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Wallfahrten

Sieben Geschwister radeln zur Madonna – Zusammen sind die Lemperles 555 Jahre alt

Redaktion am 27.08.2021

2021 08 27 aoelfb wallfahrt geschwister lemperle Foto: Stephan Hölzlwimmer
Sich dem Alter nach aufzustellen, ist für die Geschwister nichts Ungewöhnliches: Schon seit Kindheitstagen sind sie das gewohnt. Im Bild zu sehen sind (v.li.) die sieben Lemperles: Gottfried (84), Vroni (83), Cordula (81), Angelika (79), Lydia (78), Regina (76) und Maria-Leonore (74).

Pilgern mit dem Fahrrad ist nicht ungewöhnlich, im Gegenteil, es liegt im Trend. Sehr wohl ungewöhnlich ist es aber, wenn sich sieben Geschwister gemeinsam auf den Weg machen – und das jüngste von ihnen schon 74 Jahre alt ist.

In genau die­ser Kom­bi­na­ti­on hat nun eine Radl­wall­fahrt ein schö­nes Ende genom­men: Nach drei Tagen und über 100 Kilo­me­tern kamen die Lem­per­les am 19. August am Kapell­platz in Alt­öt­ting an.

Dass eini­ge der Geschwis­ter, die erst in Biber­ach und dann nahe Stutt­gart auf­ge­wach­sen sind, ehe es sie in wei­te Tei­le Deutsch­lands und sogar nach Däne­mark und in die USA ver­schla­gen hat, gemein­sam pil­gern, hat Tra­di­ti­on. Pre­mie­re hat­ten sie im Jahr 2000. Als eine Toch­ter von Regi­na, der zweit­jüngs­ten Schwes­ter, schwer erkrank­te, gelob­te die Mut­ter, zu Fuß von Mün­chen nach Alt­öt­ting zu gehen. Dar­aus wur­de zwar nichts, wohl aber mach­te sie sich mit dem Rad auf den Weg, beglei­tet von meh­re­ren Schwes­tern und eini­gen Cou­si­nen, die selbst Gebets­an­lie­gen hat­ten. Seit­her haben sie das in unter­schied­li­cher Beset­zung Jahr für Jahr wie­der­holt, jeweils mit wech­seln­den Aus­gangs­punk­ten. Mal star­te­ten sie in Salz­burg, mal in Deg­gen­dorf, mal in Linz, mal in Rosen­heim, mal in See­on. Heu­er war Pas­sau an der Reihe.

Das Beson­de­re: Erst­mals waren alle sie­ben mit von der Par­tie. Der ein­zi­ge Bru­der, Gott­fried, hat­te Radl­pil­ger­pre­mie­re und war dafür eigens aus Frank­furt ange­reist. Dass er sich Zeit neh­men konn­te, ist so selbst­ver­ständ­lich nicht: Gott­fried Lem­per­le ist Grün­der des Inter­plast-Ger­ma­ny e.V., einer Hilfs­or­ga­ni­sa­ti­on für Plas­ti­sche Chir­ur­gie, die unter ande­rem Kran­ken­häu­ser im Kon­go und in Nepal auf­ge­baut hat. Noch heu­te ist er stark ein­ge­spannt. Lydia reis­te erneut aus Flo­ri­da an, und die Jüngs­te, Maria-Leo­no­re, aus Kopen­ha­gen. Dass sich alle Zeit neh­men konn­ten, dafür sind wir dank­bar, es ist ja nicht sicher, dass es noch ein­mal klappt“, sagt Maria-Leo­no­re mit Blick auf das Alter.

Dass Abste­cher ein­ge­legt wer­den, das ist bei den Geschwis­ter-Tou­ren üblich. Der Grund: Eine von ihnen, Cor­du­la Böhm, ist Kunst­his­to­ri­ke­rin. Als sol­che ist sie unter ande­rem mit­ver­ant­wort­lich für das Aka­de­mie­pro­jekt Cor­pus der baro­cken Decken­ma­le­rei“, spe­zi­ell den Land­kreis Alt­öt­ting hat sie betreut, aber auch die umlie­gen­den Gegen­den. Zu so gut wie jeder Kir­che und zu jedem Hei­li­gen weiß sie etwas. Dass sie ihre Geschwis­ter ent­spre­chend führt, das ist eine Selbst­ver­ständ­lich­keit. Dass der Geschwis­ter-Chor in jedem Got­tes­haus einen Kanon anstimmt, das auch.

2021 08 27 aoelfb wallfahrt geschwister lemperle votivbild Foto: Stephan Hölzlwimmer
Eine Bittwallfahrt für ihre erkrankte Halbschwester unternahmen fünf Schwestern der Lemperles mit zwei Cousinen 2015. Daran erinnert eine Votivtafel im Umgang der Gnadenkapelle.

Auch in Alt­öt­ting stand nach der Ankunft am Don­ners­tag noch ein sol­cher geführ­ter Abste­cher an, zur Stift­s­pfarr­kir­che. Zu einer Votiv­ta­fel gleich gegen­über, im Umgang der Gna­den­ka­pel­le, brauch­ten die Geschwis­ter hin­ge­gen kei­ne Erklä­rung: Die­se zeigt fünf der Lem­per­le-Schwes­tern und zwei ihrer Cou­si­nen. Die Tafel hat­ten sie gestif­tet, nach­dem sie eine Bitt­wall­fahrt für ihre an einem Tumor erkrank­te Halb­schwes­ter zur Alt­öt­tin­ger Madon­na unter­nom­men hatten.

Die­ses Mal hat­ten die Lem­per­les im Übri­gen kein Gebets­an­lie­gen, allen in der Fami­lie geht es gut – was durch­aus etwas hei­ßen will bei sage und schrei­be 28 Kin­dern und 58 Enkel­kin­dern. So konn­ten sie unbe­schwert nach Alt­öt­ting radeln und von dort wei­ter nach Baum­burg, ehe sie sich wie­der in alle Him­mels­rich­tun­gen zerstreuten.

Text und Fotos: Ste­phan Hölzlwimmer