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„Wir brauchen neue Ansätze“ – Interview mit Altöttings Kaplan Michael Osterholzer zur Erstkommunion 2020

Michael Glaß am 05.10.2020

2020 10 05 aoelfb kaplan michael osterholzer kinder gottesdienst info-icon-20px Foto: Roswitha Dorfner
Kaplan Michael Osterholzer mit Kindern beim Gottesdienst in der Altöttinger Stiftspfarrkirche.

Corona wirbelt auch die Erstkommunionplanung durcheinander. Der Altöttinger Kaplan Michael Osterholzer kann davon ein Lied singen. Es hat viele positive Strophen – aber auch einige sorgenvolle, insbesondere wenn der junge Geistliche auf die Zukunft der Erstkommunionvorbereitung blickt.

Herr Kaplan, Sie sind im Pfarr­ver­band Alt­öt­ting unter ande­rem für die Erst­kom­mu­ni­on­vor­be­rei­tung zustän­dig. 2020 lief alles wie geplant an – doch dann kam Coro­na. Was waren die deut­lichs­ten Ein­schrän­kun­gen?
Kaplan Oster­hol­zer:
Als im März der Lock­down kam, waren die Vor­be­rei­tun­gen auf die Erst­kom­mu­ni­on im vol­len Gan­ge. Natür­lich muss­te dann die gan­ze Vor­be­rei­tung ruhen, Schul­un­ter­richt, Weg­got­tes­diens­te und die Tref­fen in den Tisch­grup­pen konn­ten nicht abge­hal­ten wer­den. Das Ver­bot, sich zu tref­fen, schränk­te eine wei­te­re Vor­be­rei­tung lei­der nicht nur ein, son­dern mach­te sie für den Moment unmöglich.

Die Arbeit mit Kin­dern lebt von der Nähe, vom Zeug­nis und davon, dass der Fun­ke über­springt“. Wie konn­ten Sie die Kin­der trotz Pan­de­mie-Ver­bo­ten und Abstands­ge­bo­ten bei der Stan­ge hal­ten und für das The­ma inter­es­sie­ren?
Kaplan Oster­hol­zer:
Ich habe vom Palm­sonn­tag bis Pfings­ten jede Woche ein klei­nes Kin­der­heft mit den Tex­ten des jewei­li­gen Sonn- oder Fest­tags zusam­men­ge­stellt und über alle mög­li­chen Kanä­le online ver­teilt. Das Heft ent­hielt Rät­sel, Wis­sens­wer­tes, Bas­tel­an­lei­tun­gen, klei­ne Aktio­nen und jeweils einen kur­zen Brief an die Eltern und an die Kin­der, so habe ich ver­sucht, so vie­le Kin­der, wie mög­lich zu errei­chen. Zu Ostern habe ich ver­sucht, die Erst­kom­mu­ni­on­kin­der tele­fo­nisch zu errei­chen, außer­dem habe ich ange­bo­ten, die Sonn­tags­blät­ter, die es immer am Sonn­tag für die Kin­der gibt, nach Hau­se zu brin­gen. Vom Bis­tum kamen zudem immer wie­der schö­ne Vor­schlä­ge für Andach­ten im Fami­li­en­kreis, die­se habe ich an die Tisch­müt­ter weitergegeben.

Wie klappt die Zusam­men­ar­beit mit den Tisch­müt­tern (und ‑vätern?), was wün­schen Sie sich jetzt und in Zukunft?
Kaplan Oster­hol­zer:
Die Zusam­men­ar­beit mit den Tisch­el­tern funk­tio­niert gut, auch wenn wir natür­lich in kei­ner Wei­se auf Coro­na vor­be­rei­tet waren, waren wir immer wie­der in Kon­takt. Für die Zukunft den­ke ich, wird es immer wich­ti­ger wer­den, auch online hand­lungs­fä­hig zu sein.

2020 10 05 aoelfb erstkommunion altoetting 2020 vorbereitung info-icon-20px Foto: Roswitha Dorfner
Kaplan Michael Osterholzer liegt das (Glaubens-)Wohl der (Kommunion-)Kinder am Herzen – er betrachtet sie als einen "Schatz für unsere Gemeinde".

Im Juli hat die Pfar­rei Unter­holz­hau­sen in klei­nem Rah­men Erst­kom­mu­ni­on im Frei­en gefei­ert, St. Josef dann in der Kir­che. Wie lau­tet ihr Fazit und was ist für die gro­ße Pfar­rei St. Phil­ip­pus und Jako­bus geplant?
Kaplan Oster­hol­zer:
In Unter­holz­hau­sen gestal­te­te sich die Pla­nung ein­fa­cher, da es wesent­lich weni­ger Erst­kom­mu­ni­on­kin­der waren. Wir hoff­ten auf gutes Wet­ter und wur­den von Petrus nicht ent­täuscht! Bei Kai­ser­wet­ter konn­ten wir die Hl. Kom­mu­ni­on für vier Kin­der im Frei­en vor der Pfarr­kir­che fei­ern, was natür­lich Vie­les erleich­tert hat. Die Unter­holz­hau­se­ner Pfarr­kir­che hat coro­nabe­dingt momen­tan nur gut 20 Sitz­plät­ze, am Vor­platz der Kir­che konn­ten wir doch mit etwa 70 Per­so­nen fei­ern. So konn­te die Gemein­de, aber auch die Fami­li­en dabei sein. Ich habe die­se Fei­er als außer­ge­wöhn­lich und wirk­lich schön emp­fun­den und ich den­ke, dass die­se beson­de­re Erst­kom­mu­ni­on den Kin­dern, der gan­zen Pfar­rei und mir noch lan­ge in Erin­ne­rung blei­ben wird. Die Erst­kom­mu­ni­on in St. Josef hat eben­falls noch im Juli statt­ge­fun­den, die Grö­ße der Pfarr­kir­che St. Josef erleich­ter­te hier die Pla­nung.
Für St. Phil­ip­pus und Jako­bus wur­de die Erst­kom­mu­ni­on auf den 11. Okto­ber ver­legt, da es im Juli durch die ande­ren bei­den Erst­kom­mu­nio­nen und die Ver­ab­schie­dung von Prä­lat Man­dl zu Ter­min­kol­li­sio­nen gekom­men wäre. Wir haben die Vor­be­rei­tung mit dem neu­en Schul­jahr wie­der auf­ge­nom­men und die Kom­mu­ni­on­kin­der in zwei Grup­pen auf­ge­teilt – alle Ter­mi­ne fin­den jetzt kur­zer­hand zwei­mal statt. Auch am Tag der Erst­kom­mu­ni­on selbst fin­den zwei Got­tes­diens­te statt, ein­mal um 9:00 Uhr und ein­mal um 10:30 Uhr. So kön­nen wir alle Coro­na-Regeln ein­hal­ten und gleich­zei­tig gewähr­leis­ten, dass so vie­le Ange­hö­ri­ge wie mög­lich in der Pfarr­kir­che Platz fin­den. Musi­ka­lisch gestal­tet wird die Erst­kom­mu­ni­on von der Musik­werk­statt Autingas“.

"Mir persönlich gibt ganz besonders der Rosenkranz viel Kraft"

Das Bis­tum Pas­sau hat Begleit­ma­te­ria­li­en für Eltern bereit­ge­stellt und Sie sind mit selbst ent­wor­fe­nen und gebas­tel­ten Begleit-Heft­chen krea­tiv gewor­den. Wel­che Pfei­le hat­ten Sie noch im Köcher?
Kaplan Oster­hol­zer:
Wir haben mit der Vor­be­rei­tung dort wie­der begon­nen, wo sie im März unter­bro­chen wur­de, so holen wir die Weg­got­tes­diens­te und die Erst­beich­te nach. Zusätz­lich dazu gibt es noch einen Nach­mit­tag zur Vor­be­rei­tung. Dank der guten Zusam­men­ar­beit mit der Grund­schu­le kön­nen wir auch in den jetzt vier­ten Klas­sen wenigs­tens einen gro­ßen Teil der Erst­kom­mu­ni­on­vor­be­rei­tung noch durch­füh­ren. Das Pfarr­team hilft bei der momen­ta­nen Vor­be­rei­tung sehr gut zusam­men, allein wäre das nicht mehr stemm­bar, da auch das übli­che Pfarr­le­ben wei­ter­geht, so unter­rich­te ich z.B. auch schon die Erst­kom­mu­ni­on­kin­der 2021.

Ganz grund­sätz­lich und unab­hän­gig von Coro­na: Wor­auf soll­te in der Erst­kom­mu­ni­on­vor­be­rei­tung nach Ihrer Erfah­rung und Mei­nung mehr Wert gelegt wer­den, wor­auf viel­leicht weni­ger?
Kaplan Oster­hol­zer: Für die Zukunft müs­sen wir noch stär­ker in den Blick neh­men, dass wir immer weni­ger Kin­der (und mit ihnen auch die Eltern) auf die Erst­kom­mu­ni­on vor­be­rei­ten, die kirch­lich sozia­li­siert sind. Dazu braucht es neue For­men und Ansät­ze, um die christ­li­che Bot­schaft und spe­zi­ell den Sinn­ge­halt die­ses gro­ßen Fes­tes zu ver­deut­li­chen und den Fami­li­en nahe zu brin­gen. Natür­lich soll der Tag der Erst­kom­mu­ni­on ein schö­nes Fest sein und blei­ben. Zen­tral ist aller­dings der Inhalt und die damit trans­por­tier­te Bot­schaft, weni­ger die Form.

Zum Schluss: Wor­aus zie­hen Sie in der oft genug mühe­vol­len Arbeit“ der Glau­bens­ver­mitt­lung per­sön­lich Kraft?
Kaplan Oster­hol­zer:
Mir per­sön­lich gibt ganz beson­ders der Rosen­kranz viel Kraft. Immer wenn ich ihn bete, sei es pri­vat, oder in Gemein­schaft, kom­me ich zur Ruhe. Dane­ben bin ich oft mit mei­nen Mit­brü­dern in Kon­takt, der gemein­sa­me Aus­tausch gibt neue Kraft und Mut, außer­dem wer­den auch die ver­schie­dens­ten Ideen aus­ge­tauscht, die oft Anre­gung für die eige­ne Arbeit in der Glau­bens­ver­mitt­lung sind.

Inter­view: Wolf­gang Ter­hörst, Fotos: Ros­wi­tha Dorfner