Mit Glaubensmut gegen die Angst – 54. Altöttinger Pilgerfahrt nach München

Michael Glaß am 09.03.2020

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Altöttinger Pilgerfahrt nach München: Einzug der Altöttinger Pilger mit Bürgermeister Herbert Hofauer und Frau Geli (2. Reihe v. l.) sowie den Prinzen Tassilo und Wolfgang von Bayern.

Mit Glaubensmut gegen den schlimmsten Feind der Menschen: die Angst. Das riet Kardinal Reinhard Marx am 8. März den rund 350 Wallfahrern aus Altötting bei der 54. Auflage ihrer traditionellen Pilgerfahrt zu "Quellgebieten der Wallfahrt nach Altötting".

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Altöttinger Pilgerfahrt nach München: Einzug in den Dom.

Mün­chen mit sei­ner geschicht­li­chen und spi­ri­tu­el­len Ver­bin­dung zum Gna­den­ort stand schon lan­ge auf der Wunsch­lis­te der Alt­öt­tin­ger. Umso erfreu­li­cher, dass es bei der 54. Auf­la­ge ihrer all­jähr­li­chen Pil­ger­fahrt end­lich geklappt hat­te. Dass aus­ge­rech­net jetzt der welt­weit gras­sie­ren­de Coro­na-Virus sein Unwe­sen treibt, sorg­te jedoch für Ver­un­si­che­rung. Die Ent­schei­dung hat­ten sich die Ver­ant­wort­li­chen mit u.a. Stadt­pfar­rer und Wall­fahrts­rek­tor Prä­lat Gün­ther Mandl und der Direk­to­rin des Wall­fahrts- und Tou­ris­mus-Büros, Ulri­ke Kir­nich, nicht leicht gemacht.

„Zeugen und Zeuginnen der Hoffnung“

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Altöttinger Pilgerfahrt nach München: Kardinal Reinhard Marx im Liebfrauendom.

Doch nicht nur das präch­ti­ge, son­ni­ge Pil­ger­wet­ter gab ihnen Recht. Der Haupt­ze­le­brant beim Got­tes­dienst, Kar­di­nal Marx, hat­te auch eine Emp­feh­lung parat: nur Glau­bens­mut sei ein hilf­rei­ches Mit­tel gegen die Angst, die unfä­hig mache. Kei­ne Viren­angst“ zeig­te auch das Münch­ner Emp­fangs-Komi­tee“ mit Dom­de­kan Lorenz Wolf, Prinz Wolf­gang und Tas­si­lo von Bay­ern und eine Grup­pe der Herz-Mariä-Bru­der­schaft. Auch Dia­kon Die­ter Spöttl – Lei­ter der Eichen­rie­der Fuß­wall­fahrt nach Alt­öt­ting und vor zehn Jah­ren zum Stän­di­gen Dia­kon geweiht – begrüß­te die Wall­fah­rer aus dem Her­zen Bay­erns”. Fest­lich mit den Fah­nen­ab­ord­nun­gen und der Musik­ka­pel­le Alt­öt­ting war dann der Ein­zug zum Liebfrauendom.

Das Wort Kri­se“ sei uns zum Weg­be­glei­ter gewor­den, Umbrü­che in Poli­tik, Wirt­schaft und Wis­sen­schaft sei­en ein Hin­weis, wie sen­si­bel unse­re Welt gewor­den ist“, beton­te Kar­di­nal Marx in sei­ner Pre­digt. Auch die Kir­che befin­de sich in einer Umbruchs­pha­se. Doch nach wie vor hät­ten wir den Auf­trag Jesu, als Zeu­gen und Zeu­gin­nen der Hoff­nung“ auf­zu­tre­ten. Marx beton­te: Die Oster­er­fah­rung, die Kraft des Glau­bens an den Auf­er­stan­de­nen, zeigt uns auf, was es heißt, Kir­che zu sein.“ Außer­dem beton­te Marx sei­ne ganz per­sön­li­che Ver­bun­den­heit zu Alt­öt­ting: Bay­ern sei Mari­en­land und Du bist noch nicht in Bay­ern ange­kom­men, wenn du nicht in Alt­öt­ting warst“ – die­sen Aus­spruch des ehe­ma­li­gen Pas­sau­er Diö­ze­san­bi­schofs Wil­helm Schraml habe er sich sehr zu Her­zen genommen.

Nach­mit­tags stan­den eine Stadt­füh­rung, für die jün­ge­ren Teil­neh­mer eine Stadt-Ral­ley auf dem Pro­gramm und zum Schluss eine Andacht in der Jesui­ten­kir­che St. Michael.

Abschied für Bürgermeister und Stadtpfarrer

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Altöttinger Pilgerfahrt nach München: Stadtpfarrer und Wallfahrtsrektor Prälat Günther Mandl bei der Andacht in der Jesuitenkirche St. Michael.

Nicht nur für Her­bert Hofau­er war es eine Pil­ger­fahrt des Abschieds als amtie­ren­der Bür­ger­meis­ter, son­dern auch für Prä­lat Gün­ther Mandl nach 18 Jah­ren als Stadt­pfar­rer und Wall­fahrts­lei­ter. Mandl beton­te im Rah­men der Abschluss­an­dacht, dass die St. Micha­els­kir­che als Grab­le­ge der Wit­tels­ba­cher eine Ver­bin­dung zur Alt­öt­tin­ger Gna­den­ka­pel­le her­stel­le (hier sind deren Her­zen in Sil­ber­ur­nen bei­gesetzt): Mün­chen und Alt­öt­ting gehö­ren zusam­men als füh­ren­des, lei­ten­des, pla­nen­des Haupt und als füh­len­des, lie­ben­des Herz der Kir­che“, sag­te er und wünsch­te, dass wir alle treu und fest im Glau­ben blei­ben, tief ver­wur­zelt und offen für die Zukunft“.

Lus­ti­ges am Ran­de: Ange­sichts zwei­er Pil­ger­bus­se des Unter­neh­mes Marx-Rei­sen lau­te­te die Fra­ge einer Mit­pil­ge­rin, ob da der Münch­ner Kar­di­nal sei­ne Hän­de im Spiel habe. Und beim Mit­tag­essen im Hof­bräu­haus frag­te ein jun­ger Mit­pil­ger (ins­ge­samt waren es 25 Kin­der, teils Erst­kom­mu­ni­on­kin­der): Steht das HB (Initia­len für Hof­bräu­haus) für Hell­bräu‘“? – Die­se Fra­ge, bezo­gen auf die Alt­öt­tin­ger Tra­di­ti­ons­braue­rei, so Kaplan Micha­el Oster­hol­zer schmun­zelnd, habe die Pfarr­ge­mein­de­rats­vor­sit­zen­de Lui­se Hell sehr gefreut.

Text und Fotos: Ros­wi­tha Dorfner