
„Vergebung als Basis für Erneuerung und Erlösung“ war Thema der ersten von insgesamt vier Altöttinger Fastenpredigten in der Stiftspfarrkirche am 25. Februar. Stadtpfarrer Prälat Dr. Klaus Metzl begrüßte als Hauptzelebrant und Prediger den Pfarrvikar aus Postmünster, Rupert Wimmer – ein gebürtiger Altöttinger.
Der Fastenprediger sprach über das Evangelium „Über die Pflicht zur Vergebung“ (Mt 18,21−35), über die Vorteile des Vergessens, über einen sehr bewegenden Moment in einem Trauergespräch – und über einen „unsichtbaren Rucksack“.
Eigentlich sind wir bereits erlöst, wie Pfarrvikar Wimmer feststellte: „Diese Erlösung besingen wir in der Osternacht im Exultet: Er hat den Schuldbrief ausgelöscht mit seinem Blut. So kommt es von Gott auf uns zu.“ Und eigentlich ist Gott barmherzig. „Das ist die Basis unseres Glaubens“, betonte der Prediger. Nur leider sei der Mensch ähnlich wie der Knecht im Gleichnis im Evangelium: der Knecht, dem der König aus Barmherzigkeit umgerechnet einen „Milliarden-Betrag“ erlassen hat, ist unbarmherzig gegenüber einen Mitknecht – und muss schließlich dafür büßen. Pfarrvikar Wimmer resümierte: Der Mensch könne Gottes Barmherzigkeit „kaputt machen: weil er a) nicht vergisst, was der andere ihm schuldet, und b) weil er sehr wohl vergisst, was ihm erlassen worden ist.“

Dabei ist das „Vergessen können“ durchaus eine positive Eigenschaft, wie der Prediger erklärte. Er berichtete über ein persönliches Erlebnis und resümierte: „Weil ich vergessen konnte, konnte ich versöhnt leben, freier beten, glaubwürdiger Gottesdienst feiern. Es wäre gut, wenn Menschen öfter vergessen könnten.“ Allgemein stellte er fest: „Wir alle wären nicht hier, wenn uns nichts erlassen worden wäre, nämlich von unseren Eltern. Egal ob die jetzt gute Eltern waren oder schlechte – sie haben es ermöglicht, dass wir leben. Wir haben nie etwas ausgleichen oder zurückzahlen müssen.“ Außerdem: „Uns ist bereits vieles vergeben: von Menschen und von Gott. Dieser Gedanke soll uns helfen, zu vergeben.“
Symbolisch sprach Pfarrvikar Wimmer von einem „unsichtbaren Rucksack“: „Viele tragen ihn: es ist der Rucksack der Schuld. Er hat Stacheln an den Trägern und ist eine echte Folter: Wenn jemand sagt ‚ich verzeihe dir nicht‘, dann tragen ihn beide. Jesus will uns helfen, diesen unsichtbaren Rucksack abzulegen. Einen Schlussstrich zu ziehen. Neu auf zu leben.“
Schließlich erzählte er von einem Trauergespräch, in dessen Verlauf ein Mann, der gerade seine Frau bei einem Unfall verloren hatte, dem anderen Umfall-Beteiligten am Telefon vergab. „Das war ein großer Augenblick“, erzählte der Prediger: „Er hat natürlich nicht vergessen, aber vergeben. Es war eine Erlösung für alle Beteiligten. Auch für mich.“

Im Anschluss an den Abendgottesdienst mit Pfarrvikar Rupert Wimmer, den Konzelebranten Stadtpfarrer Prälat Dr. Klaus Metzl, P. Gabriel Hüger von der Gemeinschaft der Brüder Samariter (FLUHM) und Kaplan Michael Osterholzer wurde das Gnadenbild vom Stadtpfarrer in die Gnadenkapelle rückübertragen. Prälat Metzl übergab an den Fastenprediger eine Kerze mit Gnadenbild-Motiv und betonte die langjährige freundschaftliche Verbundenheit mit Rupert Wimmer, bei dem er auch Primizprediger war. Mit Pfarrer Franz Haringer und Jugendpfarrer Wolfgang de Jong kündigte er noch zwei weitere gebürtige Altöttinger als Fastenprediger an. Die zweite Fastenpredigt wird jedoch erst einmal der Passauer Regens Martin Dengler in der Stiftspfarrkirche am 4. März halten und über „Berufung im Zeichen der Erneuerung in Jesus Christus“ sprechen.
Text: Michael Glaß, Fotos: Roswitha Dorfner