Bruder Konrad: Vom „Venushof-Hansl“ zum Patron und Fürsprecher

Michael Glaß am 23.06.2020

2020 06 22 aoelfb stkonradkloster altoetting votivtafeln bruder konrad Foto: Ernst Deubelli
Bruder Konrad hat geholfen: Zahlreiche Votivbilder im Gang neben der Bruder-Konrad-Kirche künden von erfüllten Fürbitten gläubiger Menschen, die sich in ihrer Not an den heiligen wandten.

„Vom Venushof-Hansl müssen wir das Beten lernen“, sagte man in Parzham bei Bad Griesbach im niederbayerischen Rottal schon zu Lebzeiten über Johann Birndorfer, den späteren Heiligen Bruder Konrad. Und: „Wenn der kein Heiliger wird, wird es niemand.“ Vor 90 Jahren, am 15. Juni 1930, unternahm die katholische Kirche den ersten Schritt in diese Richtung. In einem festlichen Gottesdienst in Rom mit Papst Pius XI. wurde Bruder Konrad seliggesprochen, vier Jahre später, am 20. Mai 1934, dem Pfingstsonntag, folgte die Heiligsprechung durch denselben Papst.

2020 06 22 aoelfb stkonradkloster statue bruder konrad Foto: Ernst Deubelli
Statue des heiligen Bruder Konrad im St. Konradkloster Altötting.

Bereits am Tag nach der Ein­wei­hung der Basi­li­ka in Alt­öt­ting, am 14. Okto­ber 1912, steht Br. Kon­rad im Mit­tel­punkt des kirch­li­chen Gesche­hens in Alt­öt­ting. Sei­ne Gebei­ne wer­den aus der Gruft erho­ben. Sie befin­den sich heu­te in einer Metall­fi­gur in der Kir­che am Klos­ter; das Haupt ruht davor und ist mit Sei­de umhüllt. Die Holz-Wachs­fi­gur, die bis 1967 die Gebei­ne des Hei­li­gen auf­ge­nom­men hat­te, befin­det sich in der Bru­der-Kon­rad-Schatz­kam­mer des Klos­ters, die zum Bru­der-Kon­rad­fest im Jahr 2009 ein­ge­rich­tet wurde.

Der knapp neun­mo­na­ti­ge bischöf­li­che Selig­spre­chungs­pro­zess mit der Befra­gung der Zeu­gen hat­te bereits am 21. April 1914 begon­nen. Der zehn­mo­na­ti­ge päpst­li­che Pro­zess wird 1925 durch­ge­führt. Nach der Aner­ken­nung von zwei Wun­dern erfolgt dann am 15. Juni 1930 die Selig­spre­chung. In Alt­öt­ting war die­se Selig­spre­chung zwei­mal im Jahr 1930 Anlass zu gro­ßen Fest­lich­kei­ten. Alt­öt­ting rüs­tet sich zu einem sei­ner größ­ten Tage sei­ner tau­send­jäh­ri­gen Geschich­te. Alt­öt­tings Name wird heu­te hin­aus­ge­tra­gen in die gan­ze wei­te Welt durch den demü­ti­gen stil­len Pfört­ner von Alt­öt­ting“, freu­te sich am 15. Juni 1930 in einer Sonn­tags­aus­ga­be die Hei­mat­zei­tung Oet­tin­ger Anzei­ger. Der Alt­öt­tin­ger Lieb­fau­en­bo­te“ brach­te ein Fest­blatt zum Tage sei­ner Selig­spre­chung“ und berich­te­te in meh­re­ren Aus­ga­ben ausführlich.

Par­al­lel zum Got­tes­dienst im Peters­dom in Rom zele­brier­te in Alt­öt­ting der dama­li­ge Abt von Sche­yern, Simon Land­ers­dor­fer, mit zahl­rei­chen kirch­li­chen Wür­den­trä­gen, Alt­öt­tin­gern und Pil­gern aus ganz Bay­ern ein Pon­ti­fi­kal­amt. In der Selig­spre­chung in Rom nah­men als Ver­tre­ter Bay­erns eben­falls zahl­rei­che Pil­ger und Kar­di­nal Micha­el Faul­ha­ber aus Mün­chen teil.

2020 06 22 aoelfb stkonradkirche altoetting bruder konrad schrein Foto: Ernst Deubelli
Glasschrein des heiligen Bruder Konrad in der St. Konradkirche Altötting.

Der Zele­brant des Alt­öt­tin­ger Fest­got­tes­diens­tes, Simon Land­ers­dor­fer, wur­de 1936 durch Papst Pius XI. zum Bischof des Bis­tums Pas­sau ernannt; er emp­fing am 28. Okto­ber 1936 im Pas­sau­er Dom durch Kar­di­nal Faul­ha­ber die Bischofs­wei­he. Aus Ver­eh­rung für den 1930 selig‑, und 1934 hei­lig­ge­spro­che­nen Bru­der Kon­rad von Par­zham nahm Bischof Land­ers­dor­fer zusätz­lich des­sen Namen an. Bru­der Kon­rad ist nicht nur drit­ter Patron des Bis­tums Pas­sau, son­dern wird auch als Hel­fer in allen Nöten ver­ehrt und angerufen.

Eine Selig­spre­chung oder Bea­ti­fi­ka­ti­on (v. latei­nisch bea­tus selig“, glück­lich“, face­re machen“, tun“) ist in der römisch-katho­li­schen Kir­che ein kir­chen­recht­li­ches Ver­fah­ren, bei des­sen Abschluss der Papst nach ent­spre­chen­der Prü­fung erklärt, dass ein Ver­stor­be­ner als Seli­ger bezeich­net wer­den und als sol­cher öffent­lich ver­ehrt wer­den darf. Vor­aus­set­zung sind ent­we­der das Mar­ty­ri­um oder ein heroi­scher Tugend­grad und – im Fal­le, dass es sich nicht um einen Mär­ty­rer han­delt – der Nach­weis eines Wun­ders, das auf die Anru­fung des Seli­gen und des­sen Für­spra­che bei Gott bewirkt wur­de. Im Unter­schied zur Hei­lig­spre­chung wird bei der Selig­spre­chung nur die Ver­eh­rung durch die Orts­kir­che gestattet.

Noch ein zwei­tes Mal im Jahr 1930, in den Tagen vom 23. August bis zum Sams­tag, 6. Sep­tem­ber, stan­den im Wall­fahrts­ort Alt­öt­ting gro­ße Fei­er­lich­kei­ten zu Ehren des Selig­ge­spro­che­nen aus dem hie­si­gen Kapu­zi­ner­klos­ter mit Reli­qui­en­pro­zes­si­on an.

Wolfgang Krinninger Buchvorstellung
Bistum
22.06.2020

Zwischen Gras und Wolken

Wolfgang Krinninger – Breitenberger Autor, zugleich Chefredakteur des Bistumsblattes, Mann, Vater und…

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Bauer, Wallfahrer, Heiliger

2020 06 22 aoelfb venushof parzham Foto: Venushof, August Dunkl
Blick auf das Geburtshaus des Johann Birndorfer (heiliger Bruder Konrad) in Parzham.
2020 06 22 aoelfb venushof parzham im geburtshaus Foto: Ernst Deubelli
Ein Besuch im Geburtshaus des heiligen Bruder Konrad (Johann Birndorfer) in Parzham gewährt zugleich Einblick in das Leben einer Großbauernfamilie im späten 18. Und frühen 19. Jahrhundert.

Der spä­te­re Hei­li­ge, Johan­nes Birn­dor­fer wur­de am 22. Dezem­ber 1818 auf dem Venus-Hof“ in Par­zham, weni­ge Kilo­me­ter von Gries­bach ent­fernt, gebo­ren. Er war das elf­te von zwölf Kin­dern des Bau­ern Bar­tho­lo­mä­us Birn­dor­fer und sei­ner Frau Ger­tru­de Nie­der­may­er. Er arbei­te­te zunächst als Knecht auf dem elter­li­chen Hof im Rot­tal, den er über­neh­men soll­te, fühl­te sich aber von Kind­heit an zu Gott hingezogen.

Schon in sei­ner Jugend unter­nahm Hans Birn­dor­fer vie­le Wall­fahr­ten – etwa nach Pas­sau-Maria­hilf oder nach Aigen am Inn. In Aigen leb­te auch der Bene­fi­zi­at Dul­lin­ger, sein Beicht­va­ter, der ihm den Weg nach Alt­öt­ting ins Klos­ter wies.

Die end­gül­ti­ge Sicher­heit über sei­nen wei­te­ren Lebens­weg bekam Hans Birn­dor­fer bei einer Pre­digt, die er in der Wall­fahrts­kir­che St. Anna bei Ering am Inn hör­te. Er über­gab sei­nen Geschwis­tern den Hof und trat 1849 in den Kapu­zi­ner­or­den im dama­li­gen Klos­ter St. Anna in Alt­öt­ting ein. Eigent­lich woll­te er den Ordens­na­men Fran­zis­kus anneh­men – aus Ver­eh­rung für den Hei­li­gen. Weil aber gera­de ein Mönch namens Kon­rad ver­stor­ben war, bekam er die­sen Namen.

2020 06 22 aoelfb stkonradkloster altoetting Foto: Roswitha Dorfner
Blick auf die St. Konradkirche Altötting.
2020 06 22 aoelfb stkonradkirche altoetting Foto: Roswitha Dorfner
Blick in die St. Konradkirche Altötting.

Seit 1961 trägt das Klos­ter den Namen des Hei­li­gen aus Alt­bay­ern. Dort ver­sah er von 1852 an 41 Jah­re lang den Dienst eines Pfört­ners. Da den Kapu­zi­nern die Betreu­ung der Wall­fah­rer in Alt­öt­ting oblag, war dies eine äußerst arbeits­in­ten­si­ve Auf­ga­be. Er zeich­ne­te sich durch Gebets­ei­fer, ste­te Dienst­be­reit­schaft und auf­op­fern­de Lie­be aus“, so die Über­lie­fe­rung: Er wur­de vom Volk geliebt und von den Wall­fah­rern ver­ehrt.“ Durch sie drang sein Name und Ruf weit über die Gren­zen Bay­erns hin­aus. Er starb am 21. April 1894. In der Kir­che des Klos­ters fand Kon­rad sei­ne letz­te Ruhe­stät­te. Sie wur­de 1953 in St. Kon­rad-Kir­che umbenannt.

Die Men­schen ver­ehr­ten Kon­rad schon zu Leb­zei­ten wie einen Hei­li­gen. Er ver­schenk­te alles, was er besaß, selbst einen Teil sei­nes Essens gab er den Bedürf­ti­gen, die an der Klos­ter­pfor­te klopf­ten. Nach sei­nem Tod bete­ten vie­le Gläu­bi­ge um sei­ne Für­bit­te. Auch eini­ge Wun­der gescha­hen auf die Für­bit­te des Hei­li­gen Bru­der Kon­rad hin.

Auch eine beson­de­re Anek­do­te aus sei­nem Leben ist über­lie­fert: An einem Nach­mit­tag sind die bes­se­ren Spei­sen schon an der Pfor­te ver­teilt. Da kommt ein Bett­ler und bit­te um etwas zu essen. Bru­der Kon­rad holt ihm aus der Küche etwas Sup­pe. Der Bett­ler kos­tet davon und wirft dem Bru­der die Schüs­sel mit­samt dem Inhalt vor die Füße. Dazu bemerkt er: Die kannst Du sel­ber fres­sen!“ Bru­der Kon­rad hebt die Scher­ben auf und sagt mit Sanft­mut: Gell, Du magst sie nicht. Ich hol Dir eine andere.“

2019-bruder-konrad-verteilt-brot-an-die-kinder Foto: Roswitha Dorfner
Bruder Konrad verteilt als Pförtner im damaligen Altöttinger St. Anna-Kloster Brot an Kinder. Darstellung in Altötting.

Spä­te­re berich­tet Pater Engel­bert Drun­ken­polz, Kapu­zi­ner aus Alt­öt­ting (19091980): Als ich ein­mal vor vie­len Jah­ren in einer Straf­an­stalt die Beich­te hör­te, hat mir her­nach ein alter Tip­pel­bru­der mit Trä­nen in den Augen erzählt: Vor über 40 Jahr hab ich ein­mal dem Bru­der Kon­rad die Sup­pen­schüs­sel vor die Füße hin­ge­wor­fen mit den Wor­ten: Heuch­ler. Schein­hei­li­ger Tropf. Friss die Sup­pe sel­ber. Dann hat es sich gebückt und die Scher­ben auf­ge­klaubt, aber geschimpft hat er nicht. Und das druckt mi halt heut noch‘.“ Über­lie­fert ist die Anek­do­te im Besu­cher­trakt des Klos­ters in Altötting.

Die baye­ri­sche und die unga­ri­sche Kapu­zi­ner­pro­vinz, die Diö­ze­se Pas­sau, der Boni­fa­ti­us­ver­ein in Deutsch­land und das Sera­phi­sche Lie­bes­werk Alt­öt­ting wähl­ten ihn zum Patron bzw. Mit­pa­tron. Eine unüber­seh­ba­re Zahl kirch­li­cher und öffent­li­cher Ein­rich­tun­gen wur­de nach ihm benannt: Got­tes­häu­ser und Kir­chen­ge­mein­den, Hei­me und Werk­stät­ten, Kin­der­gär­ten, Bil­dungs­zen­tren und Schu­len, Musik­krei­se, Orches­ter und Chö­re sowie Stra­ßen, Alleen und Apo­the­ken. Sein Fest­tag ist der 21. April.

Sei­ne Geburts­stät­te, der 1750 erbau­te Venus­hof, blieb bis in die 1950er-Jah­re im Besitz sei­ner Ver­wandt­schaft. Dann erwarb ein hei­mat­ver­trie­be­ner Bau­er aus Schle­si­en den Hof. 1971 kauf­te der Bru­der-Kon­rad-Ver­ein Par­zham e.V. das Bau­werk und errich­te­te hier nach einer umfas­sen­den Reno­vie­rung eine Wall­fahrts- und Gedenkstätte.

Text: Ernst Deubelli

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