29 aoelfb pater norbert schlenker interview Foto: Roswitha Dorfner
Ein gefragter Mann. Kapuzinerpater Norbert Schlenker bei einem Interview. In Altötting hatte er viele Aufgabenbereiche zu bewältigen und war stets ein guter Ansprechpartner für alle Fragen rund um Glaube, Wallfahrt, Altötting, etc.

Sie sind seit bald 50 Jah­ren Kapu­zi­ner – gab es Momen­te des Zwei­fels am gewähl­ten Glau­bens- und Lebens­weg? Was hat Sie bestärkt in all der Zeit?
Pater Nor­bert:
Ich durf­te – Gott sei Dank – mei­nen Weg als Kapu­zi­ner und Pries­ter eigent­lich immer sehr gerad­li­nig gehen und habe mei­ne Ent­schei­dung für die­sen Weg, die ich ja schon früh getrof­fen habe, nie bereut. Stär­kend und ermu­ti­gend erle­be ich die Gebets- und Got­tes­dienst­ge­mein­schaft sowohl im Kreis der Mit­brü­der wie auch mit den Gläu­bi­gen in der gro­ßen Viel­falt klei­ner Grup­pen in den Werk­tags­got­tes­diens­ten und bei den Sonn­tags- und Fest­got­tes­diens­ten. Gott, der beruft, gibt auch die Kraft dazu“, die­ses Wort des Bischofs bei mei­ner Pries­ter­wei­he ist mir in guter Erin­ne­rung und ich glau­be dar­an, dass der Hei­li­ge Geist in der gesam­ten Kir­che wie auch bei jeder und jedem ein­zel­nen wirkt, so auch bei mir.

Wenn Sie auf die Jah­re in Alt­öt­ting zurück­bli­cken: Wor­an erin­nern Sie sich beson­ders ger­ne, und wor­an viel­leicht weni­ger ger­ne (immer­hin ermit­tel­te 2018 die Staats­an­walt­schaft gegen Sie und Wall­fahrts­rek­tor Gün­ther Man­dl wegen der Gewäh­rung von Kir­chen­asyl für Flücht­lin­ge)?
Pater Nor­bert:
Ja, genau das war eine der nega­tivs­ten und ent­täu­schends­ten Erfah­run­gen in den knapp acht Jah­ren hier. Wir Kapu­zi­ner haben mit den Kir­chen­asy­lan­ten, die wir auf­ge­nom­men haben – und das waren ja eini­ge – durch­weg posi­ti­ve Erfah­run­gen gemacht. Unter­stüt­zung fan­den wir bei der Bis­tums­lei­tung und ande­ren kirch­li­chen Stel­len. Sehr pro­ble­ma­tisch sehe ich bis in neue­re Zeit die Hal­tung baye­ri­scher Poli­ti­ker, der Ver­wal­tung und der Juris­ten in der Flücht­lings­fra­ge. Men­schen, die zu uns kom­men und schreck­li­che Erfah­run­gen hin­ter sich haben, bekom­men statt Unter­stüt­zung wei­te­re Stei­ne in den Weg gelegt und die­je­ni­gen, die für Flücht­lin­ge Stel­lung bezie­hen, müs­sen mit Kon­se­quen­zen rech­nen.
Ich möch­te noch zwei wei­te­re Punk­te anspre­chen, die mir nicht in guter Erin­ne­rung an Alt­öt­ting blei­ben wer­den: da gibt es die rück­sichts­lo­sen Auto­fah­rer (oft mit AÖ-Kenn­zei­chen), die bei Ein­be­glei­tun­gen – manch­mal auch mit laut auf­ge­dreh­tem Radio – an der Pil­ger­grup­pe vor­bei­fah­ren, ande­re rau­schen ohne Beach­tung der Geschwin­dig­keits­be­gren­zung (Tem­po 10!) an unse­ren bei­den Klos­ter­kir­chen vor­bei. So etwas trägt nicht zu einer Will­kom­mens­kul­tur bei! Dann gibt es da die über­from­men“ Got­tes­dienst­be­su­cher, die sich z.B. nur vom Pries­ter und nicht von Kom­mu­ni­on­hel­fern die Kom­mu­ni­on rei­chen las­sen wol­len. Sol­che und eini­ge ähn­li­che Fröm­mig­keits­hal­tun­gen sind für mich nicht nach­voll­zieh­bar und schon gar nicht unter­stüt­zens­wert. Alles Extre­me ist pro­ble­ma­tisch, ich unter­stüt­ze immer den guten Mit­tel­weg.
Natür­lich gab es auch viel, viel Erfreu­li­ches, an das ich mich ger­ne zurück­er­in­nern wer­de. Es gab vie­le schö­ne Fes­te wie Jubi­lä­en, Pries­ter­wei­hen, Wall­fahr­ten und ande­re ordens­in­ter­ne und durch die Wall­fahrt beding­te Anläs­se, die ich vor­be­rei­ten und bei denen ich mit­wir­ken konn­te, aller­dings hat­te ich auch eine gan­ze Rei­he Mit­brü­der auf ihrem letz­ten Weg zum Fried­hof zu beglei­ten, aber auch da ist ja die öster­li­che Bot­schaft der Auf­er­ste­hung und des neu­en Lebens zu ver­kün­den. Dann wird mir die sehr gute Zusam­men­ar­beit in der Wall­fahrts­lei­tung und in der Kus­to­die in bes­ter Erin­ne­rung blei­ben. Die Unter­stüt­zung durch ehren­amt­lich Mit­wir­ken­de habe ich sehr geschätzt, wobei die meis­ten hier auch schon vor­ge­rück­te­ren Alters sind und wenig Nach­wuchs in Sicht ist. Wir haben eine hoch­qua­li­fi­zier­te Kir­chen­mu­sik hier in Alt­öt­ting, wobei ich mir dabei eine noch grö­ße­re Viel­falt wün­schen wür­de. Alles in allem waren die Jah­re in Alt­öt­ting für mich erfreu­lich und reich gefüllt.

„Altötting hat mit dem Anspruch größter deutscher Wallfahrtsort und bayerisches Nationalheiligtum zu sein, ein Alleinstellungsmerkmal“

2021 08 29 aoelfb pater norbert schlenker mariae himmelfahrt Foto: Roswitha Dorfner
Zelebrant und Prediger: Kapuzinerpater Norbert Schlenker bei der Lichterprozession am Vortag zu Mariae Himmelfahrt in Altötting. Für seine klaren Ansprachen und sehr fundierten Predigten ist Pater Norbert bekannt.

Ab März 2022 über­neh­men Sie nach einem der größ­ten Kapu­zi­ner­kon­ven­te die Lei­tung der klei­nen Gemein­schaft mit nur vier Brü­dern im müns­ter­län­di­schen Wer­ne. Freu­en Sie sich auf die Ruhe nach den anstren­gen­den Lei­tungs­jah­ren in Alt­öt­ting und dar­auf, noch stär­ker seel­sor­ge­risch tätig sein zu kön­nen?
Pater Nor­bert:
Ich hat­te schon län­ger im Blick, dass eine Ver­än­de­rung für mich ansteht, da ich grund­sätz­lich der Mei­nung bin, dass – zumin­dest bei uns Kapu­zi­nern – wenn ein Obe­ren­amt endet, dies mit einem Orts­wech­sel ver­bun­den sein soll­te. Und da ich nun ja auch schon im Ren­ten­al­ter“ bin, das es bei den Kapu­zi­nern aber nicht gibt, ist eine klei­ne­re Auf­ga­be genau das rich­ti­ge für mich nach den lan­gen Jah­ren grö­ße­rer Ver­ant­wor­tung. Die Mit­brü­der, mit denen ich in Wer­ne zusam­men sein wer­de, ken­ne ich, und was dann an Auf­ga­ben ansteht, las­se ich auf mich zukom­men. Es ist für mich durch­aus reiz­voll, noch­mals etwas Neu­es anzu­fan­gen und ich bin da, solan­ge die Gesund­heit mit­macht, noch ger­ne zur Ver­fü­gung. Zunächst freue ich mich aber auf mei­ne Sab­bat­zeit“, in der ich, so hof­fe ich, etwas aus­span­nen, mich bewe­gen und vor allem viel lesen kann – da habe ich vie­les nachzuholen.

Was macht Alt­öt­ting so beson­ders – und was wer­den Sie viel­leicht beson­ders ver­mis­sen?
Pater Nor­bert:
Ja, Alt­öt­ting hat mit dem Anspruch größ­ter deut­scher Wall­fahrts­ort und baye­ri­sches Natio­nal­hei­lig­tum zu sein, schon ein Allein­stel­lungs­merk­mal. Um dies zu erhal­ten und zu för­dern, braucht es Ver­ant­wort­li­che und vie­le Mit­wir­ken­de, die sich hier im Sinn und Geist des Evan­ge­li­ums enga­gie­ren zur Ehre Got­tes und in der Ver­eh­rung der Gna­den­mut­ter und des hl. Bru­der Kon­rad und zum Wohl und Segen der Men­schen, die hier leben oder als Wall­fah­rer und Pil­ger hier­her kom­men. Dass es immer sol­che Men­schen gibt, wün­sche ich Alt­öt­ting von Her­zen. Ob und was ist ver­mis­sen wer­de? Das wer­de ich erst wis­sen, wenn ich ent­spre­chen­des mer­ke. Jetzt ist Zeit des Abschied­neh­mens mit dem Blick zurück, aber auch nach vor­ne. Und noch wich­ti­ger ist mir: immer im Heu­te leben!

Inter­view: Wolf­gang Ter­hörst, Fotos: Ros­wi­tha Dorfner

Der Wechsel als Konstante – Für Kapuziner gehören Neuanfänge zum Ordensleben

Bru­der Nor­bert Schlen­ker (66), gebo­ren in Karls­ru­he, ist seit 48 Jah­ren Kapu­zi­ner und seit 41 Jah­ren Pries­ter. Nach Sta­tio­nen in Offen­burg, Zell am Har­mers­bach, Deggin­gen und Frank­furt am Main dien­te er seit dem 1. Janu­ar 2014 als Guar­di­an des Alt­öt­tin­ger Kapu­zi­ner­kon­vents St. Mag­da­le­na und als stell­ver­tre­ten­der Wall­fahrts­rek­tor (Kus­tos) – am 1. Novem­ber 2016 über­nahm er zusätz­lich die Lei­tung des Kon­vents St. Kon­rad. Seit 2016 ist er zudem 3. Pro­vinz­rat. Nach einer Sab­bat­zeit ab 1. Sep­tem­ber wech­selt P. Nor­bert als Guar­di­an und Seel­sor­ger ins west­fä­li­sche Kapu­zi­ner­klos­ter Wer­ne. Am 31. August hat er das Amt des Guar­di­ans und des stellv. Wall­fahrts­rek­tors an Br. Mari­nus Par­zin­ger über­ge­ben, der nach dem Pro­vinz­ka­pi­tel 2013 sei­ner­zeit als Pro­vin­zi­al Br. Nor­bert nach Alt­öt­ting beru­fen und ver­setzt hat­te. Zum 1. Sep­tem­ber ende­te auch der Dienst von Br. Sunil Kach­ap­pal­ly als Haus­vi­kar von St. Mag­da­le­na. Neu­er Vikar im Kon­rad­klos­ter wird Br. Alex­an­der Madathil.

Br. Nor­bert und Br. Ernst-Kon­rad wer­den sich am Sams­tag, 2. Okto­ber um 19 Uhr in der Vor­abend­mes­se in der Basi­li­ka von Alt­öt­ting ver­ab­schie­den; am Sonn­tag, 3. Okto­ber um 15 Uhr – eben­falls in der Basi­li­ka – wird Bischof Ste­fan Oster die Kapu­zi­ner aus dem Mag­da­len­ak­los­ter ver­ab­schie­den, in dem sie 147 Jah­re gelebt und gewirkt haben.