
Mit Glaubensmut gegen den schlimmsten Feind der Menschen: die Angst. Das riet Kardinal Reinhard Marx am 8. März den rund 350 Wallfahrern aus Altötting bei der 54. Auflage ihrer traditionellen Pilgerfahrt zu "Quellgebieten der Wallfahrt nach Altötting".

München mit seiner geschichtlichen und spirituellen Verbindung zum Gnadenort stand schon lange auf der Wunschliste der Altöttinger. Umso erfreulicher, dass es bei der 54. Auflage ihrer alljährlichen Pilgerfahrt endlich geklappt hatte. Dass ausgerechnet jetzt der weltweit grassierende Corona-Virus sein Unwesen treibt, sorgte jedoch für Verunsicherung. Die Entscheidung hatten sich die Verantwortlichen mit u.a. Stadtpfarrer und Wallfahrtsrektor Prälat Günther Mandl und der Direktorin des Wallfahrts- und Tourismus-Büros, Ulrike Kirnich, nicht leicht gemacht.
„Zeugen und Zeuginnen der Hoffnung“

Doch nicht nur das prächtige, sonnige Pilgerwetter gab ihnen Recht. Der Hauptzelebrant beim Gottesdienst, Kardinal Marx, hatte auch eine Empfehlung parat: nur Glaubensmut sei ein hilfreiches Mittel gegen die Angst, die unfähig mache. Keine „Virenangst“ zeigte auch das „Münchner Empfangs-Komitee“ mit Domdekan Lorenz Wolf, Prinz Wolfgang und Tassilo von Bayern und eine Gruppe der Herz-Mariä-Bruderschaft. Auch Diakon Dieter Spöttl – Leiter der Eichenrieder Fußwallfahrt nach Altötting und vor zehn Jahren zum Ständigen Diakon geweiht – begrüßte die Wallfahrer aus dem “Herzen Bayerns”. Festlich mit den Fahnenabordnungen und der Musikkapelle Altötting war dann der Einzug zum Liebfrauendom.
Das Wort „Krise“ sei uns zum Wegbegleiter geworden, Umbrüche in Politik, Wirtschaft und Wissenschaft seien ein Hinweis, „wie sensibel unsere Welt geworden ist“, betonte Kardinal Marx in seiner Predigt. Auch die Kirche befinde sich in einer Umbruchsphase. Doch nach wie vor hätten wir den Auftrag Jesu, als „Zeugen und Zeuginnen der Hoffnung“ aufzutreten. Marx betonte: „Die Ostererfahrung, die Kraft des Glaubens an den Auferstandenen, zeigt uns auf, was es heißt, Kirche zu sein.“ Außerdem betonte Marx seine ganz persönliche Verbundenheit zu Altötting: Bayern sei Marienland und „Du bist noch nicht in Bayern angekommen, wenn du nicht in Altötting warst“ – diesen Ausspruch des ehemaligen Passauer Diözesanbischofs Wilhelm Schraml habe er sich sehr zu Herzen genommen.
Nachmittags standen eine Stadtführung, für die jüngeren Teilnehmer eine Stadt-Ralley auf dem Programm und zum Schluss eine Andacht in der Jesuitenkirche St. Michael.
Abschied für Bürgermeister und Stadtpfarrer

Nicht nur für Herbert Hofauer war es eine Pilgerfahrt des Abschieds als amtierender Bürgermeister, sondern auch für Prälat Günther Mandl nach 18 Jahren als Stadtpfarrer und Wallfahrtsleiter. Mandl betonte im Rahmen der Abschlussandacht, dass die St. Michaelskirche als Grablege der Wittelsbacher eine Verbindung zur Altöttinger Gnadenkapelle herstelle (hier sind deren Herzen in Silberurnen beigesetzt): „München und Altötting gehören zusammen als führendes, leitendes, planendes Haupt und als fühlendes, liebendes Herz der Kirche“, sagte er und wünschte, „dass wir alle treu und fest im Glauben bleiben, tief verwurzelt und offen für die Zukunft“.
Lustiges am Rande: Angesichts zweier Pilgerbusse des Unternehmes Marx-Reisen lautete die Frage einer Mitpilgerin, ob da der Münchner Kardinal seine Hände im Spiel habe. Und beim Mittagessen im Hofbräuhaus fragte ein junger Mitpilger (insgesamt waren es 25 Kinder, teils Erstkommunionkinder): „Steht das HB (Initialen für Hofbräuhaus) für ‚Hellbräu‘“? – Diese Frage, bezogen auf die Altöttinger Traditionsbrauerei, so Kaplan Michael Osterholzer schmunzelnd, habe die Pfarrgemeinderatsvorsitzende Luise Hell sehr gefreut.
Text und Fotos: Roswitha Dorfner