icons / 24px / close
Einstellungen erfolgreich gespeichert

Unsere Website verwendet Cookies, um Ihnen die bestmögliche Erfahrung zu bieten. Mehr erfahren

125 Jahre "Altöttinger Liebfrauenbote" – Von der Kaiserzeit bis ins 21. Jahrhundert eine Stimme christlichen Lebens

Michael Glaß am 20.11.2019

2019-125-jahre-aoelfb-titel-1895 info-icon-20px Foto: Altöttinger Liebfrauenbote
Der Kopf der ersten Ausgabe des "Altöttinger Liebfrauenboten" vom 6. Januar 1895 – noch mit der Neuöttinger Stadtpfarrkirche (rechts).

Am 6. Januar 2020, am Dreikönigstag, ist der Altöttinger Liebfrauenbote 125 Jahre alt geworden. Damit ist er eine der ältesten Kirchenzeitungen im Land. Als der "Bote" 1895 zum ersten Mal gedruckt wurde, regierte Prinzregent Luitpold in München und Kaiser Wilhelm II. in Berlin. In diesen Jahren der Aufbruchsstimmung unternahm der junge Geistliche Franz Xaver Konrad das Wagnis, mit dem Liebfrauenboten eine katholische Sonntagszeitung zu gründen. 125 Jahre sind seither vergangen, und viel hat sich verändert – auch das Bild unserer Wochenzeitung. Und es wird sich weiter verändern, denn wir gehen seit Januar 2020 mit dem Passauer Bistumsblatt unter dem Dach der Diözese Passau in eine gemeinsame Zukunft.

2019-125-jahre-aoelfb-titel-1895 info-icon-20px Foto: Altöttinger Liebfrauenbote
Der Kopf der ersten Ausgabe des "Altöttinger Liebfrauenboten" vom 6. Januar 1895 – noch mit der Neuöttinger Stadtpfarrkirche (rechts).
2019-125-jahre-aoelfb-f-x-konrad info-icon-20px Foto: Altöttinger Liebfrauenbote
Prälat Franz Xaver Konrad, als Kaplan der erste Redakteur des Altöttinger Liebfrauenboten.

Ein Stich mit Gna­den­bild, Kapell­platz und Neuöt­tin­ger Pfarr­kir­che schmückt die Titel­sei­ten der jeweils acht Sei­ten umfas­sen­den Aus­ga­ben im Jahr 1895 und ver­rät unzwei­deu­tig die katho­li­sche Aus­rich­tung des Blatts sowie den Erschei­nungs­ort und die enge Ver­bun­den­heit zum Her­zen Bay­erns”. Fünf Jah­re zuvor, 1890, war Reichs­kanz­ler Bis­marck nach fast zwan­zig­jäh­ri­gem Kul­tur­kampf” ent­las­sen wor­den und in Bay­ern ver­starb im sel­ben Jahr Minis­ter­rats­vor­sit­zen­der Johann von Lutz, der sich vehe­ment für eine Tren­nung von Staat und Kir­che ein­ge­setzt hat­te. Damals lag die Grün­dung katho­li­scher Zei­tun­gen und Wochen­blät­ter gera­de­zu in der Luft”. Doch wer gab das not­wen­di­ge Kapi­tal, wer lie­fer­te die regel­mä­ßi­gen Bei­trä­ge, wer soll­te die Abon­nen­ten werben?

Im Nach­hin­ein betrach­tet, muss man den Mut des jun­gen Geist­li­chen Franz Xaver Kon­rad, Koope­ra­tor (Kaplan) in Neuöt­ting bewun­dern, der die­ses Wag­nis mit der Grün­dung des Alt­öt­tin­ger Lieb­frau­en­bo­ten 1895 unter­nom­men hat – mit nicht viel mehr aus­ge­stat­tet als mit Begeis­te­rung, hohen Geis­tes­ga­ben und vor allem mit gro­ßem Gott­ver­trau­en. Kon­rad wur­de spä­ter Stadt­pfar­rer in Alt­öt­ting und nach der Wie­der­errich­tung des Chor­herrn­stifts des­sen ers­ter Stifts­propst – legen­där durch sei­ne aben­teu­er­li­che Flucht mit dem Gna­den­bild nach Pas­sau im Revo­lu­ti­ons­jahr 1919 vor den anrü­cken­den Revo­lu­tio­nä­ren, unter denen der Bote” erst­mals Bekannt­schaft mit poli­ti­scher Zen­sur machen sollte.

" ... im Diens­te der lie­ben Mut­ter Got­tes.”

2019 125 jahre aoelfb probe blatt dez1894 info-icon-20px Foto: Altöttinger Liebfrauenbote
Titel der Probenummer des Altöttinger Liebfrauenboten vom 2. Dezember 1894.

Am Sonn­tag, 2. Dezem­ber 1894 ließ Kon­rad eine Art Flug­blatt dru­cken. In die­ser Abon­ne­ments-Ein­la­dung” hieß es zur Moti­va­ti­on: Unser hl. Vater Leo XIII. hat in einem Rund­schrei­ben den Wunsch aus­ge­spro­chen, dass katho­li­sche Schrif­ten, katho­li­sche Bücher, katho­li­sche Zei­tun­gen immer mehr ver­brei­tet wer­den sol­len.” Wei­ter for­dert der Papst, offen­bar noch ganz unter dem Ein­druck des zurück­lie­gen­den Kul­tur­kamp­fes: Die glau­bens­lo­se Pres­se wächst von Tag zu Tag und rich­tet dadurch von Tag zu Tag grö­ße­res Ver­der­ben an. Es gibt dage­gen kein ande­res, wirk­sa­me­res Heil­mit­tel, als dass in dem­sel­ben Maße auch die katho­li­sche Pres­se wach­se.” Denn, so Leo XIII. wei­ter: Wenn glau­bens­lo­se Schrif­ten das Land über­schwem­men, dann müs­sen auch gläu­bi­ge, echt katho­li­sche Schrif­ten das Land über­schwem­men, damit wenigs­tens die­je­ni­gen, wel­che guten Wil­lens sind, geret­tet werden”.

Nun, ganz so wür­de das heu­te wohl nie­mand mehr for­mu­lie­ren – die Not­wen­dig­keit und Berech­ti­gung kirch­li­cher Zei­tun­gen aber ist auch in unse­ren Tagen unbe­strit­ten. Abge­se­hen vom Wunsch des Paps­tes gab es für Franz Xaver Kon­rad damals noch einen ande­ren beson­de­ren Zweck” für unser Sonn­tags­blatt”: es soll­te ein Bote Unse­rer Lie­ben Frau sein; es steht also im Diens­te der lie­ben Mut­ter Got­tes.” Es ging dem Grün­dungs­va­ter des Lieb­frau­en­bo­ten ent­schie­den auch dar­um, die Wall­fahrt zur Gna­den­ka­pel­le von Alt­öt­ting in Geschich­te und Gegen­wart bekann­ter zu machen. Und so appel­liert er am Ende sei­ner Wer­be­schrift: Wir ersu­chen die lie­ben Leser, das Pro­be­blatt zu ver­brei­ten und zur Ehre der Mut­ter Got­tes recht vie­le Abon­nen­ten zu gewinnen”.

Unterweisung und Unterhaltung

2019-125-jahre-aoelfb-bussereau info-icon-20px Foto: Altöttinger Liebfrauenbote
Pfarrer Jakob F. Bussereau.

Das Bild der Gna­den­mut­ter von Alt­öt­ting” schmück­te nicht nur die Abon­ne­ments-Ein­la­dung”, son­dern – leicht ver­än­dert – auch die Titel­sei­te der ers­ten regu­lä­ren Aus­ga­be, ein­ge­rahmt von den Schrift­leis­ten mit dem Titel: Alt­öt­tin­ger Lieb­frau­en­bo­te” dar­un­ter: Her­aus­ge­ge­ben von katho­li­schen Geist­li­chen”. Dar­un­ter stand zu lesen: Der Alt­öt­tin­ger Lieb­frau­en­bo­te’ erscheint jeden Sonn­tag und kos­tet vier­tel­jähr­lich 50 Pfen­ni­ge, monat­lich 20 Pfennige”.

Grün­dungs­va­ter Franz Xaver Kon­rad war dar­auf bedacht, sei­nen Lesern eine aus­ge­wo­ge­ne Mischung aus reli­giö­ser Unter­wei­sung und Unter­hal­tung zu bie­ten: jede Aus­ga­be des Lieb­frau­en­bo­ten brach­te einen volks­tüm­li­chen reli­giö­sen Leit­ar­ti­kel, einen Roman in Fort­set­zun­gen, Erzäh­lun­gen, Humor und Rät­sel­ecke, Nach­rich­ten aus dem kirch­li­chen Leben sowie aus­führ­li­che Bericht­erstat­tung über das Wall­fahrts­le­ben und über die Ver­an­stal­tun­gen der Alt­öt­tin­ger Männerkongregation.

Auf Fr. X. Kon­rad folg­te noch im Grün­dungs­jahr Koope­ra­tor Max Eglse­der und 1897 schließ­lich Pfar­rer Jakob F. Bus­se­reau, Grün­der der Kon­gre­ga­ti­on der St. Pau­lus-Schwes­tern und Direk­tor der St. Pau­lus-Stif­te im pfäl­zi­schen Herx­heim und in Neuöt­ting, als Chef­re­dak­teur des Lieb­frau­en­bo­ten. Nach Bus­se­re­aus Rück­kehr in die pfäl­zi­sche Hei­mat im Jahr 1905 ging der Bote” durch Kauf in den Besitz der Maria­ni­schen Män­ner­kon­gre­ga­ti­on Alt­öt­ting (MC) über und wur­de fort­an am Wall­fahrts­ort gedruckt, in der Dru­cke­rei von Hans Bütt­ner” in der Neuöt­tin­ger Stra­ße 32. Auch wenn der Besitz die­ses Druck­hau­ses noch ein­mal wech­sel­te – im Jahr 1911 erwar­ben die Brü­der Josef und Dr. Hans Gei­sel­ber­ger den Bütt­ner’­schen Betrieb – bei der glei­chen Adres­se soll­te die Zei­tung für lan­ge Zeit blei­ben: 88 Jah­re hin­durch, bis zum Jahr 1993 hat­te der Lieb­frau­en­bo­te hier sein Domizil.

Von den Nazis verboten

2019-125-jahre-aoelfb-karl-vogl info-icon-20px Foto: Altöttinger Liebfrauenbote
H. H. Karl Vogl.

Mit dem Umzug nach Alt­öt­ting war auch ein Wech­sel in der Redak­ti­on ver­bun­den. Als ver­ant­wort­li­cher Redak­teur zeich­ne­te fort­an H. H. Karl Vogl, Bene­fi­zi­at in Holz­hau­sen, Post Neuöt­ting. Er, ein jour­na­lis­ti­sches Natur­ta­lent” von hohen Gra­den, präg­te weit über die enge­re baye­ri­sche Hei­mat hin­aus das Erschei­nungs­bild des Alt­öt­tin­ger Lieb­frau­en­bo­ten”. Nach den Wir­ren von Ers­tem Welt­krieg, Baye­ri­scher Räte­re­pu­blik, Infla­ti­on, Hit­ler­putsch 1923, Schwar­zem Frei­tag” von 1929 und den Jah­ren der Mas­sen­ar­beits­lo­sig­keit gehör­te Karl Vogl zu den schärfs­ten und klar­sich­tigs­ten Kom­men­ta­to­ren des auf­stre­ben­den Nationalsozialismus.

Doch nach der Macht­er­grei­fung” 1933 prä­sen­tier­ten die Natio­nal­so­zia­lis­ten Vogl für sei­nen uner­schro­cke­nen Ein­satz die Rech­nung: Als eine der ers­ten deut­schen Zei­tun­gen wur­de der den neu­en Macht­ha­bern miss­lie­bi­ge Alt­öt­tin­ger Lieb­frau­en­bo­te schon weni­ge Tage nach Hit­lers Macht­über­nah­me ver­bo­ten, zunächst für zwei Wochen, und anschlie­ßend Aus­ga­be für Aus­ga­be zen­siert. Boten­pfar­rer” Karl Vogl leg­te die Redak­ti­on trotz der Bit­ten des Ver­la­ges nie­der, denn er konn­te sei­nes Lebens nicht mehr sicher sein. Er ver­brach­te sein wei­te­res Leben zurück­ge­zo­gen als Seel­sor­ger und starb 1941.

"Wiedergeburt" im September 1948

2019-125-jahre-aoelfb-heinrich-becker info-icon-20px Foto: Altöttinger Liebfrauenbote
Heinrich Becker.

Durch die Pra­xis der Lizenz­ver­ga­be sei­tens der ame­ri­ka­ni­schen Besat­zungs­macht zöger­te sich die Wie­der­ge­burt des Alt­öt­tin­ger Lieb­frau­en­bo­ten nach dem Krieg bis zum Sep­tem­ber 1948 hin­aus. Mit einem herz­li­chen Grüß Euch Gott” und der Lizenz­num­mer US‑E 137 mel­de­te sich der Bote” 1948 mit sei­ner Num­mer 1 bei sei­nen Lesern zurück. Die Ver­le­ger­schaft lag bei Dr. Hans Gei­sel­ber­ger, der einen neu­en Chef­re­dak­teur gewon­nen hat­te: Hein­rich Becker. An sei­ner Sei­te stand als geist­li­cher Bei­rat der unver­ges­se­ne Prä­ses der Maria­ni­schen Män­ner­kon­gre­ga­ti­on, Kapu­zi­ner­pa­ter Wil­le­hald Schlarnhaufer.

Im Herbst 1974 folg­te auf Hein­rich Becker sein Sohn Peter Becker als Chef­re­dak­teur des Lieb­frau­en­bo­ten, Pater Kos­mas Wüh­rer wur­de nach dem Tod von P. Wil­le­hald Schlarn­hau­fer im Jah­re 1979 mit dem Amt des Prä­ses der Alt­öt­tin­ger Män­ner­kon­gre­ga­ti­on, der Her­aus­ge­ber­schaft des Lieb­frau­en­bo­ten und der Auf­ga­be des geist­li­chen Bei­rats betraut. Die Geschäfts­füh­rung hat­te Bern­hard Neu­mei­er als Nach­fol­ger von Dr. Oskar Ben­der über­nom­men, Ver­lags­lei­ter war Peter Friedrich.

Konkurrenzdruck und Säkularisierung

2019-125-jahre-aoelfb-peter-becker info-icon-20px Foto: Altöttinger Liebfrauenbote
Peter Becker.

Der Wie­der­auf­bau des Boten seit den 50er-Jah­ren hat­te sich gut ent­wi­ckelt, doch die neu­en Zei­ten for­der­ten zuneh­mend auch ihren Tri­but. Vor dem Krieg hat­te der Bote” Kon­kur­renz­druck kaum gekannt, nun bekam auch er, der sich seit je und bis heu­te wirt­schaft­lich selbst zu tra­gen hat, ihn zu spü­ren. Dazu gesell­ten sich schon seit den frü­hen 60er-Jah­ren nach­hal­ti­ge Säku­la­ri­sie­rungs­ent­wick­lun­gen in Gesell­schaft und Kir­che, die auch am Boten” nicht vorübergingen.

Auch der tech­ni­sche Fort­schritt brach­te man­che Ver­än­de­rung: Dem alt­her­ge­brach­ten Blei­satz nach Guten­berg­scher Manier folg­te 1986 die Umstel­lung auf Foto­satz. 1993 schließ­lich muss­te sich der Boten­ver­lag tech­ni­schen Zwän­gen fol­gend, von dem Druck­haus tren­nen, in dem er von 1905 an tech­nisch her­ge­stellt wor­den war. Seit April 1993 wird der Bote nun im eige­nen Hau­se auf Com­pu­ter digi­tal bis zur Druck­rei­fe her­ge­stellt und dann im Druck­zen­trum der Pas­sau­er Neu­en Pres­se in Pas­sau-Sperr­wies auf einer moder­nen Off­set-Rota­ti­ons­ma­schi­ne gedruckt.

Hinein ins Zeitalter der Neuen Medien

Wolfgang Terhörst 3551 modi info-icon-20px Foto: Christoph Pittner
Wolfgang Terhörst, Redaktionsleiter "Altöttinger Liebfrauenbote".

Nach der Ära Becker über­nahm im Febru­ar 2007 Wolf­gang Ter­hörst die Chef­re­dak­ti­on des Lieb­frau­en­bo­ten. Kraft­voll unter­stützt durch die MC-Prä­ses und Boten­pfar­rer” Pater Mari­nus Par­zin­ger (bis Febru­ar 2009) und Pater Georg Grei­mel sowie im Team mit Ver­lags­lei­te­rin und Geschäfts­füh­re­rin Bar­ba­ra Kies­wim­mer, Redak­teur Micha­el Glaß und Redak­ti­ons­as­sis­ten­tin Ros­wi­tha Dorf­ner nahm er die Her­aus­for­de­rung an, das ehr­wür­di­ge Sonn­tags­blatt in das Zeit­al­ter der Neu­en Medi­en hin­ein- und an eine jün­ge­re Leser­schaft heranzuführen.

Im Grun­de genom­men hat sich am Grün­dungs­auf­trag des Alt­öt­tin­ger Lieb­frau­en­bo­ten (sie­he oben im Text) bis heu­te nichts geän­dert. Doch hat sich der Fokus auf die Welt­kir­che gewei­tet, neue The­men sind hin­zu­ge­kom­men, das Lay­out wur­de moder­ni­siert und ein Inter­net-Auf­tritt geschaf­fen – ganz wie im Sin­ne des Zwei­ten Vati­ka­ni­schen Kon­zils die Kir­che eine eccle­sia sem­per refor­man­da” ist. Oder wie es Kon­zils­papst Paul VI. for­mu­lier­te: Es gel­te stets, auf die Hand Got­tes” in Kir­che und Welt zu ach­ten und sei­nem Fin­ger­zeig zu fol­gen. Die­sem Wan­del in Bestän­dig­keit wol­len wir auch in Zukunft treu blei­ben – nicht nur um Gott und der Mut­ter Got­tes zu die­nen, son­dern vor allem auch Ihnen, lie­be Lese­rin­nen und Leser.

Text: Alt­öt­tin­ger Liebfrauenbote